17.08.2011

Über das Kinderdorf im Amt Niepars

Logo: Das Kinderdorf in Steinhagen (Kinderdorf Steinhagen)Logo: Das Kinderdorf in Steinhagen (Kinderdorf Steinhagen)
Foto: Willkommen im Kinderdorf (Kinderdorf Steinhagen)
Foto: Die Teilnehmer 2010 (Kinderdorf Steinhagen)
Von Günter Heidemann (Institut Lernen und Leben e.V.)

Die Jugendarbeit im Amtsbereich Niepars beginnt mit einem ersten professionellen Meilenstein im November 1997. Damals ringen sich die verantwortlichen Bürgermeister zur Installierung einer Koordinierungsstelle für Jugendarbeit durch. Diese sollte in einer idealen Finanzierung jeweils zu einem Drittel durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, durch den Landkreis Nordvorpommern und durch die Kommune getragen werden. Heute, im Jahr 2011, trägt das Amt Niepars die Personalkosten für einen Jugendpfleger in Direktanstellung und bezuschusst einen Jugendhilfeträger (das Institut Lernen und Leben e.V.) mit Personalkosten für drei Stellen zu je 30 Stunden, die für den gesamten Amtsbereich zuständig sind. Noch.

Aus der Tradition der gewachsenen Struktur im weiten Feld der offenen Angebote fällt uns  Anfang 2000 die geniale Idee der Übertragung eines klassischen bundesdeutschen „Demokratie-Übungsprojektes“ für Kinder – der Kinderstadt oder Spielstadt – im ländlichen ostdeutschen Raum ins Auge. Zu diesem Zeitpunkt kann sich die Jugendarbeit jedoch noch nicht zu einem koordinierten Großprojekt in den Schulsommerferien aufraffen. Partner und Unterstützer stehen aber schon mit Praxisbeispielen zur Verfügung. Zur Stadt Obertshausen in Hessen hat sich eine stabile Freundschaft mit wechselseitigen Projekteinladungen und konkretem Fachaustausch der Pädagogen entwickelt. Der Wunsch zum Ausprobieren eines Kinderdorfes trifft 2005 auf einen fruchtbaren Boden in der Gemeinde Niepars, die sich von diesem Großprojekt begeistern lässt und das Wagnis eines ersten Versuches am Schulstandort in Niepars eingeht. Eine Bedarfsermittlung bei den Eltern hatte eine positive Resonanz von etwa 70 Kindern ergeben.

Das erste Kinderdorf wird schließlich mit ca. 90 Kindern und 20 haupt- und ehrenamtlichen Betreuern erfolgreich in Niepars durchgeführt. Erste finanzielle Einschnitte, die die Personalausstattung treffen, versuchen der allgemeinen Entwicklung im sozialen Sektor Rechnung zu tragen. Der Ehrgeiz der Jugendarbeiter lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken. Das Kinderdorf hat in seiner Form den „Nerv“ der Nachfrager getroffen und wird mittlerweile gut in der Region angenommen. Dadurch weiten sich die Vorbereitungen zu dem Projekt über das gesamte Jahr aus. Die Anfragen der Eltern beginnen mit der Jahresurlaubsplanung zu Beginn des neuen Jahres. Zu diesem Zeitpunkt stehen in der Regel in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht alle kommunalen Haushalte fest. Für die Organisatoren bedeutete das ein erhöhtes Finanzierungsrisiko, da das Kinderdorf im Jahr 2007 bereits etwa 20.000 € Projektkosten umfasst. Nur ein Bruchteil davon (1.000 €) waren vom Präventionsrat im Amt Niepars für das Projekt kofinanziert. Der Jahresetat für Veranstaltungen in der Jugendarbeit im Amt beträgt insgesamt 10.000 €.

Die Jugendarbeiter treibt der Idealismus, an einem Projekt beteiligt zu sein, das in der Region einzigartig ist und das anschaulich macht, dass Kinder tatsächlich an unsere komplexe Gesellschaft spielerisch herangeführt werden können und auch noch Spaß dabei haben. Die Vorteile eines Angebotes für Kinder speziell im Alter von 7 bis 13 Jahren sind den Pädagogen dabei durchaus bewusst. Aus dem aufgebauten Kontakt in dieser Generation lässt sich später ein stabileres Beziehungsgeflecht entwickeln, das auch Heranwachsenden Halt und Unterstützung geben kann, solange sie bei uns in der Region leben wollen und können.

Im Jahr 2011 hat das Kinderdorf in Steinhagen am zweiten Schulstandort im Amtsbereich Niepars, in zwei Durchgängen, über 400 Kinder erreicht. Von den etwa 50 Betreuern sind immer noch fünf Hauptamtliche in den Arbeitsfeldern Jugend- und Schulsozialarbeit tätig. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf etwa 33.000 €. Ein Großteil davon wird für Bustransfer, Mittagsversorgung und Entschädigung der ehrenamtlichen Helfer aufgewendet. Von diesem Budget müssen rund 7.000 € an Spenden eingeworben werden. Mit diesem bereits fünften Kinderdorf ist uns nicht nur ein kleines Jubiläum gelungen, an das anfangs nur wenige geglaubt haben. Das Projekt ist auch in der Region zu einem Teil des Miteinanders geworden. Firmen, Sparkasse, Privatpersonen, Bürgermeister, Handwerksbetriebe und viele andere teilen mit den Verantwortlichen den Glauben an dieses Projekt und geben ihre maximale Unterstützung. Sogar das beliebte Radio Ostseewelle hat unser Projekt ins Land hinausgetragen.

Die Jugendarbeit sieht sich dadurch wertgeschätzt und erntet das seltene Gefühl von Anerkennung und Bestätigung für ihre Mühen. Im Jahr 2010 wurde das Projekt Kinderdorf sogar durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz als ideenreiches und vorbildliches Projekt ausgezeichnet. Die allgemeine Entwicklung in unserem Land, die offene Kinder- und Jugendarbeit weiter abzuschmelzen und damit „Brachland“ zu hinterlassen, wird das nicht aufhalten können. Idealisten sind heute selten geworden, obwohl wir sie so dringend brauchen.




Kontakt für das Projekt:

Benedikt Banaszkiewicz
Amt Niepars / Amtsjugendpflege Gartenstrasse 13 b
18442 Niepars
Tel: 038 321 60 140 oder 0172 35 75 539
E-Mail: ajp@amt-niepars.de

Projektleiter und für das Institut Lernen & Leben e.V.:

Günter Heidemann
ILL e.V. Rostock
Tessiner Straße 17
18055 Rostock
Tel: 0173/3611156
E-Mail: jugendarbeitamtniepars@ill-ev.de

Interner LinkZur Homepage des Kinderdorf Steinhagen


 

Informiert bleiben

Facebook
YouTube

Logo BPB
Seit 2011 ist die Geschäftsstelle des BfDT Teil der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb