Die Initiative und Selbsthilfe „Eltern gegen Rechts“

Foto: Infostand ("Eltern gegen Rechts")Foto: Infostand ("Eltern gegen Rechts")
Von Eva Prausner (Netzwerk für Demokratie und Toleranz „Licht-Blicke“)

In unserer Initiative treffen sich Eltern rechtsextrem orientierter Kinder, die sich austauschen, gegenseitig unterstützen, Rat und Hilfe geben. Hier sind aber auch Eltern, die sich einfach engagieren möchten, aktiv werden, gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen. Manchmal wird aus der eigenen Betroffenheit ein langfristiges Engagement, nicht mehr in jedem Fall ist die unmittelbar eigene Betroffenheit das Motiv zur Teilnahme. Es sind Eltern, denen das Problem Rechtsextremismus auf den Nägeln brennt und die – auf unterschiedliche Weise – etwas bewegen wollen: in der eigenen Familie, in anderen Familien, im sozialen Umfeld und in der Gesellschaft.

Unsere Initiative hat sich vor vier Jahren in Hohenschönhausen gegründet, mittlerweile kommen die Eltern aus unterschiedlichen Bezirken der Stadt. Kontaktanfragen von Eltern bekommen wir sogar aus dem ganzen Bundesgebiet. Bei uns ist jede/r willkommen und alles versammelt: Akademiker/innen einfache Arbeiter/innen, Freiberufliche, Arbeitssuchende, Hausfrauen usw. finden den Weg in die Initiative – für ein kurzes Informationsgespräch oder auch für mehr. Es sind überwiegend Mütter, die sich treffen. Das ist aber weder beabsichtig noch sollte dies so bleiben. Wir sprechen ausdrücklich die Väter oder andere männliche Angehörige an, die gerade für Jungen in der Pubertät eine so wichtige Rolle spielen. Bei den Familienkonstellationen ist ansonsten viel Unterschiedliches vertreten: verheiratet, alleinerziehend, verpartnert, ein oder mehrere Kinder, Patchwork-Familien. Sie sehen, wir passen in keine Schublade und das ist uns wichtig.

Was uns verbindet ist die Betroffenheit über rechtsextreme Orientierung von Kindern und Jugendlichen und der Wunsch nach gegenseitigem Austausch und Unterstützung: Wir haben – wie sicherlich die meisten Eltern – in der Erziehung nicht alles richtig gemacht, nicht immer lief in der Familie alles „nach Plan“. Aber wir alle haben versucht, unsere Kinder zur Achtung gegenüber anderen Menschen, zur Offenheit und zum respektvollen Umgang mit ihrem Umfeld zu erziehen. Umso schwerer ist es für uns Betroffene, einzugestehen, dass sich eines der Kinder rechtsextremem Gedankengut oder gar der rechtsextremen Szene zugewandt hat – aus welchen Gründen auch immer.

Wir lieben unsere Kinder, wir achten ihre Person aber wir können und wollen ihre rechtsextreme Orientierungen nicht akzeptieren. Wir bemühen uns um Balance zwischen der Abgrenzung gegenüber ihren menschenverachtenden Positionen und der Aufrechterhaltung einer guten Beziehung zum Kind. Wir möchten weiterhin für unsere Kinder da sein aber selbst in der Auseinandersetzung mit diesem Problem konsequent bleiben. Wir wollen uns nicht verstecken, sondern uns engagieren und anderen helfen. Gleichzeitig schützen wir die Privatsphären unserer Familien. Wir möchten vor allem das gesellschaftliche Umfeld bitten, nein, dazu auffordern, sich an unserem Engagement zu beteiligen und andere Betroffene zu ermutigen, bei uns Hilfe zu suchen.
Als Ergebnis der gemeinsamen Auseinandersetzung über unsere Erfahrungen und Botschaften ist ein Dokument entstanden, das wesentliche Fragen zum Thema Rechtsextremismus und Familie aufgreift und für Außenstehende transparent macht. Diese Broschüre ist in Kooperation mit Projekt Licht-Blicke „ElternStärken“ entstanden und kann dort kostenlos bezogen werden (030/99270555).

Beratungstelefon, Kontakt zur Selbsthilfegruppe und Bestellung der Broschüre „Eltern gegen Rechts“ ist unter 030/99270555, post@licht-blicke.org oder auf Interner Linkwww.eltern-gegen-rechts.de möglich.



 

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