Vom 1. September bis zum 28. November ist die Ausstellung „Vom Arbeitsplatz abgeholt - als arbeitsscheu abgestempelt" über den Auschwitz-Überlebenden Sinto Franz Rosenbach in der Geschäftsstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz - Gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) zu sehen. Die Lebensgeschichte Franz Rosenbachs, der am 23. Mai 2010 als Botschafter für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet wurde, veranschaulicht beispielhaft das Schicksal der Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus.
Franz Rosenbach wurde 1943 als 16jähriger von den Nationalsozialisten in der Folge des „Auschwitz-Erlasses", der 1942 die Deportation aller Sinti und Roma in Konzentrationslager anordnete, als „Zigeuner" verhaftet. Er überlebte Konzentrationslager, Zwangsarbeit und einen Todesmarsch. 21 seiner 29 Familienangehörigen starben durch die Hand der Nationalsozialisten. Jahrzehntelang schwieg Rosenbach über sein erfahrenes Leid, verdeckte die ihm in Auschwitz eintätowierte KZ-Nummer mit einem Pflaster und erzählte selbst seiner ersten Frau nicht, dass er ein KZ-Überlebender war. Doch die Erinnerungen holten ihn immer wieder ein, so dass er sich entschloss, das Schweigen zu brechen und seine Erlebnisse einer möglichst breiten Öffentlichkeit mitzuteilen, um aufzuklären und das Erlebte zu verarbeiten. Seitdem führt er Zeitzeugengespräche mit Schülern und jungen Menschen durch, die zumeist kaum Kenntnisse über die in Deutschland lebende Minderheit der Sinti und Roma besitzen und von ihrem Schicksal während der Zeit des Nationalsozialismus wenig wissen. 2005 veröffentlichte er seine Autobiographie „Der Tod war mein ständiger Begleiter".
Die Ausstellung zeichnet die Biographie Franz Rosenbachs von seiner Kindheit bis zum 80. Lebensjahr nach. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der nationalsozialistischen Verfolgungen sowie deren Aufarbeitung durch den Überlebenden. Konzipiert und dem BfDT für die kommenden Monate zur Verfügung gestellt wurde die Ausstellung von Birgit Mair, Sozialwissenschaftlerin am Nürnberger Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) im Rahmen des Projekts Tacheles!. Sie hat zahlreiche Gespräche mit Franz Rosenbach geführt, seine Schilderungen mit wissenschaftlichen Quellen über die Verfolgung der Sinti und Roma abgeglichen und diese in den historischen Kontext eingebettet.
Die Geschäftsstelle des BfDT zeigt die aus 17 Informationstafeln bestehende Ausstellung vom 1. September bis zum 28. November, Montag-Donnerstag von 10-17 Uhr, Freitag von 10-15 Uhr. Der Eintritt ist frei und für Gruppen werden Führungen angeboten. Für eine vorherige Anmeldung der Besucher wären wir dankbar. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ausstellungsflyer.
Eine Begleitveranstaltung mit Franz Rosenbach und Birgit Mair ist in Planung.