Das „Haus für Demokratie“ wird bestehen bleiben
„Volksverräter“ steht an seiner Tür und „Linke Sau“. Daneben prangen Hakenkreuze und an einer Mauer findet Jörg Wanke, Sprecher der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, die Aufschrift „Jörg Wanke stirbt bald. Zossen bleibt braun.“
Jörg Wanke bleibt nicht der Einzige in Zossen, einem Ort nahe Königs Wusterhausen im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming, der von den rechten Kräften der Region bedroht wird. Seit Januar 2009 gibt es die Initiative aus mittlerweile über fünfzig Ehrenamtlichen die nicht länger wegsehen wollten, wenn Stolpersteine geschändet wurden und auf Gedenkkundgebungen für die ermordeten und verfolgten Juden Zossens Neonazis „Lüge, Lüge!“ skandierten.
Die „Freien Kräfte Teltow-Fläming“, die im Umkreis von Zossen auftreten, gehören zu den besonders aktiven Kameradschaften im Berliner Umland. Sie orientieren sich an dem Konzept der Autonomen Nationalisten, d.h. sie arbeiten in losen Organisationsstrukturen und benutzen zum Teil von der linken Szene verwendete Symbole. Als ein damals noch kleiner Kreis Zossener Bürger beschließt diesem Treiben etwas entgegen zu setzen ist eine Zielrichtung klar: Der „Haus der Demokratie“ getaufte und durch eigenes Geld und Spenden finanzierte Sitz der Initiative soll parteiunabhängig sein und jedem offen stehen, der sich der demokratischen Grundordnung verpflichtet fühlt. Das Haus der Demokratie entwickelt sich schnell zu einem Ort in der Stadt, in dem Kultur- und Demokratieförderungen auf unterschiedlichste Weise in die Praxis umgesetzt werden. Generationenübergreifend baut man das Haus zu einer Bildungs- und Begegnungsstätte aus. Es gibt ein Café, einen Proberaum für Jugendbands und Nachhilfeunterricht.
Diese Anstrengungen und Leistungen der fünfzig Engagierten finden in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar diesen Jahres ein jähes Ende. Rechtsextreme Jugendliche im Alter von 13 bis 23 Jahren, aus Zossen und Nachbarorten, brennen das Haus der Demokratie vollständig nieder. Zunächst gesteht ein 16 jähriger den Brandanschlag. Der genaue Tathergang dieser Nacht ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Das „Haus der Demokratie“ in Zossen wird es wieder geben, das versprechen die Gründer und Neumitglieder der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“. Seit dem Brandanschlag gingen zahlreiche Spenden von Initiativen und Privatleuten ein. Das Engagement der über fünfzig Ehrenamtlichen ist gelebte Demokratie und steht für ein Bürgerengagement wie es für eine Gesellschaft wichtig ist. Die Initiatoren schauten nicht weg und schufen mit dem Haus für Demokratie einen Ort, an dem offen und gleichberechtigt Menschen jeden Alters mit einander diskutieren.
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