"Seniorpartners in School" im Interview

Ein Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden Friedrich Wrede

Wie nehmen Sie Kontakt zu de Seniorinnen und Senioren auf, die sich engagieren möchten? Geschieht es durch Werbung oder melden sich die Menschen bei ihnen?
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Anwerbung neuer „Seniorpartner“ ist die Mund-zu-Mundpropaganda. Ein weiteres Standbein ist die Werbung in der Presse, mit Flyern und in Seniorenvereinigungen, beispielsweise Seniorenbüros und Seniorenbeiräten.

Wie und von wem werden die Seniorinnen und Senioren als Schulmediatoren ausgebildet?
Das geschieht durch professionelle Mediatorentrainer/-innen, die nach den Richtlinien des Bundesverbandes für Mediation die Weiterbildung gestalten.

Wie reagieren die Jugendlichen auf die Seniorpartner? Ist es für sie ungewohnt mit älteren Menschen zu sprechen?
Erstaunlicherweise gibt es diese vielzitierten Differenzen zwischen den Generationen überhaupt nicht. Wenn wir mit jungen Menschen in der Schule arbeiten, geschieht das auf Augenhöhe. Es gibt keine Hierarchien.

Welche Erfahrungen haben sie mit „Seniorpartners in School“ schon gemacht? Gibt es Momente, die für sie besonders in Erinnerung geblieben sind?
Besonders in Erinnerung bleiben natürlich die Erfahrungen mit den Jugendlichen. Meine ersten Mediationssitzungen sind mir sehr eindringlich in Erinnerung geblieben. Mit welchen Problemen junge Menschen heute zu kämpfen haben und weshalb gewisse Konfliktsituationen entstehen, die Kinder und Jugendlichen sich streiten, schlagen oder Gewalt anwenden, das war für mich sehr erlebnisreich und es war eindrucksvoll diese Konflikte mit Mediation lösen zu können.
Hier ein kleines Beispiel: Es gab zwei Mädchen in der Klasse, Maria und Anna. Maria ist das Alphatier und Anna ist das dicke Pummelchen, das im Sportunterricht als letzte in die Mannschaft gewählt wird. Ein typisches Beispiel, diese Situation kennt jeder aus der Schulzeit. Anna ist aber sehr gutmütig und möchte zur Gruppe dazugehören und deshalb verleiht sie ihren Mitschülern Taschengeld. Sie möchte es aber natürlich später wieder haben. Maria lieh sich auch Geld von Anna und als diese sie darauf ansprach, antwortete Maria nur : „Das habe ich dir längst auf den Tisch gelegt, du blöde Kuh!“
Anna hatte nun drei Möglichkeiten: Sie könnte es akzeptieren, dann hätte sie auf Ewig verloren, dann wäre sie immer der Underdog. Sie könnte zur Lehrerin gehen und den Konflikt mit ihrer Hilfe klären, dann würde sie von Maria tyrannisiert werden bis zum Abwinken. Die dritte Möglichkeit ist, zu ihren Eltern zu gehen. Ihre Eltern werden die Eltern von Maria anrufen und das Geld zurückverlangen. Und was passiert? Maria wird Anna unter den Daumen nehmen. Anna überlegte sich sehr genau, welche Möglichkeiten sie noch hatte und ihrer letzte Chance waren die Seniorpartner. Sie kam zu uns und schilderte uns die Situation.
Wir werten nicht, wir geben keine Vorschläge und auch keine Ratschläge, sondern wir fragen: Was möchtest du? Was soll passieren? Was soll sich ändern? Anna wollte natürlich das Geld zurück haben. Wir fragten sie, ob sie sich vorstellen könne, Maria mit zu den Seniorpartner zu bringen und sie schaffte es, dass Maria mit ihr zu uns kam. Wir hatten nun eine typische Konfliktsituation zwischen den beiden Mädchen, die wir durch Mediation lösen wollten.
Die Mediation ist eine Gesprächsführung zwischen den beiden. Von uns wird das Gespräch weder gewertet noch analysiert, es geht nur um die Wünsche und Lösungsansätze der beiden. Im Laufe des Gesprächs bestand Maria nicht mehr darauf, das Geld bereits zurückgegeben zu haben, sondern sie sagte sie habe kein Geld, dass sie Anna geben könne. Die beiden mussten sich nun annähern und einen Kompromiss finden, den fanden sie auch. Anna gab Maria Zeit bis diese ihr nächstes Taschengeld bekam und Maria zahlte ihre Schulden danach gleich zurück. Diese Absprach wurde mündlich getroffen, bei schwerwiegenderen Fällen setzen die Kinder auch schriftliche Verträge auf.
Am wichtigsten ist, dass alles unter uns bleibt. Es kam so nicht nur zu einer Konfliktlösung, sondern zu einer Verständigung zwischen den beiden Mädchen und im Nachhinein konnten die beiden besser miteinander umgehen. Das sind die entscheidenden Erlebnisse, die man hat.

Wie alt sind die Kinder mit denen Sie sich beschäftigen?
"Seniorpartner in School ist in allen Schularten tätig, von der Grundschule bis zur berufsbildenden Schule. Ich persönlich bin in einer weiterführenden Schule und erfahrungsgemäß betreuen wir die 5. - 7- Klassen am häufigsten. Das liegt auch am Alter, Kleinigkeiten führen oft schon zu großen Konflikten. Der Hintergrund ist meist nicht nur ein kleiner Streit, sondern prekäre Familienverhältnisse.

Haben sie bestimmte Ziele oder Vorhaben für das Jahr 2013?
Eines unserer Vorhaben ist die Zusammenarbeit mit dem BfDT. Wir wollen gemeinsam Wege finden, wie wir die Form der Bildungsbegleitung, die sich aus der Mediation entwickelt hat, also Stärkung der persönlichen, sozialen Kompetenz, durch Einzelgespräche, fortführen und präzisieren können. Mit dem BfDT werden wir ausarbeiten, wie man dieses Konzept an Schulen am Besten praktisch anwendet.
Wir haben ein Qualitätsmanagement eingerichtet und ein Qualitätshandbuch erstellt, das einmalig für ehrenamtliche Organisationen ist. Dieses Handbuch wollen wir füllen und somit für alle Ehrenamtlichen klare Strukturen schaffen und ein einheitliches Erscheinungsbild aufweisen. Besonders am Herzen liegt uns in diesem Jahr das Fundraising, weil wir rein ehrenamtlich tätig sind, aber unsere Trainer/-innen bezahlt werden müssen. Um das zu ermöglichen, brauchen wir natürlich Geld. Und daran arbeiten wir gerade und stellen fest, dass es sehr, sehr schwierig ist.

Was soll die Öffentlichkeit unbedingt über „Seniorpartners in School“ wissen?
Bei uns werden ältere Menschen richtig qualifiziert. Diese Qualifikation steht unter Kriterien des Qualitätsmanagements. Die Seniorpartner sind rein ehrenamtlich tätig, sie setzen ihre Zeit und ihre Lebenserfahrung ein, um jungen Menschen zu helfen, mit ihren Problemen fertig zu werden. Außerdem ist „Seniorpartners in School“ ein Projekt, das auch Senioren bereichert, sie profitieren von dem Kontakt mit jungen Menschen. Es ist eine Win-Win-Situation.

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