20.07.2010

Newsletter Juni 2010

Der Newsletter des Bündnisses für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT)erscheint einmal monatlich und informiert über die Aktivitäten des BfDT und der unter dem Dach des Bündnisses versammelten zivilgesellschaftlichen Gruppen.

Die vollständigen Artikel finden Sie als Druckversion in der Anlage.

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Inhaltsverzeichnis


BfDT in eigener Sache
- Onlineumfrage 2010: Die Ergebnisse sind da! – Was ergaben unsere Fragen an Sie?



BfDT Aktuelles:
- Jugendkongress 2010
„Wir werden diese Tage im Herzen behalten!“

- „Ich wollte nie ein Held sein“
Interview mit dem Botschafter für Demokratie und Toleranz Gerald Eggert

- Botschafterfilmportraits jetzt online!

- Startschuss in Berlin am 14. Juni 2010
Internationales Jugendcamp Frankenberg „Gemeinsam STARK für Toleranz und Demokratie“

- Brandenburg Nazifrei!
Wie engagierte Bürger etwas gegen rechte Aufmärsche unternehmen

BfDT Vorschau:
- Abschlussveranstaltung zur Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ am 1. Juli 2010 in der BfDT-Geschäftsstelle


BfDT Rückblick:

- „Wir sitzen alle in einem Boot“
Über 150 Teilnehmer setzten am 13. Juni 2010 in Hannover ein Zeichen für mehr Toleranz

- Mitgliederversammlung der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg am 4. Juni 2010 in Bamberg

- „Tag der Toleranz“ am Schulzentrum Neustadt am 2. Juni 2010 in Bremen

BfDT Mitglieder berichten
- Projekt DutzendRot – Eine Biographie für Käte Strobel

- Begegnungswoche des Fürstenberger Fördervereins Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V.



BfDT In eigener Sache


Onlineumfrage 2010: Die Ergebnisse sind da! – Was ergaben unsere Fragen an Sie?

Liebe Leserinnen und Leser des Newsletters,

vor knapp einem Monat waren Sie gefragt: Mit unserem Newsletter kündigten wir unsere Online-Umfrage an. Zwölf Fragen standen zur Beantwortung und knapp 400 von Ihnen nahmen an unserer Umfrage teil. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Zunächst ein kleiner Rückblick: Warum starteten wir diese Umfrage?
Vor allem wollten wir Ihre Ansichten erfragen, Ihre Meinung zu unserer Arbeit hören, aber auch etwas darüber erfahren, was für Sie in Zukunft wichtig ist und wie Sie Ihre Pläne mit uns umsetzen möchten. Besonders die Fragen zu unserer Arbeitsweise, unseren Aufgabengebieten und Ihren Themenpräferenzen waren dabei für uns von Bedeutung.

Die rege Teilnahme an der Umfrage war für uns sehr erfreulich. Die bei Umfragen übliche Quote von 10 Prozent Rücklauf wurde deutlich übertroffen und zeugt auch vom Interesse, den Einsatz für eine starke Zivilgesellschaft noch zu erhöhen. Damit erfüllt sich unser Ziel, einen ersten Eindruck und Überblick über die Ihnen wichtigen Themen zu erhalten. Die Ergebnisse ermöglichen uns eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Voraussetzungen und Wünschen, die unsere Partner und Freunde mitbringen. Den Dialog mit Ihnen werden wir dabei weiterführen und noch ausweiten. Dialog war dann auch eines der Schlüsselwörter unserer Umfrage. Nach dem Rückblick verschaffen wir Ihnen nun einen Überblick über das Gefragte und die Ergebnisse.

Viel Zustimmung, aber auch viele neue Ideen und Anregungen


Zunächst wollten wir wissen, seit wann Sie unsere Arbeit kennen bzw. durch welche Kanäle Sie vom Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) erfuhren. Ein Großteil der Umfrageteilnehmenden kennt das Bündnis bereits seit mehreren Jahren, genau die Hälfte davon seit der thematischen und inhaltlichen Weiterentwicklung im Jahr 2007. Die meisten lernten die Arbeit des BfDT durch ihr eigenes Tätigkeitsumfeld kennen, also zum Beispiel durch ehrenamtliche Arbeit, aber auch die Hauptamtlichen finden immer wieder Berührungspunkte zu unseren Aufgabenbereichen.

Im zweiten Abschnitt unserer Umfrage wollten wir wissen, wie Sie unsere Arbeit bewerten: ob Sie zufrieden sind mit unserer generellen Erreichbarkeit, ob sich für Sie die Zusammenarbeit zufriedenstellend entwickelt oder in welchem Maße wir unsere zentralen Aufgaben aus Ihrer Sicht erfüllen. Auch hier konnten wir uns über die überwiegend sehr positiven Ergebnisse freuen. Über 80 Prozent antworteten bei der Frage nach der Erreichbarkeit mit „sehr gut“ bzw. „gut“, 62% bewerteten die Zusammenarbeit mit „gut“ bis „sehr gut“. Ein schönes Ergebnis – denn in der Praxis ist es oft entscheidend wie erreichbar wir für Sie und ihre Anliegen sind.

Ein Großteil der Befragten hat bereits an unseren Veranstaltungen teilgenommen. Daher war uns die Frage wichtig, welchen Gewinn Sie aus unseren Formaten für sich ziehen können. Dass fast ebenso viele (61%) mit „in hohem Maße hilfreich“ antworteten, kann uns natürlich nur freuen. Immerhin knapp 20% antworteten sogar mit „in sehr hohem Maße“. Auch dieses Thema ist im Kontext zu sehen, denn es berührt unsere wesentlichen Aufgaben als Ansprechpartner und Impulsgeber sowie in der Vernetzungs- und Unterstützungsleistung.

Die Umfrage hat gezeigt, wie wichtig Ihnen gerade der letzte Punkt ist. Das Wissen aus unserer Arbeit, aber auch die vielfältigen Kontakte und Möglichkeiten der Vermittlung durch das BfDT sollen deshalb auch in Zukunft Ihren Projekte und Aktivitäten zugute kommen. Die Vernetzungs- und Koordinierungsarbeit des BfDT bewerteten die Teilnehmenden an der Umfrage dabei im übrigen mit 86% als „hilfreich“ bzw. „sehr hilfreich“ und knapp zwei Drittel bestätigen die Wahrnehmung unserer Aufgaben als Ansprechpartner und Impulsgeber mit einem positiven Votum.

Mittler zwischen Politik und Zivilgesellschaft und Plattform

Diese Umfrageergebnisse zeigen uns nicht nur wie Sie unsere Arbeit bewerten, sie erlauben uns auch einen Ausblick, den wir mit den letzten Fragen unserer Online-Umfrage auch konkret von Ihnen erbaten. Insgesamt waren die Antworten bei der Frage, in welchen BfDT-Themenbereichen wir Sie auch in Zukunft verstärkt unterstützen sollen, sehr ausgewogen verteilt. Deutliche Priorisierungen gab es bei der Frage nach den Schwerpunkten unserer Arbeit.

Hier wurden konkrete Wünsche sichtbar: Zum einen wünschen sich die Teilnehmenden von uns erweiterte Aktivitäten im Bereich der Öffentlichmachung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten. Hier können wir bereits jetzt für die zweite Halbjahreshälfte konkrete Maßnahmen ankündigen. Zum anderen sehen die Teilnehmenden an der Umfrage das BfDT verstärkt als Mittler zwischen der Zivilgesellschaft und der Politik. Diesen konkret geäußerten Wunsch nehmen wir für unsere weitere Arbeit gerne auf.

Auch bei der Frage nach einem thematischen Blick in die Zukunft erhielten wir von Ihnen zahlreiche Ideen. Deutliche Schwerpunkte ergaben sich hierbei im Bereich der Aufklärung und Unterstützung in der Wissensvermittlung – auch im Dialog der Generationen – sowie im Bereich des Extremismus und hier insbesondere des Rechtsextremismus. Darüber hinaus waren den Antwortenden auch die Themen Integration, Rassismus sowie Homophobie und Islamfeindlichkeit wichtig.

Im Dialog bleiben


Ziel unserer Umfrage war es, aus Ihren Ansichten und Ideen Impulse und Anregungen für unsere Arbeit mitzunehmen, denn wir können nur erfolgreich arbeiten, wenn wir uns an den Bedürfnissen der Zivilgesellschaft orientieren. Dass wir dieses Ziel ernst nehmen, wollten wir mit unserer abschließenden Frage nach einem speziellen Rück- und Ausblick auf die gemeinsame Zusammenarbeit mit dem BfDT verdeutlichen. Ihre Zustimmung zu einem solchen Dialog in Zukunft von 71% nehmen wir mit Freude zur Kenntnis und möchten Sie unabhängig davon auch weiterhin ermutigen unsere Leistungen und Möglichkeiten für Ihre Arbeit vor Ort zu nutzen.



BfDT Aktuelles


Jugendkongress 2010
„Wir werden diese Tage im Herzen behalten!“
Der Jugendkongress 2010 des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) ist erfolgreich zu Ende gegangen! Vom 20. bis zum 24. Mai hat das BfDT über 420 Jugendliche nach Berlin eingeladen, um sich gemeinsam mit Demokratie und Toleranz in all ihren Facetten auseinanderzusetzen und gleichzeitig den zehnten Geburtstag des BfDT zu feiern. Unter dem diesjährigen Motto „Demokratie und Toleranz - Zukunft mitgestalten!“ hatten die Jugendlichen Gelegenheit, an vielfältigen Workshops und Außenforen teilzunehmen. Den Höhepunkt stellte wie jedes Jahr der Festakt zur Feier des Tages des Grundgesetzes am 23. Mai dar, bei dem das BfDT die Botschafter für Demokratie und Toleranz auszeichnete. Auf einer Nachlese-Seite informiert das BfDT umfassend über die Tage rund um den 23. Mai!

Schon die Einführungsveranstaltung am 20. Mai konnte die Jugendlichen begeistern. BfDT-Geschäftsführer Dr. Gregor Rosenthal und die stellvertretende Leiterin der BfDT-Geschäftsstelle Kim Hartmann richteten in ihrer Begrüßung nicht nur informative, sondern auch motivierende Worte an die Teilnehmer. Unter Anleitung von Moderator Markus Gummersbach beteiligten sich die Jugendlichen an verschiedenen Spielen und Aktionen, um sich auch außerhalb ihrer Gruppen besser kennenzulernen. Hier wurde der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit gelegt. Denn für die kommenden zwei Tage hieß es für die Jugendlichen, den Markt der Möglichkeiten zu besuchen und an den zahlreichen Außenforen und Workshops teilzunehmen. Das BfDT hatte neben den inhaltlichen Angeboten auch Workshops im Programm, die den Schwerpunkt auf die Verbindung von Inhalt und Methodik legten. Über den regen Zulauf und die vielen positiven Rückmeldungen zu den Kreativ-Workshops wie Rhetoriktraining, Theater-Workshop und Projektmanagement hat sich das BfDT sehr gefreut.

Doch nicht nur die inhaltliche Arbeit im Berlin Congress Center (bcc) stand für die Jugendlichen auf dem Programm. Sie nahmen außerdem an Außenforen teil, die immer ein ganz besonderes Erlebnis sind. In den Außenforen besuchten die Jugendlichen historische und authentische Orte, um sich dort mit verschiedenen Themen zu befassen. Sie erlebten zum Beispiel ein Stück jüdischen Alltags und Geschichte im Centrum Judaicum, das echte Kreuzberg fernab von Klischees beim X-Berg-Tag und muslimische Kultur aus erster Hand beim Besuch der Şehitlik-Moschee. In die deutsche Vergangenheit führte sie die „Topographie des Terrors“ – Dokumentationszentrum und „Ort der Täter“.

Eine Gruppe hatte die besondere Aufgabe, den Jugendkongress zu dokumentieren. Die Jugendlichen des Medienprojekts Wuppertal begleiteten die verschiedenen Veranstaltungen des Jugendkongresses mit der Kamera. Ihr Fokus: der zehnte Geburtstag des BfDT! Sie sammelten Gratulationen, Wünsche und Kritik und machten daraus einen Film, der beim Abschlussplenum mit allen Kongressteilnehmern gezeigt wurde. In einer offenen Diskussionsrunde, an der auch Dr. Gregor Rosenthal und Kim Hartmann teilnahmen, wurde er ausgewertet. Gelobt wurden das vielfältige inhaltliche Angebot, die gute Organisation und die Gelegenheit, Jugendliche aus der ganzen Welt kennenzulernen. Die Wünsche betrafen vor allem eine Ausweitung der Aktivitäten. „In diesem Jahr war uns bei der Einladung der 420 Jugendlichen besonders wichtig, dass auch viele Teilnehmer, die bislang noch nicht zivilgesellschaftlich aktiv sind, mit von der Partie waren“, sagte BfDT-Geschäftsführer Rosenthal. Denn der Jugendkongress ist zwar auch eine Belohnung für bereits Aktive, möchte sich aber noch stärker der Vernetzung widmen und Impulse – gerade bei noch nicht so aktiven Jugendlichen – für zivilgesellschaftliches Engagement liefern.

Der Höhepunkt des Jugendkongresses war schließlich der 23. Mai, der Tag des Grundgesetzes. Direkt vom Ökumenischen Gottesdienst ging es für die Jugendlichen zum Festakt im Haus der Kulturen der Welt, wo das BfDT die Botschafter für Demokratie und Toleranz 2010 ernannte. In diesem Jahr konnten sich Zeitzeuge Franz Rosenbach, Heiko Lietz, der Berliner Lichtjugend e.V., AWO-Tagesgruppenleiter Thomas von Glahn und die Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus „Zossen zeigt Gesicht“ über die Ehrung freuen. Überreicht wurden die Urkunden an die Botschafter für Demokratie und Toleranz von den BfDT-Beiratsmitgliedern Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Roland Eckert, Prof. Wolfgang Benz, Uta Leichsenring und BfDT-Geschäftsführer Dr. Gregor Rosenthal. Neben den Teilnehmern des Jugendkongresses waren auch viele Freunde und Partner des BfDT erschienen, um den zehnten Geburtstag feierlich zu begehen. Besonders erfreut war das BfDT über die ehemaligen Botschafter der letzten zehn Jahre, wie Hans Bonkas und Isaac Behar, die ebenfalls den Weg nach Berlin gefunden hatten. Untermalt von den Auftritten der Soulsängerin Joy Denalane und des Improvisationstheaters „Steife Brise“ endete das festliche Programm, durch das Moderatorin Özlem Sarikaya (Bayrischer Rundfunk) das Publikum geführt hatte. Vorüber war der Jugendkongress aber noch nicht – erst ging es noch zur Abschlussparty in der Kalkscheune. Dort wartete neben einem umfangreichen Buffet der Deutsche Meister im Beatboxen Mando auf die Jugendlichen. „Wir werden diese Tage im Herzen behalten!“ verabschiedete sich Kongressteilnehmerin Noemi von der Akademie Klausenberg am Ende des Abends.

Das BfDT hat den Jugendkongress mit aktuellen Berichten und Reportagen begleitet. Sie sind jetzt auf unserer Nachlese-Seite zu finden, ebenso wie das Online-Gästebuch, Bildergalerien und weitere spannende Hintergrundinformationen.







„Ich wollte nie ein Held sein“
Interview mit dem Botschafter für Demokratie und Toleranz Gerald Eggert
Der Journalist Gerald Eggert befindet sich in bester Gesellschaft: Er ist Botschafter für Demokratie und Toleranz, wie zahlreiche andere Engagierte. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) verleiht die Auszeichnung jedes Jahr, um besondere Menschen und herausragende Leistungen zu ehren. 2005 war es Eggert, der mit seiner Zivilcourage Schlagzeilen machte. Im Interview spricht er darüber, wie er zum Botschafter wurde und wie sich sein Leben danach veränderte.

Herr Eggert, Sie wurden 2006 als Botschafter für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet. Aus welchem Grund haben Sie den Titel erhalten?

Am Himmelfahrtstag 2005 kam ich mit Freunden auf dem Halberstädter Bahnhof an und bemerkte beim Verlassen des Gebäudes etwa acht bis zehn Personen, die ich vom Outfit her eindeutig der rechten Szene zuordnen konnte. Sie schlugen auf einen Polizisten in Uniform ein, auch nachdem er längst zu Boden gegangen war. In einiger Entfernung nahm ich einen Schutz suchenden Afrikaner wahr, auf der Wiese gegenüber schrie jemand laut „Hilft denn keiner!“. An der Straßenbahnhaltestelle stand ungefähr ein Dutzend Erwachsener. Niemand reagierte. Die Täter ließen plötzlich von ihrem Opfer ab und zogen ohne Eile davon. Ich fotografierte sie, sie wurden aufmerksam und forderten die Kamera. Als ich mich weigerte, wurde ich von mehreren angegriffen und verletzt. Erst ein Einsatzkommando der Polizei machte dem Treiben ein Ende. Meine Fotos trugen zur Identifizierung von drei Tätern bei, die später verurteilt wurden.

Was war es für ein Gefühl beim Festakt zum Tag des Grundgesetzes für Ihren persönlichen Einsatz und Zivilcourage ausgezeichnet zu werden?


Ich wollte nie ein Held sein, fühle mich auch nicht als solcher, weil ich etwas getan habe, was ich tun musste. Mein Handeln schien mir nie außergewöhnlich. Doch immer wieder wurde ich eines anderen belehrt. Als der Gerichtsprozess durch die Medien ging, sprachen mir viele Bekannte und Unbekannte Anerkennung aus. Selbst vor der Auszeichnung im Gespräch mit anderen Geehrten wurde mir bescheinigt, dass ich etwas getan habe, was nur wenige tun. Deshalb erfüllte es mich schon mit Stolz, als Dr. Wolfgang Schäuble dem Bundespolizisten Dennis Bohnstedt und mir den Titel „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ verlieh. Die Veranstaltung insgesamt hat mich sehr bewegt, vor allem, als die Ausgezeichneten und deren Engagement in kurzen Filmen vorgestellt wurden. Da hatte ich das gute Gefühl, dass ich zu ihnen gehöre.

Hat sich danach Ihre Arbeit verändert? Wie hat Ihr Umfeld auf die Auszeichnung reagiert?


Die Nachricht von unserer Auszeichnung war aufgrund zahlreicher TV-Interviews noch am selben Abend nicht nur in Halberstadt angekommen. Als wir wieder zu Hause eintrafen, wurden wir von vielen Bürgern angesprochen, die uns wegen der Zivilcourage Anerkennung zollten. Der Landrat empfing uns, es folgten Begegnungen im Landtag und mit dem Landtagspräsidenten.

Den größten Teil meines Preisgeldes habe ich übrigens der Mobilen Opferberatung gespendet, denn von dort bekam ich sehr viel Unterstützung in einer für mich sehr schwierigen Zeit - nach der Tat und während der folgenden Prozesse. Der brutale Überfall am Himmelfahrtstag und unsere Auszeichnung sind vielen im Gedächtnis geblieben. Im vergangenen Jahr bat man mich, für die Grundschule „Miriam Lundner“ Pate zu werden, als sie den Titel „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ bekam. Ich engagiere mich seit der Auszeichnung auch im Bürgerbündnis für ein gewaltfreies Halberstadt. Gegen Gewalt jeglicher Art, vor allem gegen die zunehmende rechte Gewalt, und die Verbreitung rechten Gedankengutes hatte ich schon immer etwas, im Bündnis gehen wir gemeinsam dagegen an. Mit Erfolg.

Was macht die Auszeichnung zum Botschafter für Demokratie und Toleranz sinnvoll?


Was sollte ein Botschafter leisten? Ein Botschafter sollte andere Menschen gewinnen für all das, was unser Leben reicher, bunter, schöner und lebenswerter macht und zu einem konstruktiven, friedvollen Miteinander beiträgt. Die Auszeichnung macht sehr viel Sinn. Erstens würdigt sie ehrenamtliches Engagement oder wie in unserem Fall Zivilcourage. Denn das ist nicht selbstverständlich, wie die Erfahrungen im Alltag zeigen. Zweitens wird dieser Einsatz öffentlich gemacht und ein Denkprozess in Gang gesetzt. Allerdings vermisse ich bei einigen Politikern, die von den Bürgern Zivilcourage fordern, die Unterstützung für jene, die sich in unserem Land für Demokratie, Menschlichkeit und das friedliche Zusammenleben einsetzen.

Sie waren zusammen mit vielen anderen Botschaftern in diesem Jahr zum zehnten Geburtstag des Bündnisses beim Festakt zur Feier des Tages des Grundgesetzes am 23. Mai. Wie war es, diesmal auf der anderen Seite der Bühne zu sitzen?


Die Einladung zum zehnjährigen Bestehen des Bündnisses habe ich als eine erneute Ehrung empfunden. Während der Verleihung der Botschaftertitel erinnerte ich mich an das Jahr 2006, als uns Dr. Wolfgang Schäuble die Urkunde überreichte. Das war ein sehr bewegender Moment. Auch wenn ich diesmal nicht im Scheinwerferlicht, sondern nicht ohne Stolz inmitten anderer Botschafter im Publikum saß, hat mich das Geschehen auf der Bühne genauso gefangen genommen wie damals. Insbesondere die Filmporträts und die Antworten der Interviewten haben mich beeindruckt und noch einmal bestätigt, dass die Vergabe dieser Botschaftertitel richtig und wichtig ist.

Was erwarten Sie vom Bündnis für Demokratie und Toleranz, um die Botschafter zu unterstützen?

Das Bündnis ist eine sehr gute Einrichtung. Es sollte seinen Grundsätzen und Zielen treu bleiben: zentraler Ansprechpartner und Impulsgeber der Zivilgesellschaft sein, Engagement sammeln, bündeln, vernetzen und öffentlich machen. Insbesondere sollte es all jenen den Rücken stärken, die sich für unsere Gesellschaft einsetzen. Dabei verweise ich noch einmal auf die große Verantwortung von Politik, Justiz und Polizei. Zum Beispiel bezeichnete der Amtsrichter in unserem Fall bei der Urteilsverkündung in erster Instanz am Amtsgericht Halberstadt den Angriff durch mehrfach vorbestrafte Neonazis als „ganz normale Herrentagsschlägerei“. Erst in zweiter Instanz erkannte das Landgericht Magdeburg einen rassistischen Hintergrund. Wir brauchen starke Strukturen für einen erfolgreichen Kampf gegen die Nazis und einen Schutz für die Gewaltopfer. Dem entgegen spricht, wenn sich einzelne Abgeordnete verweigern, mit anderen Flagge zu zeigen oder Polizeibeamte auf dem rechten Auge blind zu sein scheinen. So wird es nichts mit dem „Hingucken“ und dem „Einmischen“. Das darf nicht sein!






Botschafterfilmportraits jetzt online!
Am 23. Mai 2010 ehrte das von der Bundesregierung gegründete Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) Personen und Initiativen, die im besonderen Maße gesellschaftliches Engagement und Zivilcourage verkörpern, als „Botschafter für Demokratie und Toleranz“. Die fünf diesjährigen Botschafter nahmen ihren Preis beim Festakt zur Feier des Tages des Grundgesetztes im Haus der Kulturen der Welt entgegen. Der Festakt bildete gleichzeitig den Höhepunkt des Jugendkongresses 2010 unter dem Motto: „Demokratie und Toleranz – Zukunft mitgestalten!“, mit dem das Bündnis für Demokratie und Toleranz jährlich um den 23. Mai über 400 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin zusammenbringt. Auf dieser Seite finden Sie ausführliche Informationen zu den diesjährigen Botschaftern und die persönlichen Filmportraits, die während des Festakts gezeigt wurden.








Startschuss in Berlin am 14. Juni 2010
Internationales Jugendcamp Frankenberg „Gemeinsam STARK für Toleranz und Demokratie“
Viele Stunden Fahrt und kein bisschen müde: Die Teilnehmer beim Internationalen Jugendcamp Frankenberg sind heute angekommen! Nach Ankunft und Frühstück im Jugendcamp in Frankenberg am Morgen ging es gleich weiter in die Geschäftstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) in Berlin. Die Räume des BfDT, das gemeinsam mit den Muldentaler Jugendhäusern, der Stadt Frankenberg und weiteren Partnern die internationale Begegnung veranstaltet, sind die erste Station einer erlebnisreichen Woche für etwa 100 Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren aus Deutschland, Tschechien und Ungarn.

Den über 30 Teilnehmern aus den europäischen Nachbarländern wurde in diesem Jahr erstmals die Gelegenheit geboten, während ihres Aufenthalts auch die Hauptstadt kennenzulernen. Der Besuch der BfDT-Geschäftstelle bildete dabei den Auftakt des umfangreichen Programms, das die Veranstalter für die Woche des Jugendcamps ausgearbeitet haben. In der BfDT-Geschäftsstelle begaben sich die tschechischen und ungarischen Jugendlichen auf die Spuren jüdischen Fußballs in Deutschland, denn zurzeit gastiert dort noch die Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“. In zwei Gruppen folgten die Teilnehmer aufmerksam und interessiert den Erklärungen zur Ausstellung – natürlich ist auch für sie Fußball gerade ein topaktuelles Thema. In einem zweiten Teil stellten Kim Hartmann, die stellvertretende Leiterin der BfDT-Geschäftstelle und Markus Priesterath, der stellvertretender Geschäftsführer des BfDT, die verschiedenen Ansätze und Aktivitäten des BfDT vor. Besonders die Bereiche interkulturelle Verständigung und Gewaltprävention stießen unter den Teilnehmern auf großes Interesse. Die BfDT-Mitarbeiter legten besonderen Wert darauf, die Themen jugendrelevant und mit vielen Beispielen zu präsentieren. „Bei unserem Jugendkongress wollen wir gemeinsam mit den Jugendlichen schauen: Wie ist es woanders, wie finde ich das, wie kann ich das besser verstehen?“, erklärte Kim Hartmann. „Das werden die Fragen sein, die auch euch beim Jugendcamp begegnen werden.“ Die Jugendlichen wurden von Lehrern, Betreuern und Dolmetschern begleitet, die übersetzten und so dafür sorgten, dass alle an der Diskussion teilnehmen konnten. Livia Dana, die Dolmetscherin der ungarischen Gruppe aus Nagyhajmas bemerkte: „Danke für diesen freundlichen Empfang, das war eine gute Einstimmung!“ Denn die bräuchten auch die Jugendlichen. „Einige sind etwas aufgeregt, viele von ihnen waren noch nie im Ausland!“ Sehr gerne würden sie im Gegenzug auch einmal deutsche Schüler in ihrem Heimatort begrüßen.

Zum Abschluss fanden sich alle bei einem kleinen Imbiss zusammen, bei dem sich die verschiedenen Gruppen besser kennenlernen und erste Kontakte für die kommenden Tage knüpfen konnten. Denn nach dem Aufenthalt in Berlin mit Stadtrundfahrt und Besuch des Bundestags geht es für die Jugendlichen am Mittwochmorgen zurück nach Frankenberg und von dort ins nahe Lauenhain, wo sie zusammen mit den deutschen Jugendlichen ein Zeltlager beziehen werden. Auch Kim Hartmann, die stellvertretende Leiterin der BfDT-Gechäftsstelle, wird nach Frankenberg reisen, um die Jugendlichen gemeinsam mit Landrat Volker Uhlig und Bürgermeister Thomas Firmenich zur zweiten Etappe des Camps willkommen zu heißen. Das Zeltlager wird bis Sonntag ihre Basis sein, von der aus unter dem Motto „Gemeinsam STARK für Toleranz und Demokratie“ viele weitere Aktionen starten werden. Ziel der Veranstalter war es, eine gute Mischung aus einem anspruchsvollen pädagogisch-politischen Programm und sportlich-spielerischen Freizeitaktivitäten zu finden.

Auf dem Plan stehen ein Natur- und Sporttag mit Paddeltour, Klettern und Lagerfeuer und ein Tag in Dresden mit dem Besuch des Landtages und der SPIESSER-Redaktion. Am Samstag werden dann die Jugendlichen selbst politisch aktiv: Die Veranstalter haben Workshops vorbereitet, in denen die Jugendlichen Themen wie „Tolerantes Miteinander“, „Peergroups“ und „Neue Nazis“ erarbeiten. Gerade die gemeinsame inhaltliche Auseinandersetzung soll die jungen Menschen für Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit ihren Mitreisenden sensibilisieren und so das gegenseitige Verständnis fördern. Am letzten Tag findet dann eine „Miniweltmeisterschaft“ in Volley- und Fußball statt, bei der die Teilnehmer beweisen können, wie gut sie sich während des Jugendcamps kennen- und verstehen gelernt haben: Mit Teamgeist und Fairness, die sie sicher auch mit nach Hause tragen werden.







Brandenburg Nazifrei!
Wie engagierte Bürger etwas gegen rechte Aufmärsche unternehmen
Brandenburg wird längst nicht mehr nur als großes Bundesland rund um Berlin wahrgenommen. Die landschaftliche Schönheit und der Reiz der vielen kleinen und größeren Städte sind weithin bekannt. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz engagiert sich seit seiner Gründung in Brandenburg und zeichnete erst kürzlich die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ als Botschafter für Demokratie und Toleranz aus. In diesen Tagen jedoch müssen sich Städte wie Eberswalde, Bernau oder Bad Freienwalde mit einem ganz konkreten Problem von Rechts auseinandersetzen.

„KMOB“ nennen sie sich in der Kurzform, ausgeschrieben steht KMOB für die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“. Die so genannten Freien Kameradschaften sind als rechtsradikale Gruppierungen einzustufen, die nicht direkt an Parteien oder Vereine angegliedert sind. Zunehmend werden jedoch Verbindungen z.B. zwischen der NPD und den Kameradschaften beobachtet, insbesondere dann, wenn es darum geht in großer Zahl öffentlichkeitswirksam zu marschieren. Um von der KMOB angekündigte Demonstrationen geht es auch in Brandenburg. Gegen diese stellt sich seit Anfang Mai ein breites Bündnis aus vielen engagierten Einzelpersonen Brandenburgs und Berlins, Verbänden wie dem DGB oder der Sportjugend, Universitäten und Fachhochschulen sowie Parteien. Der Zuspruch ist enorm und eine besondere Motivation für die Organisatoren hinter Brandenburg Nazifrei!, wie Dennis Stefan, Pressesprecher des Bündnisses betont: „Die Zusammenarbeit und Solidarität aller Beteiligten ist die Grundlage für unseren Erfolg. Mittlerweile können wir auch den Finanzminister und den Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg sowie die Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zu unseren Unterstützern zählen.“

Konkret wurden bereits in Eberswalde und Bernau Gegenveranstaltungen durchgeführt. In Bernau kamen dazu über 500 Menschen zusammen. „Die Situation vor Ort war sehr angespannt“, so Stefan, „niemand wusste wie sich die Rechtsradikalen verhalten würden.“ Gefragt, wie diese in der Region auftreten und ob sie gefährlich seien, antwortet Stefan: „Sie haben den Anspruch in den Brandenburger Landkreisen Märkisch-Oderland und Barnim aktiv zu sein, aber davon sind sie weit entfernt. Der Großteil ihrer Aktivitäten beschränkt sich auf Bad Freienwalde, Wriezen und Eberswalde.“ Dennoch seien sie keinesfalls zu unterschätzen. „Sie hetzen gegen Linke und Ausländer sowie gegen unsere Demokratie. Sie kündigen mit unmissverständlichen Worten an, dass sie diese lieber tot sähen.“

Ende Mai reisten in Bernau knapp 100 Mitglieder der Kameradschaft an. Doch sie kamen nicht weit, denn schon im Vorfeld rief das Bündnis Brandenburg Nazifrei! zu nicht-eskalative Menschenblockaden auf. Unterstützt wurden sie dabei vom Aktionsbündnis Brandenburg, das ebenfalls eine Kundgebung in Bernau anmeldete. Damit griffen die Organisatoren eine Form des demokratischen Protests auf, die bereits in Dresden mit viel Erfolg durchgesetzt werden konnte. Auf ihrer Internetseite schreiben sie dann auch, dass alle Engagierten und Unterstützer der „Konsens von Dresden“ eint, also das Ziel ein breites Bündnis zu schmieden und in jedem Fall seine Überzeugungen ohne Gewalt durchzusetzen.

Dieses Ziel wurde in Bernau erreicht. Nach gut einer Stunde mussten die rechtsradikalen Aktivisten ihr Vorhaben aufgeben. Jubel brach aus und viele blieben noch, um gemeinsam zu feiern und zu tanzen. Auch am 5. Juni schafften es die Menschen hinter Brandenburg Nazifrei! den für Eberswalde angekündigten Aufmarsch der Rechten zu verhindern. Diese sagten ihr Kommen bei der Stadtverwaltung ab. Die Idee, dass verschiedene Menschen gemeinsam friedlich und ausgelassen gegen Rechts agieren können und damit ein Stück wehrhafte Demokratie repräsentieren, scheint aufzugehen.

Mehr Infos unter www.brandenburg-nazifrei.de.


BfDT Vorschau


Abschlussveranstaltung zur Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ am 1. Juli 2010 in der BfDT-Geschäftsstelle
Spätestens seit dem grandiosen Auftakt gegen Australien ist Deutschland im WM-Fieber. Doch Namen wie Kurt Landauer, Walther Bensemann und Richard „Little“ Dombi sind heute fast in Vergessenheit geraten, obwohl sie den Fußball in Deutschland groß gemacht haben. In der Geschäftstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) kann man noch bis zum 12. Juli den Menschen hinter den Namen und ihrer Geschichte deutsch-jüdischen Fußballs nachforschen: in der Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“. Bevor die Wanderausstellung des Centrum Judaicum wieder weiterzieht, möchte das BfDT allen Interessierten und Sportfans die Gelegenheit geben, die Fußballstars von einst neu zu entdecken. Deshalb wird es am 1. Juli ab 17 Uhr eine Abschlussveranstaltung in der Geschäftstelle geben, zu der auch verschiedene Fußballexperten und Sachkundige zum Thema jüdisches Leben und Antisemitismus eingeladen sind.

Thomas Hafke ist Leiter des Fan-Projekts Bremen und Diplom-Soziologe. In der offenen Runde am 1. Juli wird er von seinen Erfahrungen in der Vereinsarbeit sprechen, seine Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem Antidiskriminierung und Integration. Auch Harald Klingebiel ist Experte auf seinem Gebiet: Er hat das Buch „Mythos Weser-Stadion. Legendäre Fußballstadien“ verfasst und sich dafür ausgiebig mit der Geschichte des Fußballs und den Biographien jüdischer Fußballspieler in Bremen befasst. Ebenso wie Vernen Liebermann vom TuS Makkabi e.V. wird er bei der Abschlussveranstaltung in der Friedrichstraße dabei sein. Liebermann ist Fachmann für die Themen Sport und Antisemitismus, die das BfDT mit dieser Veranstaltung miteinander verknüpfen möchte, und wird von den positiven wie negativen Erfahrungen im Vereinsalltag des jüdischen Sportclubs berichten.

In lockerer Atmosphäre können die Gäste am Abend in den Räumen des BfDT miteinander ins Gespräch kommen, die eingeladenen Experten werden Rede und Antwort auf alle Fragen stehen. Gleichzeitig soll die Ausstellung den Besuchern dieses Kapitel des Lieblingssports der Deutschen näherbringen und zum Austausch anregen. Das BfDT würde sich sehr freuen, wenn sich viele Interessierte einen Tag vor dem Viertelfinale dazu entschließen, sich auch einmal mit den Ursprüngen und Hintergründen des Fußballs in Deutschland zu beschäftigen. Sicher wird es dabei auch viele Gelegenheiten geben, die aktuelle WM und unsere Mannschaft in Südafrika zu diskutieren, bevor es am nächsten Tag mit den Viertelfinalspielen weitergeht.

Nähere Informationen zum Inhalt der Ausstellung sowie dem Ausstellungsort finden Sie hier.


Kontakt und weitere Informationen
Bündnis für Demokratie und Toleranz
Josephine Steffen
Friedrichstr. 50
10117 Berlin

Tel.: 030/23 63 408 – 18
Fax: 030/23 63 408 - 88
E-Mail: steffen@bfdt.de


BfDT Rückblick


„Wir sitzen alle in einem Boot“
Über 150 Teilnehmer setzten am 13. Juni 2010 in Hannover ein Zeichen für mehr Toleranz
In Hannover ballten sich an diesem Sonntagvormittag die Wolken am Himmel. Mit sorgenvollen Blicken schaute eine Gruppe von sechs vietnamesischen Mädchen gen Wolkendecke. Sie waren in ihren farbigen Kleidern und Rockanzügen gekommen, um den Gästen der fünften Drachenboot-Regatta für mehr Toleranz die traditionellen Tänze und Lieder Vietnams vorzustellen. „Ich brauchte nur einmal kurz zu fragen und sofort baten sie ihre Hilfe und Unterstützung an. Es war toll.“ Mit frohen Augen berichtet Werner Hohlbein von den umfangreichen Vorbereitungen zu diesem Tag für mehr Toleranz und meint damit nicht nur die große Gruppe vietnamesischer Kinder und Eltern, sondern auch die vielen Mexikanerinnen und Mexikaner, die in diesem Jahr das Gastland der Veranstaltung repräsentierten sowie natürlich die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Den Anfang nahm alles mit einem Bootsausflug. Werner Hohlbein, damals noch angestellt bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) und Dr. Hanno Saade, ebenfalls von der HAZ, paddelten auf dem idyllischen Maschsee in Hannover. Sie debattierten ernsthaft über die Vorkommnisse damals vor fünf Jahren. Dänische Karikaturen erregten den Zorn und die Wut religiöser Fanatiker. Die dänische Botschaft in der syrischen Stadt Damaskus wurde gestürmt und zerstört. „Es darf nicht sein, dass Menschen sich wegen des unterschiedlichen Glaubens hassen und bekriegen“, sagten sie sich damals und beschlossen im Kleinen zu beginnen: Mit ihrer Veranstaltung wollten sie ein Zeichen in Hannover und Umgebung setzen.

Das Boot, in dem sie damals saßen, wurde im Folgenden nicht nur zu einer Metapher, sondern auch zu einem ganz praktischen, verbindenden Element. Rund 150 Menschen aus verschiedenen Nationen, mit verschiedenem Glauben steigen heute zusammen in nunmehr fünf Boote und paddeln um den ersten Platz. Dass dieses Konzept aufgeht, beweisen die steigenden Teilnehmerzahlen und unter anderem auch der Dank des Bürgermeisters Bernd Strauch an diesem Vormittag: „Lieber Herr Hohlbein, Ihnen möchte ich meinen Dank aussprechen. Hier paddeln viele Menschen zusammen in eine Richtung und tun das für unsere Jüngsten, denn sie sind unsere Zukunft. Sie müssen Toleranz verstehen und auch in Zukunft leben.“ Rund 530.000 Menschen leben in Hannover, so Strauch, rund 73.000 von ihnen kommen aus dem Ausland. Die größte Gemeinschaft bilden Menschen aus der Türkei. Bernd Strauch spricht in seinem Grußwort auch von einer interessanten Entwicklung: „In jedem Monat erhalten 150 bis 200 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft. Früher blickte ich auf die Listen um zu erfahren woher sie kommen. Ihre Wege waren oft sehr weit und lang, doch heute steht als Geburtsort bei vielen Hannover.“

Nicht nur die Wege nach Deutschland und Hannover veränderten sich, auch die heutigen Lebensgeschichten sind andere. Diese Entwicklung sehen auch Werner Hohlbein und Hanno Saade, die sich engagieren, ohne einen Heller und Pfennig für ihre Arbeit zu bekommen. Gemeinsam wollen sie im nächsten Jahr die Veranstaltung noch bekannter machen und für junge Menschen in der Region öffnen. Der Sport, das gemeinsame Paddeln für den Sieg, wird dabei ein Kernelement der Veranstaltung bleiben, denn: „Der Sport“, so Hohlbein, „hat eine enorm integrative Kraft, die wir nutzen wollen“.

Als beide Organisatoren am Nachmittag ihr Fazit ziehen und betonen, dass „wir alle die Pflicht haben uns für ein gutes Miteinander zu engagieren“, haben die kleinen Mädchen bereits gesungen und getanzt. Ihre Befürchtung, es könnte Regen geben, erfüllt sich glücklicher Weise nicht – am Ende essen die Besucher Erdbeerkuchen bei herrlichem Sonnenschein und sind in Gespräche quer über alle Tische vertieft.






2. Mitgliederversammlung der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg am 4. Juni 2010 in Bamberg
Viele verschiedene Initiativen und Gruppen setzten am 4. Juni 2010 ein weit hörbares und sichtbares Zeichen: Mit einer Menschenkette und dem gleichzeitigen Läuten aller Kirchen haben die Bürger Bambergs gegen den dort veranstalteten NPD-Bundesparteitag demonstriert. Die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg hat an diesem Tag in Bamberg ihr zweites Mitgliedertreffen abgehalten und viele weitere Aktive aus anderen Regionen in die Stadt eingeladen, um gemeinsam gegen rechtsextreme Tendenzen zu protestieren. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) unterstützt die Allianz seit ihrer Gründung Anfang 2009 und war auch diesmal mit dabei.

Der Oberbürgermeister Bambergs Andreas Starke bedauerte zum Auftakt der Mitgliederversammlung persönlich, dass der NPD-Parteitag in der Kongresshalle nicht mit rechtlichen Mitteln verhindert werden konnte. Schon zum zweiten Mal hätte nun die rechte Partei die Gelegenheit, sich dort zu präsentieren und zu versammeln. Umso mehr begrüßte er, dass die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg sich entschlossen hatte, ihre Mitgliederversammlung am selben Tag im Residenzhotel genau gegenüber der Kongresshalle abzuhalten. Das Ziel der Allianz ist es, Städte, Kommunen, Initiativen und Projekte der Region dabei zu unterstützen, sich gegen die Bedrohung aus dem rechtsextremen Umfeld zur Wehr zu setzen und gemeinsam dagegen vorzugehen. In der Allianz gegen Rechts sind 121 Städte und Gemeinden sowie 93 Initiativen und Institutionen, darunter die Kirchen, zusammengeschlossen. Viele waren dem Ruf nach Bamberg gefolgt, wie auch der stellvertretende BfDT-Geschäftsführer Markus Priesterath, der als Gast an der Veranstaltung teilnahm.

Auf der Mitgliederversammlung informierte unter anderem das Organisationsbüro, das bei der Menschenrechtsbeauftragten in Nürnberg angesiedelt ist, darüber, welche Entwicklung die rechtsextremen Aktivitäten in der Region seit der letzten Mitgliederversammlung im September 2009 genommen hatten. Außerdem kamen verschiedene Vertreter aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik zu Wort und berichteten aus ihrer Arbeitspraxis. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Bedürfnisse und Konflikte in den Regionen sind. Während zum Beispiel einige Initiativen über die Schwierigkeit klagten, sich mit den örtlichen Ordnungs- und Verwaltungsämtern zu koordinieren, gelang gerade das in anderen Gegenden besonders gut – Bamberg ist hier ein positives Beispiel. Auch fehlende Handlungsangebote gegen Rechtsextremismus und rassistische Gewalt wurden von manchen regionalen Vertretern angemahnt. Dagegen haben die Brennpunkte Wunsiedel und Gräfenberg mittlerweile eine Bandbreite zivilgesellschaftlichen Engagements gegen Rechtsextremismus und ihre Einwohner zeigen mit viel Enthusiasmus ihre Ablehnung gegen die Vereinnahmung durch rechtsextremistische Vereinigungen. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen machten wiederum deutlich, wie wichtig und notwendig die Allianz ist, um die verschiedenen Akteure zu vernetzen und so auch voneinander zu lernen. Denn gemeinsam können effektive Strategien am besten erarbeitet und erfolgreiche Konzepte übertragen werden. Auch das BfDT nutzte die Gelegenheit, bei der Mitgliederversammlung mit verschiedenen Partnern ins Gespräch zu kommen und Perspektiven für ein gemeinsames Vorgehen ins Auge zu fassen.

Kurz vor 17 Uhr war die Versammlung schließlich beendet, der Protest aber erreichte seinen Höhepunkt. Geschlossen brachen die Teilnehmer zur Menschenkette auf, die als weitere Aktion gegen den Parteitag geplant war. In einem weiten Bogen zog sich die Kette mit 3500 Menschen rund um die Kongresshalle und bildete ein weithin sichtbares Zeichen der Solidarität der Bürger und der Ablehnung jeder Form von Rechtsextremismus. Spontan schlossen sich Passanten an, die von der Idee begeistert waren. Um 17 Uhr schlugen schließlich alle Kirchen Bambergs gleichzeitig die Glocken an. Die nächsten fünf Minuten hielt sich die ganze Innenstadt an den Händen. Auch Markus Priesterath zeigte sich beeindruckt: „Es ist großartig, so etwas in einer Stadt wie Bamberg, die voller religiösen Lebens ist, mitzuerleben. Wir würden uns wirklich freuen, wenn es noch mehr solcher Bündnisse gäbe. Nicht nur in Bayern, sondern überall.“






„Tag der Toleranz“ am Schulzentrum Neustadt am 2. Juni 2010 in Bremen
Der Grundstein für Toleranz, Offenheit und Verständnis gegenüber dem Anderen wird in der Kindheit und Jugend gelegt. Umso wichtiger ist es, dass an Schulen ein tolerantes und weltoffenes Miteinander etabliert und gepflegt wird. Joana Feldmann und Melike Esir, zwei Schülerinnen des Beruflichen Gymnasiums Gesundheit / Soziales am Schulzentrum Neustadt in Bremen haben vorgemacht, wie es geht und im Rahmen eines Abiturprojekts am 2. Juni 2010 einen „Tag der Toleranz“ an ihrer Schule organisiert. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) war vor Ort dabei.

Auch an ihrer Schule, die eine große Vielfalt von Schülern mit Migrationshintergrund aufweist, kam es wegen kultureller Unterschiede schon öfters zu Problemen. Wenn es zu Handgreiflichkeiten komme, höre man im Nachhinein lediglich, dass es einen Streit z.B. zwischen Schülern türkischer und kurdischer Herkunft gegeben habe. Anschließend zögen die Lehrer zwar Konsequenzen, doch offen über die Probleme diskutiert werde nur selten. Warum es an der Schule zu Konflikten komme und wie diese zu lösen wären, werde aufgrund des vollen Lehrplans viel zu selten behandelt, so die beiden engagierten Schülerinnen.

„Wir wollten etwas bewirken“, erklärt Joana Feldmann. Aus diesem Grund haben sie den „Tag der Toleranz“ auf die Beine gestellt. Das BfDT wollte dieses Engagement mit seiner Anwesenheit unterstützen und reiste mit einem eigenen Informationsstand nach Bremen. Denn das BfDT will gerade Eigeninitiative fördern, die immer die beste Möglichkeit ist, die Gesellschaft positiv zu verändern. Neben einem Vortrag der Integrationsexpertin und Juristin Dr. Sabine Uzuner, die zum Organisationsteam der Bremer Integrationswoche „Labskaus“ 2008 und des Bremer Integrationsgipfels 2009 gehörte, gab es im Hof der Schule Stände zivilgesellschaftlicher Organisationen und verschiedene Aktionen zu besichtigen. Die am Stand von amnesty international angeprangerten Menschenrechtsverletzungen im Ausland lehnten alle Schüler vehement ab und unterstützten eifrig Protestaktionen mit ihren Unterschriften. Auch die Arbeit des BfDT wurde sehr positiv aufgenommen. Doch wie sah es mit alltäglicher Toleranz in der Schule im Umgang miteinander und mit dem eigenen Schubladendenken bei den Jugendlichen aus?

In verschiedenen Rollenspielen und bei anschließenden Diskussionen konnten die Schüler eigene Vorurteile aufdecken und Klischees überdenken. Darauf kam es Melike Esir und Joana Feldmann vor allem an: Festgefahrene Einstellungen, Meinungen aber auch Desinteresse gegenüber Diskriminierung und Intoleranz sollten hinterfragt werden. Enttäuscht waren die Organisatorinnen lediglich über das mangelnde Interesse einiger Firmen und potentieller Kooperationspartner im Vorfeld des Projekts. Solange für sie selbst nichts dabei herausspringe, seien viele nicht interessiert gewesen, gemeinnützige Arbeit zu unterstützen, meinten Melike Esir und Joana Feldmann. Deswegen hätten sie den Tag der Toleranz unter das Motto „Toleranz – Eine Maske der Gesellschaft gestellt“, da sich hinter der Maske der Toleranz oft leider auch Desinteresse oder sogar Eigennutz verberge.

Umso mehr freuten sich Joana Feldmann und Melike Esir, dass die Resonanz der Schüler und Organisationen vor Ort durchweg positiv ausfiel. Bei den verschiedenen Aktivitäten wurde lebhaft diskutiert, eigene Vorstellungen wurden neu definiert. „Selbst wenn nach unserem Projekt nur einer die Vorurteile überdenkt, die er vorher hatte, hat es sich schon gelohnt“, bemerkten die beiden Schülerinnen. Den Grundstein dafür haben sie mit ihrem Engagement gelegt.


BfDT Mitglieder berichten


Projekt DutzendRot – Eine Biographie für Käte Strobel
Von Gerda Reuß (Projekt DutzendRot)

Die Idee zum Projekt DutzendRot entstand, als ich feststellte, dass es über die einzige Ehrenbürgerin der Stadt Nürnberg – Käte Strobel – keine Biographie gibt. Ich erzählte zwölf Hauptschülern einer Arbeitsgemeinschaft davon. Sie waren gleich begeistert und äußerten den Wunsch, ein Buch über Käthe Strobel zu schreiben, das vor allem Jugendliche zum Lesen anspornen sollte. Dazu mussten sich die Jugendlichen auf eine Zeitreise begeben, die im Kaiserreich begann – Käthe Strobel lebte von 1907 bis 1996.

Die Jugendlichen besuchten das Geburtshaus Strobels und recherchierten viele Male in verschiedenen Archiven der Stadt Nürnberg, um sich das Leben zu dieser Zeit vorstellen zu können. Sie nahmen Kontakt zur Tochter Käte Strobels auf, interviewten sie wiederholt und bekamen von ihr eine Vielzahl von historischen Dokumenten und Fotos, die sie auswerteten. Nach diesen ausgiebigen Recherchen wurden die Jugendlichen als Ehrengäste zur Feier anlässlich Strobels 100. Geburtstag eingeladen und trafen dort auf viele weitere Zeitzeugen, die sich gerne für Interviews zur Verfügung stellten. Dies waren unter anderem der Oberbürgermeister von Nürnberg Dr. Ulrich Maly, Strobels Großneffe, die ehemalige Familienministerin Renate Schmidt, Adolf Hamburger, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und Willy Prölß, der Alt-Bürgermeister der Stadt Nürnberg. Die Jugendlichen waren richtig stolz mit so vielen Persönlichkeiten zusammenzutreffen. Dadurch wurden sie auch motiviert, noch mehr Termine in ihrer Freizeit und den Schulferien für ihre Arbeit einzuplanen.

Als die Jugendlichen erfuhren, dass im Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn ganze 10,6 Meter Material über Käte Strobel lagern, wollten sie unbedingt dorthin fahren. Da sich aber fast niemand eine Reise nach Bonn leisten konnte, mussten sie sich um die Finanzierung bemühen. Es gelang ihnen, Sponsoren bei der SPD zu finden, die die Reisekosten schließlich übernahmen. In Bonn arbeiteten die jungen Erwachsenen vier Tage lang im Archiv, wo sie Kartons voll mit Fotos und unzählige Dokumente auswerteten. Dabei mussten sie auch immer die Entscheidung treffen, welche Details junge Menschen besonders ansprechen würden und ins Buch übernommen werden sollten. Nach der Rückkehr hatten die Jugendlichen 400 Seiten Material aus Bonn mitgebracht, die bearbeitet werden wollten. Sie wurden immer mutiger und nahmen mit ihrem Anliegen sogar Kontakt zu Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Dr. Hans-Jochen Vogel auf, von denen sie weitere Informationen erhielten. Aus den vielen tausend Puzzleteilchen setzte sich langsam die komplette Lebensgeschichte Käte Strobels zusammen.

Nach zweieinhalb Jahren war das Buch mit 190 Seiten und vielen Fotos fertig. Jetzt mussten sich die Jugendlichen um den Druck kümmern. Sie konnten den Verleger der „Nürnberger Nachrichten“ gewinnen und in einem gemeinsamen Projekt mit den Auszubildenden der Zeitung das Buch zur Druckreife bringen. Als sie beim ersten Andruck dabei sein durften, begriffen sie, was sie geleistet hatten: Zwölf Jugendliche aus acht Nationen hatten gemeinsam durchgehalten und zweieinhalb Jahre lang an der Biographie einer deutschen Politikerin gearbeitet.

Zur öffentlichen Buchpräsentation gelang es ihnen, 140 Personen einzuladen und ihnen in einer sehr emotionalen Rede ihre Arbeit vorzustellen. Hier ein Auszug:

„Uns ist Käte - wie wir sie vertraut nennen - seit drei Jahren sehr ans Herz gewachsen. Wir haben mit ihr ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre erste große Liebe, ihr Erwachsensein, politische Ereignisse, die lustigen, aber auch traurigen Erlebnisse und den Tod miterlebt. Wir beneiden sie für das Durchhaltevermögen, durch das sie nicht nur im privaten, sondern auch im politischen Leben viel erreicht hat.

Wir sind davon fasziniert, wie sie die Familie gemanagt hat und noch dazu sehr erfolgreich im politischen Berufsleben war. Sie hat so viel erreicht, deswegen hat sie uns den Glauben gegeben, dass man auch ohne Abitur und Studium seine Ziele verfolgen kann. Käte war ein ganz besonderer Mensch. Viele wissen leider nicht, wer sie war und wie sehr sie noch immer anwesend ist. Aus diesem Grund schrieben wir dieses Buch um Jugendlichen und natürlich auch Erwachsenen zu zeigen, was diese Nürnbergerin erreicht und geschaffen hat.
Käte ist für uns eine sehr gute Freundin geworden.“

Durch dieses Buch über den Mensch Käte Strobel entwickelten sich die Jugendlichen zu politisch interessierten jungen Menschen. Diejenigen von ihnen mit deutscher Staatsangehörigkeit werden nicht zu der Gruppe der Nichtwähler gehören, die Migranten unter ihnen werden dafür einstehen, ebenfalls das Wahlrecht zu erhalten. Durch ihren Erfolg sahen sie, dass man es auch ohne höhere Schulbildung weit bringen kann – wichtig für das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. Käte Strobel hatte auch Vorbildwirkung zum Thema Gleichberechtigung: Bei den Mädchen wurde sie gefestigt und bei den Jungen neu definiert. Durch die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte reflektierten beide kritisch die politische Situation ihrer Herkunftsländer und wissen nun um den Wert der Demokratie und des Gedankens eines freien, vereinten Europas.







Begegnungswoche des Fürstenberger Fördervereins Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V.
Von Yvonne Nägel (Fürstenberger Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V.)

Der 1994 gegründete Fürstenberger Förderverein- Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück hat sich das Ziel gesetzt, durch konkrete Projekte und persönliche Begegnungen die Beziehungen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Fürstenberg, der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und Gästen aus dem Kreis der Opfer und Überlebenden zu festigen. Mit seinen Tätigkeiten will der Verein einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der neueren Geschichte leisten, die auch unsere Ortsgeschichte geprägt hat.

Seit einigen Jahren lädt unser Förderverein um den Jahrestag der Befreiung eine Gruppe weiblicher ehemaliger Insassen von Ravensbrück aus der Ukraine zu einer Besuchsreise nach Fürstenberg ein. Während dieser Woche konnten die Frauen an den Ort ihrer Leiden zurückkehren und die heutige Gedenkstätte besuchen. Enger Partner bei diesem Projekt ist der Invalidenverein für KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in Simferopol auf der Krim. Seit zwei Jahren hat unser Verein die Begegnungsarbeit auch auf andere Opfergruppen ausgeweitet. In diesem Jahr sind vier Zeitzeugen zur Begegnungswoche des Vereins nach Fürstenberg/Havel gekommen: S. Kljonowa wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und hier nach Arbeitsverweigerung ins KZ Ravensbrück gebracht. E. Poljackowa hatte einen ähnlichen Weg, wurde aber nach kurzer Zeit von Ravensbrück nach Mauthausen gebracht. I. Simse musste 1943 als gerade geborenes Kind das KZ Krasny (Ukraine) miterleben. A. Cibuljajew wurde im selben Jahr als Kind von Zwangsarbeitern in Deutschland geboren. Als Begleitung dieser Gruppe waren drei jüngere Frauen dabei, die Töchter von zwei Ravensbrückerinnen und einer Zwangsarbeiterin, die ebenfalls Zeitzeugen einer wichtigen Generation sind. Durch die vielen Kontakte des Vereins wurde auch in diesem Jahr mit viel Liebe und Engagement eine umfangreiche Woche gestaltet, in der es neben Gesprächsrunden, Begegnungen auch viele Erholungsmomente gab.

Im Rahmen unserer Begegnungswoche gab es je eine Gesprächsrunde in der Fürstenberger Grundschule (5. und 6.Klasse), dem neuen Friedländer Gymnasium sowie dem Fachgymnasium für Wirtschaft und Verwaltung in Neubrandenburg. Gerade bei der gut vorbereiteten Grundschulklasse gab es regen Gesprächsbedarf und viele Fragen. In Friedland wurde diese Begegnung auch genutzt, um dem Russisch-Kurs die Gelegenheit zur Sprachpraxis zu geben. Aber auch in Neubrandenburg waren die Zuhörer sehr engagiert, sodass die Unterrichtsstunde nicht ausreichte um alle Fragen zu stellen und zu beantworten. Da sich in den letzten zwei Jahren abzeichnete, dass es immer schwieriger wird reisefähige Zeitzeugen zu finden, legen wir in unserer Vereinsarbeit viel Wert auf die Einbindung der nächsten Generation. Bei unserer öffentlichen Gesprächsrunde im Forstmuseum, aber auch am Fachgymnasium Neubrandenburg wurden die Erinnerungen der Töchter-Generation ebenfalls als Zeitzeugenberichte in die Diskussion eingebunden. Neben den Zeitzeugen-Gesprächen gab es eine Vielzahl von Begegnungen mit unseren Vereins- und Projektpartnern, die intensiv die Begegnungsstätte Haus Hoffnung auf der Krim unterstützen. So hat es Begegnungen im Frauenzentrum Potsdam, beim Demokratischen Frauenbund in Neubrandenburg, eine Begegnung mit der SPD AG 60plus aus Berlin sowie mit dem Kulturrat der Stadt Neustrelitz gegeben.

Das „Haus Hoffnung“ ist eine Begegnungsstätte und das Zentrum sozialer Betreuung für Mitglieder des Invalidenvereins. Nur durch umfangreiche Geld- und Sachspenden und deutschlandweite Öffentlichkeitsarbeit konnte es in Simferopol (Hauptstadt der Krim) für die dortige Vereinsarbeit gekauft und eingerichtet werden. Seit 2007 bemühen sich die Projektleitung und viele Helfer, den Zeitzeugen, die heute nicht mehr gehfähig sind, einen würdevollen Lebensabend zu ermöglichen, und denen die noch dazu in der Lage sind, eine größtmögliche Einbindung ins gesellschaftliche Leben, durch Lebensmittelversorgung, Kleidungsspenden, Kulturangebote und vor allem durch viel persönliche Begegnungs- und Erinnerungsarbeit. Unser Verein gibt den größten Teil seiner Spenden, um diese engagierte Arbeit auf der Krim weiter zu unterstützen.

Mehr Informationen unter www.ffmg-ravensbrueck.de.



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