Schul- und Ausbildungspaten im Landkreis Vulkaneifel

Von Eva Knechtges

Foto: Patin und Schülerin unterzeichnen eine Patenvereinbarung (Knechtges)Foto: Patin und Schülerin unterzeichnen eine Patenvereinbarung (Knechtges)
Foto: Die Paten helfen auch beim Verfassen von Bewerbungen (Knechtges)
Foto: Ein Pate mit seinem Schüler (Knechtges)
Das erste Mal vom (Ausbildungs-) Patenprojekt in Daun erfuhr ich 2008 durch mein Praktikum bei der Schulsozialarbeiterin Esther Ben M´rad (Caritasverband Westeifel e.V.) an der damaligen Hauptschule in Daun. Ich weiß noch ganz genau, wie Esther Ben M´rad mir mit ganz viel Begeisterung erzählte, dass sie und der Dekanatsreferent Thomas Reicherts (Dekanat Daun) an einem neuen Projekt arbeiten, bei dem Schüler durch ehrenamtliche Paten unterstützt werden. Esther Ben M´rad berichtete damals, dass sich schon zwölf ehrenamtliche Paten gemeldet hätten, mehr als sie jemals gedacht hätte. Nun sollten mit dieser hochmotivierten Gruppe Schulungsabende organisiert werden.

Dann war mein Praktikum zu Ende und ich hörte ein ¾ Jahr später, dass eine Projektkoordinatorin gesucht werde. Das ist meine Chance, dachte ich damals.. Ich bekam die Stelle und begleite von da an die Paten. Gemeinsam mit meiner Fachbereichsleitung Frau Andrea Ennen weiteten wir das Projekt inhaltlich aus. Es kamen Lese-, Sprach- und Lernpaten an Realschulen Plus (einem Zusammenschluss von Haupt- und Realschulen) hinzu. In einem weiteren Schritt fusionierten wir mit dem Projekt „Keiner darf verloren gehen“ von der Kreisverwaltung Vulkaneifel. – Fast drei Jahre später bin ich immer noch Projektkoordinatorin und ich hoffe, das bleibe ich noch eine lange Zeit, denn es ist einfach super und die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen macht viel Spaß.

Die Paten gehen mit so viel Motivation und Begeisterung an ihr Werk und sind so kreativ und einfallsreich, um die Patentreffen mit Inhalten zu füllen! Ja, man kann sagen, die Paten ziehen mich in ihren Bann, wenn sie von den gemeinsamen Treffen berichten: Zum Beispiel, dass auf dem Zeugnis ihres Schülers aus einer 5 eine 4 oder die erste 2 seit langem geschrieben wurde. Die Paten berichten, dass Schüler, die eigentlich von der Schule schon abgeschrieben wurden, doch noch einen Ausbildungsplatz erhalten und nun ganz neue Motivation entwickeln, die Schule doch erfolgreich zu beenden, aber auch, dass manche Schüler nicht zu den Treffen kommen oder immer zu spät sind. Doch alle Paten halten mit viel Engagement an der Patenschaft fest und sagen sich: „Das bring ich dem noch bei! Das ist meine Aufgabe und die Patenschaft wird erst beendet, wenn er pünktlich zum Treffen kommt.“

Es ist eine ganze Menge passiert: Ich erinnere mich noch gut daran, dass in einer der ersten Patenschaften, von der eine Patin berichtete, sie einen ganz großen Blumenstrauß als Dankeschön von ihrem Schüler bekommen hat, obwohl sie eigentlich der Meinung war, sich bei ihm bedanken zu müssen, da sie nun wisse, wie man mit dem PC umgehe. Ein anderer Pate hat mir eine E-Mail weitergeleitet, in der sich die Schülerin von Herzen für die ganze Unterstützung bedankt. Ein weiterer Pate sagt über seinen Schüler: „Der Junge ist auf dem richtigen Weg und kann den nun alleine gehen.“ Und, und, und...

Ja, es waren und sind viele schöne Augenblicke dabei. Aber auch richtige Erfolge: Zwei brasilianische Mädchen kamen nach Deutschland und konnten kein Wort Deutsch. Sie saßen im Unterricht und haben nichts verstanden. Die Schulsozialarbeiterin fragte mich damals, ob ich nicht ein oder zwei Paten für die beiden Mädchen hätte. Ich fragte meine Paten und es erklärten sich sofort zwei dazu bereit, den Mädchen Deutsch beizubringen. Es ist genau zwei Jahre her, dass die beiden nach Deutschland kamen und ich kann Ihnen verraten, dass das jüngere Mädchen im Sommer das Gymnasium besuchen wird.

Wo erlebt man so etwas, wenn nicht in diesem Projekt? Ich glaube, ich habe eines der schönsten Arbeitsfelder, die man sich für das Berufsleben einer Sozialarbeiterin wünschen kann. Ich kann Schülern helfen, die von zuhause aus wenig Unterstützung erhalten, die sonst auf der Strecke blieben, keine Zukunftsperspektiven hätten und den Mut und die Hoffnung auf ein erfülltes und glückliches Leben zum Teil schon verloren haben. Und ich arbeitete mit Menschen, die sich für andere einsetzen möchten, die ein wenig von ihrer Zeit anderen schenken, die ihr Leben mit zu Beginn Fremden und anschließend mit Freunden teilen, mit Menschen, die einen Sinn darin sehen, ehrenamtlich tätig zu sein, die nicht den Wert auf eine finanzielle Entschädigung legen, sondern die dieses Ehrenamt mit voller Begeisterung für den guten Sinn und den Zweck ausführen. Beide Gruppen zusammen, Schüler, die Hilfe benötigen und Ehrenamtliche, die Hilfe geben können: Das ist einfach eine Super-Mischung. Nach der Patenschaft haben die Schüler Vorbilder, Ansprechpartner, zum Teil aber auch Freunde und eine schöne Zeit gehabt, in der sicherlich auch viel gelacht wurde. In den drei Jahren, in denen ich das Projekt koordiniere, hat sich Einiges getan. Aus den zwölf Paten aus dem ersten Jahr sind aktuell über 60 Paten geworden.

Interner LinkHomepage Caritas Westeifel


 

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