„Wir können auch anders!“ Ein Projekt der ehemaligen Klasse R-10g der Christian-Hülsmeyer-Schule

Das besondere Engagement der Klasse R10g der Christian-Hülsmeyer-Schule gilt der Entwicklung im kooperativen Miteinander und zivilcouragiertem Handeln, das sich davon ausgehend in vielfältigen Projekten mit hoher Öffentlichkeitswirkung unter dem Motto „Wir können auch anders!“ ausgedrückt hat. Dies konnte zum großen Teil nur im außerschulischen Bereich geleistet werden.

Durch die intensive Beschäftigung mit der Entwicklung des Bahnhofsviertels unseres Heimatortes kam es zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte, die sich in den Familientragödien der letzten drei verbliebenen jüdischen Familien in Barnstorf widerspiegelte. Bislang wurden für die Mitglieder zweier jüdischer Familien Stolpersteine verlegt, wobei sich die Klasse bei der jeweiligen Verlegungsfeier beteiligte und dazu die Familiengeschichten aufarbeitete.

Durch die Zerstörung der Stolpersteine für die Geschwister Fränkel ergab sich eine neue Fragestellung für diese Thematik, die dann zur Erarbeitung der jüdischen Geschichte vor Ort und deren Bedeutung für die Einstellung der Bevölkerung bis heute führte. Die umfangreiche Recherchearbeit und Auswertung von Zeitzeugenaussagen sowie des Archivmaterials wurde als Buch „… damit alle Spuren weggewischt werden.“ in einer Auflage von 300 Exemplaren veröffentlicht.

Die Ideen der Schüler von einer menschenfreundlichen und couragierten Zukunft haben sie auf vielfältige Weise darzustellen versucht und sind dabei in die Öffentlichkeit gegangen. Ihre eigenen Erfahrungen, die am Tag der Zivilcourage gesammelt worden waren, setzten die Schüler in ein Lyric um, das sie vertonten. Daraus entstand eine breit angelegte Projektarbeit, mit der sie durch Ausstellungen, Veröffentlichungen, Teilnahme am Präventionstag und politischen Eingaben auf vielfältige Weise ehrenamtlich und zivilcouragiert tätig waren, um auf die Probleme von Jugendlichen aufmerksam zu machen.

Durch die Projektarbeit kam es über einen Zeitraum von 2009 bis 2011 zu einer intensiven Beschäftigung mit der historischen Entwicklung ihres Heimatortes, zum engen Kontakt zu Politikern, die die Projekte förderten, zur Zusammenarbeit mit dem Heimatverein und anderen Archiven und vor allem dem Verein niedersächsischer Bildung (VNB).

Alle Teilprojekte hatten zum Ziel die politische Partizipation der Schüler zu fördern und zielten auf die Bedeutung von Erinnerungsarbeit zur Prävention von Gewalt, Hass und Ausgrenzung. Gerade die Broschüre und die Ausstellungstafeln, die an besonders prägnanten Orten wie Schule und Bahnhof angebracht worden sind, tragen zur Bildung der öffentlichen Meinung bei und fordern auf, sich für Gerechtigkeit und Demokratie und für die aktuelle politische Entwicklung des Ortes einzusetzen.

Die Arbeit wird mit der Anne Frank Ausstellung, die vom 16.01. bis 10.02.2012 in Diepholz gezeigt wird, fortgesetzt, bei der sich einige Schüler der Gruppe als Begleiter haben ausbilden lassen und nun Führungen durch die Ausstellung übernehmen. Ziel der Ausstellung ist es Jugendliche zu ermuntern und befähigen, Kommunikation und aktives Zuhören zum Thema Nationalsozialismus zu üben, Meinungsverschiedenheiten zu diskutieren, verschiedene Positionen auszuhalten und sich für demokratisches und tolerantes Miteinander einzusetzen. Mit dieser Auseinandersetzung wollen wir zeigen, dass Zivilcourage immer neu gelernt werden muss und gelernt werden kann.


Projektträger:Klasse R10g der Christian-Hülsmeyer-Schule
Ansprechpartner:Dorit Schierholz
E-Mail:doritschierholz@web.de

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