Rechtsextremismus – Aktivitäten der Rechten sichtbar machen

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Von Dietmar Sette (Polizeihauptmeister und Bürgerkontaktbeamter, Netzwerk für Demokratie und Toleranz)

Die Welt hat sich verändert und ist nicht 1945 stehengeblieben. Aber die Ewiggestrigen und Antidemokraten sind da und nicht wegzudenken. Die fortschreitende „Normalisierung“ des Rechtsextremismus darf in unserer Gesellschaft als solches jedoch ungefragt nicht geduldet werden. Das ist eine Entwicklung, der man sich stellen muss. Deshalb müssen wir zeigen, dass es für braunes Gedankengut keinen Platz gibt. Politisches Desinteresse ist brandgefährlich und auch Wegschauen ist nicht hinzunehmen. Es ist eine verheerende Fehleinschätzung, wenn man denkt, dass es sich „nur“ um ein erlebnisorientiertes Partyvolk handelt und man rechte Aktivitäten durch Wegschauen schönreden kann.

Es ist eine Herausforderung unserer Zeit, gegen alle Formen der Unterdrückung und Diskriminierung eine klare Position zu beziehen. Aggressives Auftreten und Gewalt sind eine Missachtung des menschlichen Lebens und darf uns nicht überholen. Die so genannten „Rechten“ durchleben bekanntlich eine Traumwelt der Stärke und Unbesiegbarkeit. Und überall dort, wo man sich nicht für Demokratie und Menschenrechte einsetzt, haben diese Ewiggestrigen mit ihrem menschenverachtenden Gedankengut freie Bahn. Eine Quelle des Lebens ist nun mal die Jugend. Wo die Jugend jedoch nicht in das Gemeinschaftswesen eingebunden wird, entsteht Unzufriedenheit. Nichtbeachtung und Ignoranz machen das Leben einfach unerträglich. Ein gegenseitiges Verstehen und ein offenes Gehör für die Dinge, die unsere jungen Menschen bewegen, schafft die Ausgangsbasis dafür, dass Vertrauensverhältnis zwischen Jugend und Erwachsenenwelt positiv zu vertiefen.

Ein breites Erwachen ist notwendig, um diesen Erscheinungen demokratisch zu begegnen. Ein einfacher Gegenwind reicht da nicht mehr aus. Unsere Gesellschaft braucht täglich einen frischen Wind, braucht täglich klare Worte. Wir alle sind gefragt, um Deutschland wieder mit Leben auszufüllen. Sehr viele Menschen haben die Zeichen der Zeit erkannt, nutzen die Chancen der Demokratie und gehen gemeinsam mit einer sehr hoch ausgeprägten Zivilcourage gegen den Sumpf der Gewalt vor. Sie setzen sich mit den Erscheinungsbildern des Rechtsextremismus aktiv auseinander. Es muss zur Selbstverständlichkeit werden, die Auseinandersetzung jeden Tag aufs Neue und an jedem Ort gegen den braunen Sumpf zu führen.

Ich selbst bin als besorgter Familienvater aus dem Bereich der passiven Bekundungen herausgetreten und habe die eigene Mauer des Schweigens durchbrochen, weil offene und stillschweigende Duldung so nicht mehr hinzunehmen ist. Allein die Tatsache, gegen „Rechts“ orientierte Gewalt zu sein, reichte mir nicht aus. Ich wollte mich bewusst einmischen und das sagen, was viele denken, aber aus Angst nicht aussprechen. Muss man erst Opfer einer Gewalttat werden, um zu begreifen? Sind wir wirklich so hilflos? Nein, wir sind nicht hilflos!

Neben der Präventionsarbeit, die ich in meinem Beruf ausübe, suche ich seit Jahren mit den verschiedensten Themenangeboten auch ehrenamtlich den Weg in die Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Als ich aber mein Aufklärungsprojekt konkret dort vorlegte, hatte ich das Gefühl, dass ich im Koffer Sprengstoff mitführte. Und so war es auch: Es waren hochexplosive Worte gegen das menschenfeindliche Spektrum „Gewalt von Rechts“. Ich selbst sehe mich als Teil unserer Zivilgesellschaft und führe als Mitglied im Landesnetzwerk für Demokratie und Toleranz Sachsen-Anhalts ehrenamtlich schon lange keinen lautlosen Kampf mehr. Ich spreche eine deutliche Sprache. Es ist die Sprache der Aufklärung. Ich versuche mit meinem schulischen Gesamtprojekt „Jeder einzelne ist stark, aber gemeinsam sind wir noch stärker!“ schonungslos unbequeme Dinge anzusprechen und im Ansatz den Mythos des Nationalsozialismus sowie die Scheinparolen und Symbole der Rechten zu entzaubern. Ich möchte mit dieser angeblich brisanten Thematik nicht nur vorbeugen, sondern mit klarem Sachverstand auch zum Nachdenken anregen. Es geht keineswegs dabei um eine moralische Bekehrung. Bekanntlich ändert man auch mit Verboten nicht die entsprechende Gesinnung. Da sich aber die „Kampfmethoden“ in diesem Szenenbereich grundlegend geändert haben, wird es höchste Zeit, die Weichen richtig zu stellen und die eigentlichen bekannten Ursachen der anstehenden Probleme zu beseitigen, statt immer nur die Symptome zu bekämpfen.

Mit meinem Leitspruch, nicht über Jugendliche zu reden, sondern mit ihnen, gehe ich bewusst und gezielt auf Jugendliche zu und stelle mich ihren Fragen. Das Gespräch mit jungen Menschen sollte man nicht mit leeren Worthülsen suchen und auch nicht an der Realität vorbeireden. Wichtig ist, dass man genau hinhört, was sie zur jeweiligen Thematik eigentlich bewegt. Bei meiner Präventionsarbeit handelt es sich nicht um klassische Unterrichtsstunden, sondern um Kommunikation auf Augenhöhe. Wenn ich die zurückliegenden Jahre der Präventionsarbeit kurz einschätzen sollte, so meine ich schon, dass unsere Jugend gar nicht so schlecht ist, wie sie mancherorts hingestellt wird. An den Schulen habe ich bei Lehrer wie Schülern meistens viel Zivilcourage festgestellt.

Mein Projekt ist sichtbarer Widerstand aus Überzeugung und gleichzeitig eine klare Ansage sowie eine Absage gegen rechts. Ich selbst möchte mit meinem Programm für Respekt, für ein friedliches Miteinander und sachlichem Umgang untereinander werbe.2009 habe ich mir selbst einen lang gehegten Gedanken verwirklicht: Als Höhepunkt sehe ich die von mir erstellte Ausstellung zu Rechtsextremismus.

Kontakt und Gesamtprogramm unter 0176 94453309.



 

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