Roma-Schule in Köln-Merkenich

Nicht jedes Kind in Deutschland unterliegt der Schulpflicht - zum Beispiel nicht jene, die in Köln als Kinder südosteuropäischer Roma-Familien nur als Kriegsflüchtlinge geduldet sind. „Arm sind sie, weil sie arbeitslos sind; arbeitslos, weil sie ungebildet sind und ungebildet, weil sie arbeitslos sind!" (Projektdarstellung). Diesen Teufelskreis will der Verein Kindernöte durchbrechen und gründete 2003 die sogenannte Roma-Schule im Kölner Stadtteil Merkenich. Begonnen hatte das Projekt damit, dass MitarbeiterInnen des Vereins Anfang 2003 die Kinder im Flüchtlingswohnheim besuchten, das sich mit seiner isolierten Lage innerhalb des Stadtviertels, mit seinen nicht vorhandenen Spiel- oder Lernmöglichkeiten als denkbar ungünstigster Ort für eine positive Entwicklung der Kinder zeigte. Der Verein beschloss, an drei Tagen in der Woche die Kinder aufzusuchen und mit ihnen gemeinsam verschiedenste Aktivitäten, handwerkliche, sportliche, kreative, durchzuführen. Dabei war ein Vormittag auch bereits für die Vermittlung allerelementarsten Schulstoffes eingeplant. Dieses Angebot konnte dank der Spende einer Kölner Grundschule in Form von Schulbänken und Stühlen bald ausgebaut werden, so dass zur Zeit an drei Vormittagen eine Art Intensiv-Vor-Schul-Unterricht angeboten wird. Hier lernen die Kinder Buchstaben, erweitern ihren Wortschatz, lernen ihren Namen schreiben und lesen usw. Doch nicht nur die Kinder über sechs Jahren zeigten sich lernbegeistert, auch die Jüngsten wollten am Schulprojekt teilhaben. Wieder half dem Verein eine Spende, diesmal vom „Kölner Stadtanzeiger", dank derer eine Roma-Vorschule ins Leben gerufen werden konnte, in der ein Jahr lang zwei professionelle Pädagogen die Vorschulkinder betreuen werden. Projektträger der Roma-Schule ist neben dem Kindernöte-Verein das Bezirksamt Köln-Chorweiler.
Das Projekt beeindruckt durch die konsequente Umsetzung einer simplen Schlussfolgerung: ohne die Sicherung eines minimalen Bildungsstandards werden die Chancen der Kinder auf ein freieres, selbstbestimmteres Leben zunichte gemacht. Dieser Ansatz scheint auch der effektivste Weg zu sein, der Diskriminierung von Roma und Sinti entgegenzuwirken und ein Abgleiten der Kinder in die Kriminalität zu verhindern.



Projektträger:Kindernöte e.V.
Ansprechpartner:Ulrich Nolden
E-Mail:mail@kindernoete.de
Telefon:0221-7006520
Internet:http://www.kindernoete.de/

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