Mitgestalten, nicht meckern!

Dokumentarfilm “Demokraten” von Levi Salomon zeigt Politiker ganz persönlich

Filmplakat "Demokraten"Filmplakat "Demokraten"
“Du bist halt auch nur ein Mensch. Einer von vielen”, sagt der Freund von Susanne Graf von der Piraten Partei. Die beiden liegen im Mauerpark und Susanne Graf gibt zu, ein bisschen nervös zu sein. Für die 19-jährige sind die Wahlen des Berliner Abgeordnetenhauses am 18. September nicht nur die ersten, bei denen sie ihre Stimme abgeben kann, sondern gleich auch die ersten, bei denen sie selbst in die Berliner Regierung einziehen möchte.

Wie sich Kandidaten aller großen Berliner Parteien (SPD, CDU, Bündnis 90/Grüne, Die Linke und die Piraten) menschlich auf die Wahl vorbereiten, selbst im Regen Plakate kleben und versuchen, ihr Privatleben mit dem bevorstehenden Mandat zu vereinen, davon berichtet Levi Salomons Film “Demokraten”. Kurz vor der Wahl begleitete der Regisseur fünf Spitzenkandidaten und zeichnete intime Porträts, die gängige Klischees hinterfragen.

So geht es keinem Politiker um Macht, sondern ganz im Gegenteil: “Jetzt wird der ganze Frust und Enttäuschungen, die Menschen haben, auf einen projiziert, der sich da outet als Politiker”, berichtet Burkhard Dregger, Kandidat der CDU, von seinen Erfahrungen. Kandidiert haben alle im Video vorgestellten aus Überzeugung: “ Ich bin schon sehr gerne Politiker”, bestätigt Andreas Otto von Bündnis 90/ Grünen.

Die Politiker und Politikerinnen gestalten Wahlkampf und politisches Engagement sehr unterschiedlich: Während Susanne Graf sich eine demokratische Schule ansieht, demonstriert Klaus Lederer, Die Linke, gegen antisemitische Hetze. Klaus Zimmermann von der SPD sucht in Bars und auf der Straße das direkte Gespräch mit potentiellen Wählern: “Ich bin hier der Kandidat für die SPD und sie können Fragen stellen!”, bietet er an. Dabei bekommt nicht nur er, sondern auch seine Kollegen und Kolleginnen harsche Kritik zu hören. Eine Passantin ist überzeugt: “Heute geht's nur um Macht. Jeder, der unbefleckt in die Politik kommt, wird verdorben.” Und auch ein anderer Bürger wundert sich: “Wann werden Politiker wieder für die Bürger da sein, ohne Verarscherei?”.

Botschaft aller Kandidaten und Kandidatinnen, sowie auch die unaufdringliche, aber bestimmte Botschaft des Films selbst: Die politisch Aktiven sind bereits für die Bürger und Bürgerinnen da! Dafür ist es allerdings auch wichtig, dass nicht nur gemeckert, sondern auch mitgemacht wird: “Und wir brauchen weniger, dass Leute schimpfen, auf die Politik meckern, sondern mehr eine Mitmachdemokratie,” so Otto in einem Plädoyer gegen Politikverdrossenheit.

“Demokraten” zeichnet ein Gegenbild des stereotypen Politikers, ein Bild des Politikers als “ganz normaler Mensch”, dem politische Themen einfach nur besonders am Herzen liegen. Und so fallen zwar ab und zu ein paar Floskeln (“Ich glaube, man muss denen helfen, die hilfsbedürftig sind, aber man muss den Menschen auch die Möglichkeit geben, sich selbst zu entfalten.” (Dregger)), man merkt aber auch: Hier geht es nicht um Macht, hier geht es um den Willen zur Mitgestaltung.

Mitgestalten zu dürfen ist keine Selbstverständlichkeit, das wissen Otto und Lederer noch aus Zeiten des SED-Regimes zu berichten: Im Mauerpark zu sitzen, dort, wo früher der Sandstreifen der Mauer war, ist für sie etwas ganz besonders. Ob man sich als politisch Engagierter für die Legalisierung von Drogen (Graf), gegen steigende Mieten (Otto) oder für mehr Polizeipräsenz (Dregger) einsetzt, ist dabei zweitrangig. Der Film zeigt das Spektrum politischen Engagements auf, ohne parteiisch zu sein. Seine Botschaft: Egal für welche demokratische Position, mach mit!

Die Dokumentation “Demokraten” wird für kleinere Vorführungen und Präsentationen zur Verfügung gestellt. Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage: www.demokraten-film.de

Interner LinkHomepage "Demokraten"
Interner LinkTrailer "Demokraten"