Rätseln und Lernen

Foto: Ratinger Rätselfreunde (Jugendamt Stadt Ratingen)
Foto: Was mag das für ein Gebäude sein? (Jugendamt Stadt Ratingen)
Foto: Gemeinsames Rätseln (Jugendamt Stadt Ratingen)
Von Michael Baaske (Jugendamt Stadt Ratingen)

Im Rahmen meiner Jugendamtstätigkeit biete ich seit Jahren Preisrätsel an, um Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Wissen zu unterschiedlichen Themen zu vermitteln. Die Gewinnspiele werden zum einen im Schulunterricht eingesetzt und regen dort zu lebhaften Diskussionen an. Zum anderen liegen die Fragenkataloge in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen zur Mitnahme aus.

Bisher haben sich mehr als 10.000 Rätselfreunde aus Ratingen und ganz Deutschland an meinen Gewinnspielen beteiligt, und mehr als 300 Ratefüchse haben Preise aus der Hand des Bürgermeisters oder seiner Stellvertreter erhalten. Zu den prominentesten Preisstiftern zählen u. a. die Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder, die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident, der Heilige Vater, der EKD-Ratsvorsitzende, dem damaligen Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Paul Spiegel, verschiedene Bundesminister und der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit.

Auf eine große mediale Resonanz stieß vor einigen Jahren mein Gewinnspiel zum Thema „Judentum“. Nachdem die „Jüdische Allgemeine“ über den Fragenkatalog „rund um die jüdische Geschichte, Religion, Tradition und Leistung“ berichtet hatte, erreichten meinen Arbeitgeber (die Stadt Ratingen) Rückmeldungen aus ganz Deutschland. In der Folgezeit bin ich von Lehrer/innen und begeisterten Bürger/innen immer wieder angefragt worden, doch auch einmal ein Gewinnspiel zum Thema „Christentum“ oder „Islam“ ins Leben zu rufen. Für das Letztere habe ich mich Ende 2009 entschieden und einen zehnseitigen Fragenkatalog entworfen, der vor der Veröffentlichung von der Deutschen Islam Konferenz geprüft worden ist.

Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten vor allem durch Zuwanderer aus den muslimisch geprägten Herkunftsstaaten religiös und kulturell vielfältiger geworden. Mittlerweile leben in Deutschland ca. vier Millionen Muslime, und knapp die Hälfte von ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Wir haben Bilder im Kopf von langbärtigen Glaubenskriegern. Doch das sind nicht die Muslime, die mit uns leben, als Nachbarn, Kollegen und Geschäftspartner. Was ist eigentlich der Islam, und wer sind die deutschen Muslime? Und warum ist das Zusammenleben der Deutschen mit ihrer größten religiösen Minderheit so fragil? Diesen und vielen anderen Fragen ist das Ratinger Jugendamt im Rahmen des Preisrätsels auf den Grund gegangen. Als ich das Gewinnspiel im Frühjahr 2010 gestartet habe, konnte noch niemand ahnen, welche Wellen Sarrazin und Nachfolger in der Folgezeit schlagen würden. Ich habe in meiner Vorbereitungszeit Herrn Dr. Thomas de Maizière als damaligen Bundesminister des Innern von meinem Anliegen begeistern können, der nicht nur ein lobendes Wort geschrieben, sondern auch den Hauptpreis gestiftet hat. Im Laufe der Wochen haben dann die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident, Akademiepräsident Klaus Staeck und Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky die Ratinger Aktion mit Preisen bereichert. Nachdem die FAZ über den Ratespaß berichtet hatte, hat es so wie seinerzeit bei dem Rätsel zum Judentum Rückmeldungen aus dem gesamten Bundesgebiet gegeben.

Auch wenn manch Rätselfreund die eine oder andere der 63 Fragen etwas zu schwierig fand und einige Teilnehmer sich eine kritischere Haltung gegenüber dem Islam und dem Islamismus gewünscht hätten: Das Islam-Gewinnspiel, das das Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt als vorbildlich eingestuft und mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro ausgezeichnet hat, hat durchweg eine positive Resonanz erfahren. Besonders erfreulich: fast ein Drittel der Ratefüchse sind junge Muslime gewesen. Am Ende haben sich knapp 900 Bundesbürger aller Altersstufen am Rätsel beteiligt, und neun Gewinner/innen wurden am 15. November 2010 im Sitzungssaal des Ratinger Rathauses durch das Stadtoberhaupt geehrt. Den Lösungsspruch – ein Zitat von Mohammad – „Das Gute, das der Mensch in dieser Welt schafft, ist sein wirklicher Reichtum“, haben übrigens alle Teilnehmer korrekt erraten.

Ausführliche Infos über das Islam-Gewinnspiel und weitere Preisrätsel der Stadt Ratingen im Internet:
Interner Linkwww.jugendtreff-eggerscheidt.de



 

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