„Knast trotz Jugendhilfe?“ Prävention mit jungen Strafgefangenen


Dieses Projekt will die Erfahrungen junger Strafgefangener mit ihren Lebenswegen ins Gefängnis für eine wirkungsvollere Jugendhilfe durch geeignete Zusammenarbeit mit interessierten Inhaftierten nutzen. In der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden (JVA) werden deshalb in Einzelgesprächen und in Gruppenarbeit mit den inhaftierten Projektmitarbeitern individuelle Botschaften an die Jugendhilfe und Jugendpolitik erarbeitet, die sie nachvollziehbar begründen können. Diese Botschaften werden mit einer Bild – und Textseite ansprechend gestaltet und in Gremien der Jugendhilfe in Wiesbaden, auf dem Tag der Jugend im Rathaus oder auf dem jährlich die Standorte wechselnden Deutschen Präventionstag ‚interaktiv’ präsentiert. Das heißt, dass die Betrachter und Leser– nur mit Vornamen und Alter gekennzeichnet - dem inhaftierten Projektmitarbeiter eine schriftliche Rückmeldung geben können. Ergänzt werden diese Botschaften mit Präventionstexten der inhaftierten Projektmitarbeiter zu der Vorgabe: „Aus den Erfahrungen meines Lebensweges in den Knast möchte ich Schülern und anderen Jugendlichen vor allem sagen...“. Besonders bei Projektpräsentationen in Hessischen Klassen verschiedenster Schularten ab 8. Jahrgangsstufe aufwärts – vorzugsweise inzwischen in den berufsbildenden Schulen - zeigt sich, dass die Schülerinnen und Schüler hoch motiviert sind, die individuellen Botschaften aus der JVA Wiesbaden kennenzulernen und darauf schriftlich zu antworten. Bei den inhaftierten Projektmitarbeitern sind diese Briefe sehr begehrt und werden ernst genommen. Deshalb gibt es eine Warteliste für die Möglichkeit zur Mitarbeit. Hier finden Sie ein aktuelles Dialog-Beispiel mit Download-IconSiggi und Download-IconTansu sowie eine Download-IconSkizze.

Überregional nutzt das Amtsgericht Ludwigshafen bei seinem Besinnungs - Arrestvollzug die Botschaften aus diesem Projekt erfolgreich, um die Arrestanten darauf antworten zu lassen und zum Nachdenken anzuregen. Es bewährt sich die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Katholischen Fachschule für Sozialwesen, Heidelberg und verschiedenen Berufsbildenden Schulen in Rheinland Pfalz.

Dem Pädagogen und Porträtzeichner, Arnd Richter, Initiator und Leiter des Projektes, dient dieses Handlungsfeld als Beleg für seine eigene, aus der Berufserfahrung in der Jugendhilfe in Hessen erwachsene Botschaft, dass es lohnend und nötig ist, mehr mit jungen Menschen und weniger für sie zu arbeiten. Dieser Ansatz hat sich inzwischen auch auf die Tage der Jugend im Wiesbadener Rathaus übertragen, wo Schülerinnen und Schüler in Workshops kreativ an konkreten Aufgabenstellungen aus den Dezernaten beteiligt und über den weiteren Fortgang ihrer Mitwirkung informiert werden.

Das Projekt gibt es seit Dezember 2000. Es ist eingebunden in die AG Partizipation des Wiesbadener Jugendhilfeausschusses. Sie will im Sinne des Leitgedankens von „Knast trotz Jugendhilfe?“ die alterspezifischen, kreativen Ressourcen von Kindern und Jugendlichen für eine innovative Stadtentwicklung sichtbar machen und nutzen (Interner Linkwww.ag-partizipation.de). Dabei lernen auch die Politiker, mit jungen Menschen zu arbeiten!

-2006 wurde das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) in Berlin mit dem „Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis 2006“ (Hermine - Albers – Preis , Kategorie Praxispreis) ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: „Das Projekt ist als hervorragendes, konsequent durchdachtes Partizipationsprojekt zu werten, das die jungen Strafgefangenen als Akteure ernst nimmt und motiviert, ihr bisheriges Leben sehr genau zu betrachten, Schlüsse zu ziehen und im Dialog mit der Welt ‚draußen’ zu bleiben. Des Weiteren werden aber auch die Jugendlichen ‚draußen’ angeregt, die jungen Strafgefangenen ernst zu nehmen, mit Vorurteilen ihnen gegenüber aufzuräumen sowie über sich selbst und eigene Gefährdungen nachzudenken.“ 2007 hat HUjA e.V. (Hilfe und Unterstützung junger Arbeitsloser) die Trägerschaft übernommen. 2009 erhielt das Projekt den Integrationspreis der Landeshauptstadt Wiesbaden. Im gleichen Jahr erschien eine ausführliche Projektbeschreibung in dem von Michael Bock und Karin Sanders herausgegebenen Buch „Kundenorientierung – Partizipation – Respekt, Neue Ansätze in der Sozialen Arbeit“. 2010 erhielt das Projekt den Hessischen Integrationspreis. Auch im Rahmen der Bundes - Ausschreibung „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2011“ wurde es jetzt als vorbildlich herausgestellt und prämiert.

Frühjahr 2012


Projektträger:HUjA e.V. - Hilfe und Unterstützung junger Arbeitsloser
Ansprechpartner:Arnd Richter
E-Mail:arnd.u.r.richter@web.de
Telefon:0611- 95 305 ­12 

Informiert bleiben

Facebook
YouTube

Logo BPB
Seit 2011 ist die Geschäftsstelle des BfDT Teil der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb