Presse | Über uns | Kontakt

BfDT Bündnis für Demokratie und Toleranz - Rede des Geschäftsführers des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, Dr. Gregor Rosenthal, anlässlich der Kranzniederlegung gemeinsam mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 01. August 2010 an der „Schwarzen Wand“ im Stammlager I/ Auschwitz - Reden

Rede des Geschäftsführers des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, Dr. Gregor Rosenthal, anlässlich der Kranzniederlegung gemeinsam mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 01. August 2010 an der „Schwarzen Wand“ im Stammlager I/ Auschwitz


 

Es gilt das gesprochene  Wort!

           

Sehr geehrter Herr Rose,

Sehr geehrter Herr Kwiatkowski,

Sehr geehrter Herr Cywinski,

Sehr geehrter Herr Kadlcik,

sehr geehrte hier anwesende Überlebende der Verfolgung durch die Nationalsozialisten,

liebe Angehörige der jungen Generation, die sie heute hierher begleitet haben,

sehr geehrte Damen und Herren,

vor einem Jahr, am 1. August, standen wir hier,  an der Todesmauer des Konzentrationslagers Auschwitz, einem Ort, der für immer verbunden  ist mit unfassbarem Grauen und Unrecht. Deutsche haben damals unvorstellbares Leid über die Menschheit gebracht. Als Deutscher ist es eine große Ehre für mich, heute zum zweiten Mal hier zu Ihnen sprechen zu dürfen. In meinem langen und ereignisreichen Berufsleben haben die gemeinsam verbrachten vier Tage vor einem Jahr einen ganz besonderen Stellenwert eingenommen. Das mir von Ihnen entgegen gebrachte Vertrauen, die Geschichten der Überlebenden und die ihrer ermordeten Angehörigen haben mich tief bewegt.

Die Bundesrepublik Deutschland und alle Deutschen tragen für immer die besondere Verantwortung, an diesen dunklen Abschnitt unserer Geschichte zu erinnern und hieraus die notwendigen Folgerungen für die Gestaltung unserer Zukunft zu ziehen. Lange Zeit wurde unsere Verantwortung gegenüber den verfolgten Sinti und Roma nicht in ausreichendem Maße wahrgenommen. Die Geringschätzung  und Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland und dem Rest Europas setzte sich nach dem Krieg und teilweise leider bis in die heutige Zeit fort. Erst seit 1994 findet jährlich zum damals eingerichteten Internationalen Roma-Gedenktag am 2. August eine Gedenkveranstaltung hier in Auschwitz statt. Auch daher ist es mir eine ganz besondere Ehre, heute hier sprechen zu dürfen und diese Gedenkreise zu begleiten. 

Porjamos heißt der Völkermord an den 500.000 ermordeten Sinti und Roma auf Romanes. Allein am 2. August 1944, vor 66 Jahren, wurden 2.900 Sinti und Roma im so genannten „Zigeunerlager" hier in Auschwitz ermordet. Die Zahlen überfordern unsere Vorstellungskraft. Erst die Namen, die Gesichter und die Erinnerungen der Überlebenden füllen diese Zahlen mit Leben und machen das Unvorstellbare real. Dies ist Hintergrund und Zweck dieser Reise. Den Überlebenden soll Gelegenheit gegeben werden zu erinnern, zu trauern und ihren Nachfahren und Angehörigen von ihren Erlebnissen zu berichten. Die junge Generation, die heute hier ebenfalls anwesend ist, soll vom Leid ihrer Groß- und Urgroßeltern erfahren und ihre Geschichte kennen lernen, um sie ihrerseits an künftige Generationen weiterzugeben. Gleichzeitig soll daraus das Interesse und die Bereitschaft erwachsen, sich heute aktiv in die Gestaltung des jeweiligen Lebensumfeldes einzumischen und die besonderen Interessen einer Minderheit gegenüber der Mehrheit wahrzunehmen.

Sinti und Roma werden auch heute noch in  Ländern Europas mit Vorurteilen, Ausgrenzung, Diskriminierung und sogar gewalttätigen Übergriffen konfrontiert. Die in den Nachrichten dokumentierten Vorfälle der letzten Wochen und Tage legen darüber ein trauriges Zeugnis ab. Umso wichtiger ist es für die jungen Generationen, sich der eigenen Geschichte und Identität bewusst zu sein, um sich gegen Ungerechtigkeiten und Ausgrenzung stellen zu können.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz hat gerne der Anfrage entsprochen, diese Gedenkreise zu unterstützen und sich gemeinsam mit dem Zentralrat für die Belange der Sinti und Roma in Deutschland zu engagieren. Der heute hier anwesende Franz Rosenbach - Sinto, KZ-Überlebender und aktiver Zeitzeuge - wurde am Verfassungstag dieses Jahres vom Bündnis als Botschafter für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet. Es ist uns ein großes Anliegen, auch in der Zukunft Projekte zu unterstützen und mit anzustoßen, die den Sinti und Roma in Deutschland zu mehr Anerkennung verhelfen und die wechselseitige Toleranz konkret unterstützen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Wir sind heute zusammen gekommen, um der Ermordeten  und Verfolgten zu gedenken - um zu trauern. Ihr Mut - und damit richte ich meinen Blick auf die Überlebenden - hier zu stehen, zu berichten, nicht länger zu schweigen - beeindruckt mich, beeindruckt viele Menschen. Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit, die Erinnerung an vergangenes Leid lebendig zu halten, wird die Zukunft der kommenden Generationen von Sinti und Roma in Deutschland und Europa prägen. Erinnerung, gerade die Erinnerung an die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Zeit der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus, stiftet Identität und legt den Grundstein für ein demokratisches und tolerantes Miteinander. In den nächsten Tagen wird es deshalb auch darum gehen, wie die junge Generation sich aktiv für Respekt und Anerkennung und eine ihren Vorstellungen entsprechende Zukunft in jedem Ihrer Länder einsetzen kann. Sie sind die Enkel und Urenkel einer Generation von mutigen Menschen, denen selbst das Leben verwehrt wurde.

„Rom" heißt Mensch. Kaum eine Nation kann auf eine solche  Bedeutsamkeit im Namen ihrer Nationalität verweisen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Namen stets mit Stolz tragen.

Sehr verehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Rose und mit Ihnen anwesende Vertreter des Zentralrats der Sinti und Roma und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma,

ich danke Ihnen, dass ich heute hier an diesem historischen Ort zu Ihnen sprechen durfte. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

weiterführende Verlinkungen

Newsletteranmledung

Newsletter:
aktuelle Informationen per E-Mail

Fordern sie hier den aktuellen Newsletter an.

DIALOG

© 2012 Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt | System: exozet.com
Presse | Über uns | Kontakt