Aktionen gegen Ehrenmorde

Trauriger Ausgangspunkt des Projektes ist die Ermordung der 20jährigen Türkin Gönül Karabey, die Mitte Juni 2005 in Wiesbaden von ihrem Bruder erschossen wurde, da sie mit einem Deutschen liiert war – ein sogenannter „Ehrenmord“, der für Aufsehen und Erschütterung sorgte.

MitarbeiterInnen des Jugendzentrums im Georg Buch Haus initiierten daraufhin spontan eine Kundgebung in der Wiesbadener Fußgängerzone, auf der wiederum das Aktionsbündnis Wiesbadener Mädchen- und Fraueneinrichtungen ins Leben gerufen wurde. In diesem sind u.a. die Vereine Wildwasser Wiesbaden e.V. und Mädchentreff Wiesbaden e.V. sowie das Frauenmuseum Wiesbaden miteinander vernetzt.

Als erstes Projekt organisierte das Aktionsbündnis zwei Wochen später eine offizielle Demonstration, die sich für die Selbstbestimmung und gegen die Diskriminierung von Frauen in allen Kulturen und Religionen einsetzte. Auf der anschließenden Kundgebung machten verschiedene RednerInnen auf die Problematik aufmerksam, u.a. der türkischstämmige Sozialarbeiter Nedim Tuyun. „Ich bin mit einer Deutschen verheiratet und müsste eigentlich tot sein. Bin ich aber nicht, denn ich bin ein Mann“, so Tuyun. Seinen Zynismus verband er aber auch mit der Warnung, jetzt alle Muslime zu verurteilen bzw. Vorurteile auf- anstatt abzubauen.

Die gemeinsame Initiative von Jugendzentrum und Aktionsbündnis überzeugt vor allem deshalb, weil sie sich über den konkreten Vorfall hinaus detailliert und kontinuierlich mit dem Thema auseinander setzt. So wurden beispielsweise im Rahmen der vom Jugendzentrum organisierten Schulveranstaltung „Warum ist es so schwer, andere Kulturen zu verstehen?“ bereits GrundschülerInnen für die Problematik sensibilisiert. Gleichzeitig bemühte sich das Jugendzentrum aber auch, LehrerInnen und andere pädagogische Fachkkräfte im Rahmen einer Veranstaltung weiterzubilden und ihnen so Möglichkeiten zu eröffnen, Themen wie „Ehrenmord“, Integration, kulturelle Vielfalt konstruktiv in ihre Arbeit einzubeziehen.

Sehr praktisch um Hilfe für die Betroffenen bemüht, erarbeitete das Aktionsbündnis darüber hinaus ein Konzept zum Thema: „Welche konkreten Beratungsangebote brauchen Migrantinnen, um sich gezielt gegen Gewalt, wie zum Beispiel Zwangsverheiratung, wehren zu können?“.
Vor allem dieser mehrgliedrige Ansatz hebt die Initiative von vergleichbaren Projekten ab, die es leider allzu oft „nur“ bei einer einmaligen Geste der Betroffenheit belassen.




Projektträger:Jugendzentrum im Georg-Buch-Haus
Ansprechpartner:Conni Dinges
E-Mail:conni.dinges@wiesbaden.de
Telefon:0611-314609

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