BfDT- Beiratsmitglied Judith Epstein stellt sich vor

Judith Epstein ist Vizepräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Mitglied im Beirat der Europäischen Janusz Korczak Akademie und seit Dezember 2015 Mitglied im Beirat des BfDT.
Beiratsmitglied Judith Epstein

Bitte stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vor.
Ich wurde in München als Tochter von Holocaustüberlebenden geboren, wo ich noch heute mit meinem Mann und meinen zwei Kindern lebe. Ich bin selbstständige Immobilienunternehmerin in München und Berlin.

Seit meiner Jugend engagiere ich mich in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, seit 2012 bin ich auch deren Vizepräsidentin. Neben zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten u.a. im Deutschen Freundeskreis der Hebrew University of Jerusalem und des Tel Aviv Museum of Art engagiere ich mich aktiv als Beiratsmitglied bei der Europäischen Janusz Korczak Akademie.
Wie Sie sicherlich wissen, war Janusz Korczak ein polnischer Arzt, Kinderbuchautor und vor allem ein wichtiger Pädagoge, der im Warschauer Ghetto das berühmte Waisenhaus leitete. Als die Deutschen das Waisenhaus auflösten und die Kinder nach Treblinka – und damit in den Tod – deportierten, ließ Korczak „seine“ Kinder nicht im Stich, sondern begleitete sie. Er starb vermutlich im August 1942 in Treblinka.

Die Europäische Janusz Korczak Akademie wurde 2009 gegründet, und steht der breiten Gesellschaft offen. Ihr Ziel ist es, durch Vermittlung von Wissen die jüdische Gemeinschaft zu stärken, sie zu öffnen und Berührungsängste in jeder Richtung abzubauen.

In der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern engagiere ich mich aktiv im Bereich Soziales und Kultur. Außerdem vertrete ich Hadassah International, das wohl größte jüdische Frauennetzwerk an der UN in Genf.

Sie engagieren sich z.B. als Vizepräsidentin der Israelischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gegen Antisemitismus, was ist Ihre persönliche Motivation?
In den vergangenen Jahren hat der Antisemitismus in Deutschland rasant zugenommen – auch über 70 Jahre nach der Shoah müssen jüdische Kindergärten, jüdische Schulen und Gemeindehäuser, unsere Senioreneinrichtungen, Friedhöfe oder Synagogen von der Polizei beschützt werden. Antisemitische Übergriffe gehören leider wieder zum Alltag – wie auch der Hass auf den Staat Israel.
Als Jüdin in Deutschland, als Tochter von Holocaustüberlebenden, aber auch als deutsche Staatsbürgerin möchte ich das nicht einfach so hinnehmen.

Welche Rolle spielt zivilgesellschaftliches Engagement im Einsatz gegen Antisemitismus in Deutschland?Zivilgesellschaftliches Engagement spielt eine große Rolle im Kampf gegen Antisemitismus.
Ich möchte nur anhand von antisemitischen Postings in sozialen Netzwerken etwas verdeutlichen:
Vielleicht posten nur 100 Personen etwas Antisemitisches, vielleicht liken nur 1000 Personen diese antisemitischen Postings – aber Zigtausende schweigen und machen nichts.
Daher ist es, wie auch bei ausländerfeindlichen Sprüchen, wichtig: schreiten Sie ein, wenn Sie in Ihrem Bekannten- oder Kollegenkreis, wenn Sie beim Sport oder im Verein antisemitische oder rassistische Sprüche oder Kommentare hören. Nur so können wir etwas ändern.

Welche Erfahrungen bringen Sie in den Beirat des BfDT ein?
Durch mein langjähriges Engagement in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie durch meine Arbeit für zahlreiche soziale und gesellschaftliche Organisationen habe ich viele Erfahrungen im zivilgesellschaftlichen Engagement sammeln können. Diese möchte ich aktiv im Bündnis für Demokratie und Toleranz einbringen.

Ich möchte dazu beitragen, die Arbeit und das Engagement des BfDT in Deutschland bekannter zu machen – gerade heute, da es in Deutschland immer mehr rechtsextreme und antisemitische Übergriffe gibt, da rechtspopulistische Parteien stärker werden und die Stimmung in der Bevölkerung gespalten ist, braucht es ein starkes Bündnis für Demokratie und Toleranz – dafür möchte ich mich einsetzen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Tätigkeit als Mitglied im Beirat des BfDT?
Gerade in dieser schwierigen Zeit braucht es eine starke Stimme für Demokratie und Toleranz in Deutschland. Ich freue mich schon auf die Verleihung der „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ am 23. Mai 2016: gerade diese Botschafter treten vor Ort für Demokratie, für Toleranz und für eine bessere Zukunft ein – ich bin sehr beeindruckt, wie viele tolle und wichtige Initiativen es in unserem Land gibt! Unser Bündnis sollte für all diese Initiativen und Vereine das Sprachrohr sein.


 

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