Medienprojekte des Bürgerhaus Bennohaus an der Fürstenbergschule

Von Selma Brand (Bügerhaus Bennohaus)

Münster ist eine interkulturelle Stadt und für viele junge Menschen zu einer neuen Heimat geworden. Heimat aber bedeutet, willkommen zu sein und akzeptiert zu werden, ein Gefühl, das den Jugendlichen seitens der Gesellschaft viel zu selten vermittelt wird. Um dies zu ändern und gegen eine soziale Ausgrenzung anzugehen, wurde vom Bürgerhaus Bennohaus das Projekt „Medienprojekte an der Fürstenbergschule“ in Kooperation mit der Hauptschule Fürstenberg entwickelt. Am Projekt, das bereits zwei Jahre läuft, nahmen bis jetzt insgesamt über ca. 70 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren teil, unter anderem Schüler mit Migrationshintergrund und Heranwachsende aus sozial schwachen Familien. Das Projekt soll soziale Fähigkeiten und emotionale Kompetenzen sowie Selbstwahrnehmung mittels des Mediums Film/Fernsehen fördern.
Die Fürstenbergschule ist in Münster für ihren hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund mit allen dazu gehörigen Rahmenbedingungen (wie z.B. ein erhöhtes Aggressionspotential der Kinder) bekannt. Im Rahmen des Videoprojekts entstand z.B. der ca. 15 Minuten lange Beitrag „Wohin mit euch?“, den die gesamte Klasse 8a der Fürstenbergschule im Fach Deutsch innerhalb einer Woche erstellte. Weiterhin wurde das Thema „Mobbing an der Schule“ bearbeitet. Das Videoprojekt wurde während des Wahlpflichtunterrichts unter der Leitung der Lehrerin Frau Pyhel durchgeführt. Daran nahmen 14 Schüler aus der 7. und 8. Jahrgangsstufe teil.
Aufgrund des schwierigen Umgangs mit den Jugendlichen wurden bis zu 5 Medientrainer in das Projekt integriert. Alles von der konkreten Idee über die Geschichte (Storyboard) wurde von den Medientrainern in Zusammenarbeit mit den Schülern entworfen. Im Film wird ein neuer Schüler in seiner Klasse mit Papierkügelchen beworfen und beleidigt. Durch einen Hinweis eines Klassenkameraden wird der „Neue“ auf die Streitschlichter an der Schule aufmerksam und beschließt sich bei Ihnen zu melden. Nach einem Gespräch zwischen dem „Neuen“ und den Streitschlichtern, entschließt man sich, ein Gespräch mit allen Beteiligten zu führen. Es entsteht ein konstruktives Gespräch zwischen den Parteien. In der letzten Szene entschuldigen sich die „Mobber“ und fragen den neuen Schüler, ob er mit Ihnen Fußball spielen möchte. Der Film sollte den im Sommer neuen Fünftklässern gezeigt werden um sie auf eine interessante Weise über die Streitschlichter an der Schule zu informieren und um ihnen Mut zu machen, schwierige Situationen durchzustehen.
Dieses Jahr wurden bereits zwei weitere Projekte („Wie mache ich Fernsehen?“, „Hauptschule-Klischees“) an der Schule durchgeführt. Ein Projekt („Raus von Zuhaus!“) findet darüber hinaus wöchentlich bis zum Ende des Schuljahres statt.
Beim Projekt „Wie mache ich Fernsehen?“ haben die Schüler z.B. das vorhandene Fernsehprogramm auf Qualität und Inhalte hin analysiert und anschließend eine ironische, vollkommen überzogene eigene Sendung auf die Beine gestellt. Zum Beispiel haben die Jugendlichen der Nachrichtengruppe analysiert, wie die drittklassigen Nachrichtensendungen aufgebaut sind und haben überlegt, wie man die Beiträge noch schlechter, noch überspitzter darstellen kann.
So geht es los mit dem Selbstmordattentäter, der sich in der „Super-Slowmo“ immer wieder in die Luft sprengt; Szenen in denen Verletzte zu sehen sind, werden unnötig wiederholt. Der absolut unsinnige Pfostenlauf ist definitiv nur ein aufgebauschter Füller und beinhaltet zusätzlich Text-Bild-Scheren, das heißt, dass das Bild nicht zum Text passt und somit den Wahrheitsgehalt des Beitrages in Frage stellt. Der filmische Junior-Obama hat sich vor seinem Auftritt mehrfach die Wahlvideos des Präsidenten angesehen und seine Gestik und Mimik geübt. Die Themenwahl fällt seinem Alter entsprechend dagegen etwas ungewöhnlich aus. Das Wetter ist der Abschluss der Sendung und wieder ironisiert-widersprüchlich dargestellt, auf dem ganzen Schulhof scheint die Sonne, aber alle laufen durch die Pfütze.

Dieser Film soll Jugendliche und Erwachsene darauf aufmerksam zu machen, wie Fernsehen funktioniert: Man kann nicht alles für bare Münze nehmen, nur weil es im Fernsehen läuft. Das Ziel unserer Kooperation ist es, durch diesen und die anderen Beiträge zu informieren und wachzurütteln.

Bei allen Filmprojekten sind wir auf große Begeisterung seitens der Jugendlichen gestoßen. Spielend haben sie gelernt selbst mit der Kamera zu arbeiten, eine gute oder schlechte Aufnahme zu erkennen und zu verbessern, sowie auf Ton und Licht zu achten. Sie haben in den Projektwochen nicht nur ein großes Stück Medienkompetenz erlangt, sondern auch viel über Dinge des täglichen Lebens gelernt. In Drehpausen gab es immer wieder für alle Beteiligten die Möglichkeit über den persönlichen Bezug zu den Themen zu diskutieren.
Wir vom Bügerhaus Bennohaus Münster freuen uns auf weitere Projekte mit der Fürstenbergschule!

Mehr Informationen und Kontakt unter Interner Linkwww.bennohaus.org und Interner Linkwww.fuerstenbergschule.de!




 

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