15.03.2018

Vorbereitungstagung zur Interkulturellen Woche 2018

Das BfDT auf der Vorbereitungstagung zur Interkulturellen Woche 2018 in Frankfurt am Main

„Vielfalt verbindet." – unter diesem Motto wird im September die bundesweite Interkulturelle Woche 2018 stattfinden. Zur diesjährigen Vorbereitungstagung der IKW am 16. und 17. Februar 2018 kamen rund 180 Haupt- und Ehrenamtliche, die sich in den Themenbereichen Migration, Antirassismus, Partizipation und Flüchtlingsarbeit engagieren, nach Frankfurt am Main, um sich gemeinsam über aktuelle Fragestellungen zum Umgang mit Andersdenkenden in Deutschland auszutauschen. „Wie können anders Denkende erreicht und emotionale Akzeptanz geschaffen werden?“, „Welche Gesellschaft haben wir vor Augen, wenn wir uns engagieren? Welche Werte vertreten wir?“ „Wie gelingt der Dialog?“ „Wie können wir besser zuhören, die eigene Position deutlich machen?“ „Wie treten wir gemeinsam und wirkungsvoll für politische Teilhabe ein in einer Situation, in der es immer schwerer wird, Gehör zu finden?“ waren dabei die Kernfragen.

Visualisierung des Impulsvortrages (Bild: BfDT)Visualisierung des Impulsvortrages(Bild: BfDT)
Nach der Begrüßung und dem Vortrag „Wo stehen wir als Vielfaltsgesellschaft und welche Wege können wir öffnen?“ von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani mit anschließender Diskussion im Plenum ging es in die Arbeitsgruppen.

Antje Wohlrabe, Mitarbeiterin des BfDT, moderierte die Arbeitsgruppe 1 zum Thema „Klare Sprache - gelingende Kommunikation“. Nach einer kurzen Murmelrunde, in der sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen mit rassistischen Bemerkungen, menschenverachtenden Sprüchen und populistischen Parolen in ihrem Umfeld austauschten, schilderte Frau Dr. Petra Schickert vom Kulturbüro Sachsen e.V. - Mobiles Beratungsteam und Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, in einem kurzen Impulsvortrag wie unterschiedlich Gemeinden mit rechtspopulistischen Aussagen ihrer Gemeindemitglieder umgehen. Im zweiten Teil der Arbeitsgruppe haben sich die Teilnehmenden anhand der Methode des Tetralemmas mit der Frage „Sollen wir mit Rechtspopulisten das Gespräch suchen?“ auseinandergesetzt. Herr Dr. Reiner Becker vom beratungsNetzwerk hessen – Gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus führte zunächst in die Methode des Tetralemmas ein: Dabei handelt es sich um eine Struktur aus der traditionellen indischen Logik zur Kategorisierung von Haltungen und Standpunkten, bei der nach einander vier verschiedene Blickwinkel auf die Fragestellung eingenommen werden: „Für das Gespräch“, „Gegen das Gespräch“, „Sowohl als auch“ und „Weder noch“. Daraufhin haben sich die Teilnehmenden in vier Arbeitsgruppen die Fragestellung anhand des Tetralemmas bearbeitet und anschließend die Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass sich für alle vier Haltungen Argumente finden lassen, aber alle Teilnehmende es als wichtig empfinden mit Andersdenkenden in Kommunikation zu treten, da dies Teil der Demokratie sei, sich Argumente anzuhören und diesen etwas entgegen zu setzen. Es kristallisierte sich insbesondere heraus, dass es Grenzen bei einer Kommunikation mit Andersdenkenden gibt, so sei das Grundgesetz nicht zu diskutieren. Zudem gibt es auch weitere Kommunikationsmöglichkeiten über das persönliche Gespräch hinaus, wie zum Beispiel die Organisation von Veranstaltungen zu Themen wie Menschenrechte oder sozialer Gerechtigkeit, oder das Erschaffen von Erlebnisräumen.

Am Abend fand eine Lesung und Gespräch zum Thema „»Hotline für besorgte Bürger ...«: Wie bleiben wir im Gespräch?“ mit Ali Can (Autor) und Kai Klose (Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration) statt. Herr Ali Can erzählte u.a. von seinen unterschiedlichen Begegnungen mit Menschen, die sich an seine Hotline gewendet haben und ihre Sorgen und Ansichten mitgeteilt haben. Am nächsten Tag stellte Ibrahim Arslan (Projekt „Demokratie ist wichtig. Punkt!“) in seinem Vortrag „Rassismus: Stark machen gegen Hass“ kurz seine eigene Lebensgeschichte als Überlebender der Anschläge von Mölln 1992 vor und lenkte den Blick auf die vielen weiteren Todesopfer von rechter Gewalt in den letzten drei Jahrzehnten und machte deutlich, dass es wichtig ist, den Blick nicht nur auf die Täter zu legen sondern vermehrt auch auf die Perspektive der Opfer von rechter Gewalt. Anschließend nahm er gemeinsam mit Günter Burkhard (Pro Asyl), Dr. Lars Castellucci (MdB SPD), Dr. Matthias Zimmer (MdB CDU) sowie Frau Gabriele Erpenbeck (Ökumenischer Vorbereitungsausschuss der IKW) in der Podiumsdiskussion zu dem Thema „Deutschland 2018: Integration und Partizipation gestalten. – Impulse und Perspektiven für die Interkulturelle Woche 2018“ teil und stelle sich den Fragen aus dem Publikum.


 

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