13.12.2017

Interview zum sozial-kulturellen Schiffsprojekt „Mit Sicherheit gut ankommen“

Hermann Lampen im Gespräch

„Mit Sicherheit gut ankommen“: Unter diesem Motto stand das sozial-kulturelle Schiffsprojekt zu Flucht und Migration von OUTLAW.die Stiftung und mehr als 50 Kooperationspartner/-innen. Zwei Schiffe fuhren quer durch Deutschland und informierten über Themen rund um Flucht, Migration und Integration. Das BfDT hat die beiden Stationen Weener/Ems und Papenburg, an denen die Schiffe im August 2017 hielten und ihre Schotten für interessierte Besucher/-innen öffneten, finanziell unterstützt. Hermann Lampen war Mitorganisator für das Veranstaltungsprogramm vor Ort und berichtet im Interview von seinen Eindrücken während des Projekts.

Etwa zwei Monate lang schipperten zuerst die „M/S Anton“ und danach die „Al-hadj Djumaa“ im Rahmen des sozial-kulturellen Schiffsprojekts „Mit Sicherheit gut ankommen“ durch Deutschland. Was hat es mit den beiden Schiffen auf sich?

Die Al-Hadj Djumaa vor dem Reichstag in Berlin (Foto: Sebi Berens)Die Al-Hadj Djumaa vor dem Reichstag in Berlin (Foto: Sebi Berens)
Die „Al-hadj Djumaa“ ist ein Schiff, das im Sommer 2013, aus Ägypten kommend, mit 217 Eritreer/-innen und 65 Äthiopier/-innen an Bord vor Lampedusa von der italienischen Küstenwache beschlagnahmt wurde. Nachdem es von einer niederländischen Initiative gekauft wurde, schippert es nun durch die Amsterdamer Grachten, um über die Geflüchtetenthematik zu informieren. Die M/S Anton ist ein Schiff der dänischen Vereins Levende Hav.

Für das Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ kamen die beiden Schiffe nach Deutschland. Den Kern des Projektes bildete deren Reise mit mehr als 25 Stationen in Hafenstädten entlang der deutschen Nordseeküste sowie kreuz und quer durch Deutschland über Flüsse und Kanäle im Sommer 2017. Auf den Schiffen, die jeweils besichtigt werden konnten, befanden sich 80 Kupferfiguren des dänischen Künstlers Jens Galschiøt, die auf eine künstlerische Art und Weise flüchtende Menschen darstellen sollten.

Ziel des Projekts war es, mit einem „Hingucker“ und begleitenden Veranstaltungen und Aktionen auf die Themen Flucht, Migration, Prävention und Integration hinzuweisen. Jede Station entlang der Schiffsroute entwickelte hierzu mit örtlichen Partner/-innen ein individuelles Programm.

Am 1. Oktober ist die „Al-hadj Djumaa“ mit den 70 Bronzestatuen erfolgreich in Berlin angekommen. Sie haben zuvor für die Stationen im Hafen Weener/Ems und Papenburg ein umfangreiches Programm erstellt. Erzählen sie ein wenig von der Besonderheit ihres Programms!

Ziel war es, neben den Flüchtlingsschiffen und der Wanderausstellung weitere Projektbausteine unter Einbindung von Geflüchteten und Flüchtlingsinitiativen zu implementieren. Hierdurch sollten unterschiedliche Zielgruppen, insbesondere Jugendliche und Heranwachsende, angesprochen und die Möglichkeit zum Dialog geschaffen werden. Als zusätzliche Projektbausteine wurden das Theaterstück „PassWorte - Wie Belal nach Deutschland kam“, die Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“, das interkulturelle Sportfest mit integrativem Soccer-Turnier sowie das „30. Internationale Fest Papenburg“ durchgeführt.

Die Bronzefiguren auf der M/S Anton (Foto: Sebi Berens)Die Bronzefiguren auf der M/S Anton (Foto: Sebi Berens)
Was hat es mit den Projektbausteinen auf sich?

Das Theaterstück „Pass.Worte - Wie Belal nach Deutschland kam“ wurde in einem Schiffscontainer von LOKSTOFF! Theater im öffentlichen Raum e.V. aus Stuttgart aufgeführt. Die 24 Vorführungen des Theaterstücks beschrieben die Erlebnisse des Afghanen Belal, der seine Heimat Afghanistan verlassen hatte, weil er dort von den Taliban mit dem Tod bedroht wurde.

Autor der Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ ist Interner LinkAntonio Umberto Riccò aus Hannover. Vor der italienischen, zwischen Sizilien und Afrika gelegenen Insel Lampedusa, versank am 3. Oktober 2013 ein mit 545 flüchtenden Menschen völlig überladener Kutter, 366 ertranken: Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien, die vor Krieg und Armut flohen, voller Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Antonio Umberto Riccò hat aus Zeugenaussagen und dokumentarischem Material einen Text zusammengestellt, der unterschiedliche Perspektiven auf die Katastrophe eröffnet.

An dem Fußballturnier nahmen acht Mannschaften (12-17 Jahre) und 10 Mannschaften (ab 18 Jahren), bestehend aus geflüchteten Menschen und Mitbürger/-innen mit Migrationshintergrund, teil. Darüber hinaus sorgten verschiedene Sportmöglichkeiten zum Mitmachen wie Hüpfburg, Bungee-Run und Kletterwand beim interkulturellen Sportfest für viel Spaß.

Das Internationale Fest in Papenburg widmete sich dem Gedanken der Integration und des interkulturellen Austausches. Es bot die Möglichkeit der Begegnung und des Kontakts mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Angegliedert an das Fest gab es Ausstellungen zum Thema Migration, Wettbewerbe, Filme und vieles mehr.

Mit welchen Akteur/-innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Religion kooperierten Sie, um ein vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen?

Die Aktivitäten rund um die Aufenthalte der Schiffe in Weener/Ems und Papenburg wurden federführend durch „OUTLAW.die Stiftung“, der Johannesburg GmbH Surwold, dem Präventionsrat Netzwerk Rheiderland, dem Präventionsrat Papenburg, der Migrationsberatungs- und Kontaktstelle des Deutschen Roten Kreuzes und dem Sportverein Surwold e.V. geplant und durchgeführt. Eine Vielzahl ehrenamtlicher Helfer/-innen aus verschiedenen Organisationen, Vereinen, Schulen und zivilgesellschaftlichen Gruppen waren in das Projekt eingebunden sowie viele weitere zusätzliche Kooperationspartner/-innen.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden und Kooperationspartner/-innen waren äußerst positiv. Bereits vor Ort wurden langfristige Kooperationen vereinbart, sodass eine Nachhaltigkeit gewährleistet werden kann. Im Jahr 2018 ist erneut das Internationale Fest in Papenburg geplant. Darüber hinaus befinden sich die Kooperationspartner/-innen in Beteiligungs- und Projektgesprächen.


 

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