Interview mit dem Jugendbüro Burghausen

Gegründet wurde das Jugendbüro Burghausen 2007. Es ist nicht nur ein Ort für Jugendliche in der bayrischen Stadt, sondern auch Initiator mehrerer Veranstaltungen und Aktionen. Mit dem Projekt „Wer, wenn nicht wir? – Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz“, das sich mit Logo-Aktionen und Argumentationstrainings gegen diskriminierende, rassistische und rechtsextreme Ideologien richtete, wurde das Jugendbüro bereits 2009 mit dem Aktiv-Preis ausgezeichnet. Wir haben mit dem Jugendbüro über die wichtige Arbeit gesprochen.

Open Air-Veranstaltung im Waldpark (Foto: Jugendbüro Burghausen)Open Air-Veranstaltung im Waldpark (Foto: Jugendbüro Burghausen)
Das Jugendbüro Burghausen ist eine Anlaufstelle für Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren. Was genau möchte das Jugendbüro erreichen?

Das Jugendbüro Burghausen existiert seit 2007. Neben der Unterstützung und Hilfestellung, die wir jungen Menschen bei Problemen und Sorgen bieten, sind wir auch im präventiven Bereich tätig. Das betrifft sowohl Sucht und Gesundheit als auch den politischen Bereich. Außerdem vernetzen wir uns, initiieren, schulen und begleiten Ehrenamtliche. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Unterstützung junger Menschen bei der aktiven Gestaltung ihrer Lebenswelt. Durch die Unterstützung junger Menschen bei der Verwirklichung ihrer Ideen sollen diese sich als wertvollen und aktiven Teil der Gesellschaft wahrnehmen, der Chancen zur Mitgestaltung sieht und erkennt. Ein Jugendlicher veranstaltete zum Beispiel in Kooperation mit uns vor über 15 Jahren das erste Streetballturnier der Stadt. Mittlerweile ist es ein fester Bestandteil und findet jedes Jahr am Vatertag auf dem Bürgerplatz statt. Filmprojekte, 24 Stunden-Kickerturniere gegen rechts, Sportliche Events, Jugendkulturveranstaltungen – Ideen gibt es viele! Unsere Arbeitsstelle stellt in der Region ein Alleinstellungsmerkmal dar.

Was für Projekte haben Sie mit den Jugendlichen bereits auf die Beine stellen können?

Die Palette reicht von politischen Filmprojekten bis zu internationalen Jugendaustauschaktivitäten mit Nordirland - von Bildungswochen bis zu Demokratieworkshops, Partys und Konzerten.

Besprayen eines Trabis, der beim Denkmal für den Mauerfall im Stadtpark platziert wurde (Foto: Jugendbüro Burghausen)Besprayen eines Trabis, der beim Denkmal für den Mauerfall im Stadtpark platziert wurde (Foto: Jugendbüro Burghausen)
Sie sind zurzeit im Gespräch mit dem Peernetzwerk „JETZT – jung, engagiert, vernetzt“ für einen Workshop vor Ort. Welche Erwartungen haben Sie an das Peernetzwerk?

Wir erhoffen uns, neue Möglichkeiten zur Partizipation Jugendlicher hinsichtlich Organisation und Gestaltung aufgezeigt zu bekommen. Im Gegenzug wollen wir uns mit unserem Know-How und unseren Möglichkeiten entsprechend auch einbringen.

Seit vielen Jahren ist das Jugendbüro Burghausen in der Demokratiearbeit und in der Rechtsextremismusprävention tätig. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie dabei? Und wo gab es die größten Probleme und Schwierigkeiten?

Zu akuten Anlässen lassen sich zahlreiche Menschen kurzzeitig mobilisieren, jedoch schaffen wir es nicht, mehr als drei, vier Handvoll Engagierter für eine konstante fortlaufende Demokratie- und antifaschistische Arbeit zu finden, da aufgrund der „entspannten“ Lage in unserer Region kaum die Notwendigkeit hierfür erkannt wird. Immer wieder taucht auch die Frage auf, warum das Jugendbüro sich so beharrlich gegen Rechtsextremismus engagiere.


Was antworten Sie dann?

Dass viele vorhandenen Vorurteile und Ablehnungsmuster, die Teil des Gedankenguts sind sowie Rechtsextremismus eben auch bei uns eine Rolle spielen. Und das für einen nicht unerheblichen Teil der Menschen, was bedeutet, dass man etwas dagegen tun muss, will man nicht, dass die Zeit zurück läuft.

Welche Ziele haben Sie für das neue Jahr? Welche weiteren Aktionen und Veranstaltungen sind für 2017 geplant?

In diesem Jahr möchten wir die Mitgestaltung der Jugendlichen hin zur Mitbestimmung intensivieren. Schwerpunkte neben dem Üblichen sind der Jugendaustausch mit Israel, der 2017 zum ersten Mal ansteht, und der Aufbau eines neuen Jugendzentrums. Ein eigener Raum würde tägliche Mitbestimmung, tägliches Ausprobieren und tägliche Demokratie bedeuten.


 

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