Seeshaupt im April

Foto_Initiative "Seehaupt im April"
Der Zweite Weltkrieg ging an der kleinen Gemeinde Seeshaupt am Starnberger See in Bayern fast ohne direkte Einwirkungen vorbei. Bis zum 30. April 1945, als ein mit 2000 KZ-Häftlingen beladener Zug aus dem Lager Mühldorf, einem Außenlager des KZ-Dachau, auf dem Bahnhof stehen blieb und die Insassen durch amerikanische GI´s befreit wurden. Dadurch wurde das Dorf Seeshaupt für die Insassen des Zuges zum „Wiedergeburtsort", wie es einer der Überlebenden, Louis Sneh, nennt. Und dies obwohl sich die Häftlinge kaum mehr als einen Tag in dem Dorf aufhielten. Die Bewohner des Dorfes wurden dadurch gewissermaßen direkt mit den Folgen der Nazi-Diktatur konfrontiert. Nicht nur durch die plötzliche Anwesenheit der Häftlinge, sondern auch, weil das amerikanische Militär je einen Bewohner aus jedem Haushalt aufforderte, sich das Ausmaß des Häftlingselends anzuschauen. Zudem mussten einige Familien ihre Häuser räumen, um den Häftlingen „Platz zu machen".
Nachdem 68 Tote aus dem Zug zwischenzeitlich in einem anonymen Grab auf dem Friedhof von Seeshaupt ihre letzte Ruhe gefunden hatten, diese aber 1950 nach Dachau überführt wurden, erinnerte nichts mehr an diesen 30. April 1945 im Dorf. Erst im Jahr 1992 wurde auf Initiative des Arztes Dr. Uwe Hausmann die Errichtung eines Denkmals angeregt, um nachwachsenden Generationen vor Augen zu führen, was an diesem Tag im Dorf geschehen ist. Es wurde ein „vehementer Streit" um das Mahnmal entfacht, doch heute erzählt das Mahnmal, das am 30. April 1995 aufgestellt wurde, den Ausgang des Streits. Seitdem findet jedes Jahr zum Jahrestag in der kleinen Gemeinde eine Gedenkfeier statt, die von der Initiative „Seeshaupt im April" mitorganisiert wird. Überlebende des Zuges aus den USA und Israel kommen, um daran teilzunehmen. Dadurch hat sich mittlerweile auch eine Auseinandersetzung von Schülern mit dem geschichtlichen Ereignissen etabliert. Diese nehmen ebenfalls an der Gedenkfeier teil, schmücken das Mahnmal, singen Chorlieder oder bearbeiten in Geschichtswettbewerben und Facharbeiten an der Schule das Thema.



Ansprechpartner:Bero von Fraunberg
E-Mail:renate@vonfraunberg.com
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