Zentrale Meldestelle für rechtsextreme Inhalte im Internet: www.hass-im-netz.info

Interview

Christiane Schneider, Leiterin des Bereiches politischer Extremismus bei jugendschutz.net, beantwortete uns einige Fragen zu den Aufgaben und Angeboten von jugendschutz.net und der Homepage Interner Linkwww.hass-im-netz.info.

Warum wurde die Plattform Hass-im-Netz ins Leben gerufen?

Seit Jahren konstatiert jugendschutz.net eine steigende Präsenz rechtsextremer Inhalte im Netz sowie eine immer professionellere und modernere Ansprache von Jugendlichen. Als Anlaufstelle für Fachkräfte aus der Jugendarbeit, Eltern, Pädagogen/-innen sowie die interessierte Öffentlichkeit ging daher mit hass-im-netz.info 2010 ein Informationsangebot an den Start, auf dem jugendschutz.net Hintergründe und Materialien zum Thema Rechtsextremismus im Internet präsentiert.

Was sind die Aufgaben der Homepage?

Die Website dient dazu, Erkenntnisse zu den Trends rechtsextremer Internetnutzung, aber auch mögliche Gegenstrategien im rechtlichen wie präventiv-pädagogischen Bereich breit und aktuell zu kommunizieren. Dazu gehört auch ein Themenfeature, das per RSS-Feed auf Drittangeboten eingebunden werden kann. In den einzelnen Rubriken finden sich Informationen zu den Aktivitäten der rechtsextremen Szene, zahlenmäßigen Entwicklungen, typischen Themen sowie zu Auftritten in Sozialen Netzwerken oder auf Videoplattformen. Ergänzend werden Konzepte und weiterführende Materialien für die Praxis zur Verfügung gestellt.

Was können Bürgerinnen und Bürger tun, wenn ihnen rechtsextreme Akteure im Netz auffallen?

Wichtig ist, rechtsextreme Beiträge nicht zu ignorieren. Jeder kann unzulässige Beiträge beispielsweise auf Facebook oder YouTube direkt melden. Die Netzwerke leben von Beteiligung, deshalb ist es wichtig, dass die Communitys Rassismus und Diskriminierung nicht unwidersprochen stehen lassen. Dazu gehört auch, Jugendliche nicht im Regen stehen zu lassen, sondern sie für die Propagandastrategien von Rechtsextremen im Netz zu sensibilisieren und für die kritische Auseinandersetzung mit Hassinhalten zu stärken. Nicht zuletzt können problematische Inhalte im Netz bei jugendschutz.net oder auf hass-im-netz.info gemeldet werden – auch anonym.

Wie gehen Sie mit Meldungen von unzulässigen Angeboten im Netz um? Was geschieht nach einer Beschwerde?

Zunächst überprüft jugendschutz.net, ob es sich bei den Inhalten um jugendschutzrechtliche Verstöße handelt. Ist dies der Fall, geht jugendschutz.net gegen die Angebote vor. Die rasche Entfernung ist dabei wichtigstes Ziel, um Kinder und Jugendliche schnell vor der Konfrontation mit gefährdenden Inhalten zu schützen. Insbesondere die Kontaktaufnahme mit Providern und Plattformbetreibern hat sich hierbei als effektives Mittel erwiesen. Und dies nicht nur in Deutschland: Auch die meisten ausländischen Dienste löschen Hate Speech und rassistische Inhalte.

Mit welchen Themen und Strategien bewegen sich Rechtsextreme im Netz?

Rechtsextreme haben die Chancen des Social Web für die Verbreitung von Hasspropaganda längst erkannt und knüpfen am Medienverhalten der jungen Generation an: Für die Ansprache, Rekrutierung und Mobilisierung neuer Anhänger nutzen sie vor allem Facebook, YouTube und ähnlich beliebte Dienste.

Neue technische Entwicklungen und mediale Trends werden unmittelbar zur Verbreitung von Propaganda genutzt. Dabei ist es charakteristisch, Angebote als unverdächtig zu tarnen und aktuelle oder emotionale Themen für rassistische Kampagnen zu instrumentalisieren. In Sozialen Netzwerken ködern Rechtsextreme mit Beiträgen zur Finanzkrise, zu Arbeitslosigkeit oder sexuellem Missbrauch, um möglichst viele User zu erreichen. Dabei setzen sie auf Themen, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden. Auf diese Weise sollen auch Menschen außerhalb rechtsextremer Kreise angesprochen werden, die spontan ihre Zustimmung ausdrücken und den Aktionen über "likes" und "shares" Gewicht verleihen.