Die Salaam-Schalom Initiative - für ein friedliches Zusammenleben in Neukölln und darüber hinaus

Interview mit Armin Langer


Mitglieder der Salaam-Schalom Initiative (Foto: Gregor Zielke)
Die Salaam-Schalom Initiative bei einem Flashmob in Berlin (Foto: Gregor Zielke)
1. Aus welchem Anlass wurde die Salaam-Schalom Initiative gegründet?

Die Salaam-Schalom Initiative wurde von Berliner/-innen aus dem Bezirk Neukölln, darunter viele Muslime und Juden, und anderen interessierten Bürger/-innen als Reaktion auf die öffentlichen Statements eines Rabbiners gegründet, der den Bezirk Neukölln als sogenannte "No-go-Area" für Juden bezeichnet hatte. Diese Aussagen seien auf die hohe Anzahl der dort lebenden muslimischen Bewohner/-innen zurückzuführen. Diese Stigmatisierungen, die zu Misstrauen und Spannungen führen, möchte die Salaam-Schalom Initiative auflösen. Stattdessen soll Berlin und vor allem Neukölln eine No-Go-Area für Rassismus und Xenophobie sein.

2. Erzählen Sie kurz von Ihrer vielfältigen, interkulturellen Arbeit?

Unser erstes Projekt war eine Videoserie, in der wir Interviews mit Neuköllner Juden und Jüdinnen gedreht haben. Wir hatten ihnen die Frage gestellt, was sie von der Aussage halten, dass Neukölln eine "No-go-Area für Juden" sei? Auf unserem You-Tube Kanal haben wir mehrere Einzelinterviews und ein "Best Of" veröffentlicht.  In einer zweiten Phase haben wir Interviews mit Neuköllner/-innen und ex-Neuköllner Muslimen und Muslimas gemacht, und ihnen ähnliche Fragen gestellt. Die interessantesten Antworten kamen auf die Frage, wie sie sich fühlen, wenn andere Menschen ganze Bezirke ihretwegen für "No-go-Areas" erklären. 
Den You-Tube Kanal der Salaam-Schalom Initiative finden Sie Interner Linkhier.

3. Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Projekte?

Vor allem von den Aktiven und Mitgliedern in unserer Initiative – wir sind sehr bunt, mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und mit sehr breitgefächerten Erfahrungen – das bringt Kreativität und viele Ideen.

4. Mit welchen Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Religion kooperieren Sie dabei?

Wir arbeiten mit lokalen Vereinen und Initiativen zusammen. Dies sind allerdings keine offiziellen Kooperationen, sondern funktionieren meist "nur" auf persönlicher Ebene.
Ab September starten wir ein Projekt, eine Sportgruppe um genauer zu sein, in Koopration mit MORUS 14, einem lokalen Verein im Rollbergkiez in Neukölln, der ein Gemeindehaus unterhält. Voraussichtlich werden wir ab Winter 2014/2015 ein weiteres Projekt mit ihnen initiieren. Außerdem arbeiten wir eng mit den Menschen aus der Sehitlik Moschee zusammen.
Im Juli 2014 haben wir für einen Flashmob, also einer spontanen politisch-motivierten Aktion, gegen die Hetze in den Medien mit einem palästinensischen Verein in Berlin kooperiert.

5. Welche weiteren Aktionen und Veranstaltungen haben Sie für die Zukunft geplant?

Wir planen zurzeit eine Posterkampagne gegen Antimuslimismus. Um diese auch wirklich finanzieren zu können, haben wir vor kurzem ein SoliParty organisiert, deren Einkommen wir für die Plakate verwenden. Außerdem möchten wir noch in diesem Jahr ein Handbuch für Neuzuwanderer in verschiedenen Sprachen veröffentlichen. Einige Texte sind schon übersetzt, aber wir suchen noch weitere Freiwillige, die bei der Übersetzung helfen können.

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