09.05.2011

Projekt der Elterninitiative „Generation 50 plus“

Foto: Weihnachtsfeier der Senioren Dezember 2010 (Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß e.V.)
Foto: Dialog bei der Begehung im Stadtviertel (Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß e.V.)
Foto: Kochkurs im Dezember 2010 (Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß e.V.)
Von Waldemar Meser (1. Vorsitzender des „Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß e.V.“)

Über 14.000 Einwohner zählen der Stadtteil Buckenberg-Haidach und die Siedlung Hagenschieß und sind damit zusammen der zweitgrößte Stadtteil in Pforzheim. Vor allem Aussiedler lassen sich im Wohngebiet Haidach nieder. Über die Hälfte der Einwohner sind jünger als 27 Jahre, 3.000 sind zwischen 14 und 18 Jahren. Dem hohen Anteil der Jugendlichen steht eine nicht gerade auf sie zugeschnittene Infrastruktur gegenüber. 1% der Haidach-Gesamtfläche stehen als Spiel- und Treffmöglichkeiten zur Verfügung. Diese Problematik verschärft sich nicht zuletzt dadurch, dass nicht nur Lärmbelästigung, sondern auch Fälle von Vandalismus oder übermäßigem Alkoholkonsum auftreten. Jugendliche Spätaussiedler machten verstärkt auf sich aufmerksam. Die Anwohner beschwerten sich öfter bei der Stadtverwaltung. Infolgedessen sah sich die Stadt gezwungen, zu reagieren und Lösungswege zu suchen. Über die drei Stadträte, die selbst auf dem Haidach wohnen, wandte sich die Stadtverwaltung an die Eltern. „Es geht doch um eure Kinder“ war der Appell. Im Februar 2000 gründeten 56 Familien den Verein„Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß e.V.“

Der Verein hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, als Bindeglied zwischen den Jugendlichen und den betroffenen Einwohnern des Stadtteils zu fungieren. Ein weiteres Ziel war es, ehemalige Leistungssportler, Musiker, Kunstschaffende und Pädagogen in die Jugendarbeit einzubeziehen. Die Elterninitiative besteht derzeit aus 180 Familienmitgliedern. Zum größten Teil sind es Eltern der jugendlichen Spätaussiedler, die sich im Verein ehrenamtlich engagieren. Aber auch die Jugendlichen selber unterstützen den Verein; so gibt es eine Jugendabteilung mit 36 Mitgliedern. Auf drei Säulen sind die Strukturen des Vereins aufgebaut.

Unter den Aussiedlern des Stadtteils Buckenberg-Haidach sind viele ehemalige Leistungssportler, Musiker und Kunstschaffende. Mit ihrer Hilfe ist es uns möglich geworden, neue Angebote für die Freizeitgestaltung der Heranwachsenden zu schaffen. Drei Hip-Hop Tanzgruppen, eine Breakdance-Tanzgruppe, zwei Bauchtanz-Gruppen, ein Nähkurs, drei Kochkurse, eine Boxgruppe, eine Teakwondo-Sportgruppe, eine Judo-Sportgruppe, drei Beachvolleyball-Gruppen, Frauen-Gymnastik und Frauen-Tanzgruppen, sowie ein „Offener Jugendtreff“ im Vereinsheim, der täglich von 17.00 bis 21.00 Uhr offen ist, werden seit 11 Jahren angeboten und geführt. Durch diese verschiedenen Freizeitangebote wird ein Teil der Jugendlichen von der Straße geholt und gleichzeitig wird ihnen eine sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglicht.

Seit 11 Jahren sind drei bis vier Erwachsene von April bis Oktober jeden Freitagabend, nach Bedarf auch Samstag, im Stadtteil Haidach unterwegs, suchen die klassischen Treffs der Jugendcliquen auf und hören sich ihre Probleme und Wünsche an. Zusammen wird versucht Lösungsmöglichkeiten für diverse Probleme zu finden. Die Eltern möchten zwischen den Jugendgruppen und den betroffenen Anwohnern vermitteln, dabei verstehen sie sich nicht als Hilfssheriffs, sondern als verlängertes Sprachrohr der Jugendlichen. Durch solche Gespräche und mit Unterstützung der Stadtverwaltung sind ein Volleyballplatz, ein Basketballplatz, drei Reck-Anlagen und mehrere Sitzbänke an den Jugendtreffs entstanden.

Seniorenarbeit gewinnt bei uns immer mehr an Bedeutung. Über die Senioren werden die kürzeren Wege zu Jugendlichen und ihren Familien gefunden. Zu unseren monatlichen Kaffeenachmittagen kommen zwischen 120 und 150 Senioren. Insgesamt wurden zum Beispiel 2010 neun solcher Nachmittage veranstaltet. Faschings- und Weihnachtsfeste mit 200 Personen sowie ein Grillnachmittag im Sommer kommen hinzu. Mitglieder des Vereins bewirten den Nachmittag und die Jugendabteilung ist für die musikalische Gestaltung verantwortlich. Gemeinsam organisieren und gestalten Senioren und Jugendliche die Weihnachts- und Faschingsfeiern.

Bei den zahlreichen Veranstaltungen und Projekten erfährt der Verein von verschiedenen Institutionen Unterstützung. Bürgerhaus Buckenberg-Haidach, die Buckenberg und die Haidachschulen, Evangelische und Katholische Kirchengemeinde, der örtliche Sportverein und der Stadtjugendring sind Kooperationspartnern bei gemeinsamen Projekten.

Die Elterninitiative konnte in den letzten 11 Jahren für viele positive Impulse im Stadtteil sorgen. Die Situation im Stadtteil Buckenberg-Haidach hat sich in vergangenen Jahren dank der Vernetzung der unterschiedlichen Organisationen und Vereine grundlegend gewandelt. Besonders effektiv finde ich, dass in die Freizeit- und Jugendarbeit Personen einbezogen werden, die bereits eigene Integrationserfahrungen gemacht haben, und spezifische Kenntnisse vorweisen können. Für die Zukunft gilt es die jahrelange Zusammenarbeit und Kooperation mit den anderen Institutionen im Stadtteil weiterzuführen und zu erhalten. Wahrscheinlich werden wir in den nächsten 2 – 3 Jahren versuchen die beide Bausteine „Sport- und Freizeitgestaltung“ sowie „Eltern- und Seniorenarbeit“ zusammenzuführen. Durch diese Fusion versprechen wir uns die Mehrgenerationen-Arbeit zwischen Jung und Alt zu fördern.



 

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