Notfallbegleitung für Muslime und mit Muslimen - Ein Projekt der Christlich-Islamischen Gesellschaft

von Dr. Thomas Lemmen

Foto: Die Absolventen bei der Zertifikatsvergabe (Lemmen)
Foto: Ein Auto der Notfallbegleitung (Lemmen)
Die Anregung für das Projekt ist aus der Praxis erwachsen. Notfallseelsorger, Feuerwehrleute und Polizisten hatten die Christlich-Islamische Gesellschaft um Rat und Unterstützung für die Betreuung von Muslimen in Notsituationen gebeten. Daraufhin erarbeitete eine unserer Arbeitsgruppen, die sich paritätisch aus Christen und Muslimen zusammensetzte, mit Unterstützung des Landespfarramts für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland ab 2006 die konzeptionellen Voraussetzungen für einen Grundkurs zur Ausbildung muslimischer Notfallbegleiter. Eine Fachtagung lieferte Ende 2008 wichtige Erkenntnisse zur Klärung theologischer und praktischer Fragen des Vorhabens. Die Arbeitsgruppe passte das Curriculum für die Ausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Notfallseelsorge der evangelischen Landeskirchen den besonderen Anforderungen für Muslime an. An der Entwicklung des Projekts waren außer den Mitarbeitenden des Landespfarramts für Notfallseelsorge auch Vertreter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş und des Verbandes der Islamischen Kulturzentren beteiligt. Das Konzept ist somit mit den wichtigsten Moscheeverbänden in Deutschland abgestimmt. Auch andere Organisationen unterstützen und bewerben das Angebot.

Der Grundkurs wurde bisher zweimal durchgeführt. Ziel des Angebots ist es, Muslime zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Notfallseelsorge zu qualifizieren. Der Kurs findet in Form von sechs Tagesseminaren vierzehntägig samstags statt. Hinzu kommen am Anfang ein Informationsabend über Verlauf des Kurses und Arbeitsweise der Notfallseelsorge, am Ende eine Veranstaltung zur Vermittlung in die örtlichen Strukturen der Notfallseelsorge und eine Feier mit Zertifikatsvergabe. Am ersten Kurs (2009/2010) nahmen 50 Personen teil. 2010/2011 standen 20 Plätze zur Verfügung. Die Resonanz auf das Angebot war in beiden Jahren größer als die Platzkapazitäten. Die Zulassung zum Kurs erfolgt auf der Grundlage eines Auswahlverfahrens. Kriterien für die Bewerbung sind Alter (25 bis 65 Jahre), persönliche Eignung und Bereitschaft zur Mitarbeit in der Notfallseelsorge. In Dortmund hat in Zusammenarbeit von Christlich-Islamischer Gesellschaft und Ökumenischer Notfallseelsorge 2010/2011 ein integrierter Grundkurs stattgefunden. An diesem Kurs nahmen fünf Muslime zusammen mit 15 Christen teil.

Das Angebot richtet sich an Muslime, die Muslimen in Notsituationen beistehen wollen. Für das Projekt wurde der Begriff der Notfallbegleitung eingeführt, da der Begriff Notfallseelsorge an das christliche Verständnis der Seelsorge gebunden ist. Das Projekt basiert auf der Integration in die bestehenden Strukturen der Notfallseelsorge, die muslimischen Notfallbegleiter werden nach dem Grundkurs in die örtlichen Strukturen der Notfallseelsorge weitervermittelt. In einem Notfall wird die Einsatzleitstelle oder der Rettungsdienst zunächst den Notfallseelsorger vom Dienst alarmieren. Dieser alarmiert dann die muslimische Notfallbegleitung in seinem Bereich nach. Die Regelungen zur Zusammenarbeit sind unterschiedlich. In Köln besteht die Vereinbarung, dass Notfallbegleiter und Notfallseelsorger gemeinsam in den Einsatz fahren. Dadurch ist die Begleitung und anschließende Nachbereitung des Einsatzes gewährleistet.

Knapp 60 Muslime haben den Grundkurs bisher erfolgreich absolviert. Die ersten Absolventen sind in Köln und anderen Städten im Einsatz. Die Nachfrage hat seither nicht nachgelassen. Ein weiterer Grundkurs ist 2012 in Köln geplant. Außerdem ist am 26. September 2011 im Gütersloher Verlagshaus ein Kursbuch mit Materialien zum Projekt erschienen. Es enthält einen Leitfaden für die Planung und Konzeption eines Ausbildungskurses.

Interner LinkHomepage Christlich-Islamische Gesellschaft e.V.
Interner LinkHomepage Christen und Muslime
Download-IconFlyer Kursbuch für die Notfallbegleitung


 

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