Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Linden,
sehr geehrter Herr Vianden,
sehr geehrter Herr Volkmann,
sehr geehrter Herr Wagner,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
auch ich freue mich sehr, Sie als einer der Veranstalter hier in dem historischen Rathaus der Kaiserstadt Aachen begrüßen zu dürfen. Aachen hat eine lange Tradition, wenn es um Weltoffenheit und Toleranz geht. Auch heute zeigt die Kaiserstadt ihr weltoffenes Gesicht, als Grenzstadt, vor allem aber als die Stadt, die alljährlich den Internationalen Karlspreis vergibt, der Dienste um die Verständigung und internationale Zusammenarbeit in Europa ehrt. Diese Tradition ist einer der Gründe, die uns bewogen haben, unseren Regionalkongress zur Förderung der Toleranz im Sport gerade hier zu veranstalten.
Anrede,
das Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt wurde im Jahr 2000 gegründet, um zivilgesellschaftliche Initiativen und Vereine in ihrem Eintreten für die Grundwerte unserer Demokratie zu unterstützen. Wir bilden gewissermaßen einen Knotenpunkt als zentraler Ansprechpartner in dem großen Netzwerk der zivilgesellschaftlichen Bündnisse, Initiativen und Akteure. Unser Ziel ist es, das große Engagement dieser Gruppen zu bündeln, zu vernetzen und es öffentlich zu machen.
In den vergangenen Jahren haben wir unser Engagement für die Unterstützung der Toleranz im Sport kräftig ausgebaut. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Sport eine große Integrationskraft besitzt. Wo es um Punkte und Tore geht, spielen Hautfarbe und Herkunft keine Rolle. Der Teamgeist in der Mannschaft und die gemeinsame Unterstützung aller Fans können Toleranz und Verständigung in besonderer Weise fördern.
Darum haben wir im November 2007 gemeinsam mit Partnern aus Sport und Zivilgesellschaft den ersten bundesweiten Kongress unter dem Titel „Vereine stark machen - was tun gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußballverein?" für ehrenamtliche Akteure aus Amateurvereinen in Halle durchgeführt. Damals wie heute wollen wir keine klassische „Expertenrunde" veranstalten, die hinter verschlossenen Türen tagt und zum Abschluss eine wohlformulierte Erklärung zum Rassismus im Fußball abgibt. Wir wenden uns ganz bewusst und möglichst praxisorientiert an Sie alle, die Sie vor Ort als Betreuer, Schiedsrichter, Funktionäre oder in anderen Funktionen mit Problemen wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung auf dem Sportplatz und im Alltag zu kämpfen haben. Nach dem Kongress in Halle haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Fußballbund vereinbart, diese Veranstaltung auf regionaler Ebene fortzuführen, um noch mehr Interessierten die Teilnahme zu ermöglichen und ganz konkret an den Problemen vor Ort ansetzen zu können. Ich freue mich, heute nach den Veranstaltungen im Norden und Osten die Regionalkonferenz im Westen als dritte Regionalkonferenz gemeinsam mit dem Fußball-Verband Mittelrhein und dem Projekt „am Ball bleiben" der deutschen Sportjugend veranstalten zu können. Ich danke den Mitveranstaltern, die diesen Kongress möglich gemacht haben. Außerdem gilt mein Dank für die Unterstützung vor Ort der Stadt Aachen und der Alemannia Aachen. Als jemand, der viele Jahre in Köln gelebt hat, sei mir die Bemerkung erlaubt, dass ich der Alemannia für die Rückrunde die Daumen drücke. Ich hoffe, dass es bald wieder spannende Derbys mit dem FC geben wird - freilich in der Ersten Liga!
Anrede,
angesichts von rassistischen und diskriminierenden Vorfällen im Fußball fragen sich gerade die „kleinen" Vereine, die vom Engagement Ehrenamtlicher leben, was sie noch alles leisten sollen. Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Hilflosigkeit Resignation werden kann.
Uns ist wohlbewusst, dass der Fußball kein Sammelbecken für gewaltbereite Rechtsextremisten und Hooligans ist. Fußball ist ein Abbild der Gesellschaft, ein Abbild, das sich unter dem Brennglas der öffentlichen Aufmerksamkeit befindet. Gerade wegen dieser Aufmerksamkeit, die Fußball als Breitensport Nummer eins in Deutschland genießt, ist er für Schläger und Rassisten attraktiv. Doch gerade deswegen lohnt sich auch das Engagement gegen Gewalt, Rassismus und Intoleranz hier besonders. Denn im Fußball zählen Fair Play und Leistung, nicht Herkunft oder Hautfarbe. In der Arbeit im Verein kann viel getan werden, damit junge Menschen gefestigt werden und sich nicht intolerante oder extremistische Ansichten zu Eigen machen. Trainer, Betreuer und Vereinsfunktionäre sind wichtige Vorbilder. Darum möchten wir vom Bündnis zusammen mit Ihnen Ideen entwickeln, wie Sie die Toleranz und das Fair Play im Fußball fördern können.
Ich hoffe, dass es uns heute und morgen gemeinsam gelingt, gute Ansätze für Ihre Arbeit bei Ihnen vor Ort zu entwickeln. Wichtig ist, dass Sie alle merken, dass Sie in Ihrem Kampf gegen rechtsextreme Auswüchse nicht allein stehen. Es gibt eine Vielzahl von Partnern, mit denen Sie kooperieren können. Es ist das erklärte Ziel dieser Veranstaltung, dass Sie neue Partner für Ihr Engagement vor Ort finden. Ich bin überzeugt, dass Vereine und zivilgesellschaftliche Initiativen viel voneinander lernen können. Und dass sie beide von ihrer Zusammenarbeit profitieren werden. Darum möchte ich Sie auffordern, sich morgen aktiv in die Workshops einzubringen und die Chance zu nutzen, zu anderen Vereinen und Initiativen Kontakte zu knüpfen. Denn dann wird der Kongress viele Lösungsmöglichkeiten für Probleme bieten. Ich hoffe darüber hinaus, dass er ein Anstoß sein kann, damit Sie alle auch in Zukunft vor Ort mit Ihren neu gefundenen Partnern zusammen arbeiten und sich regelmäßig austauschen.
Damit Sie eben nicht das Gefühl haben, allein zu sein.
Damit Gewalt und Intoleranz keinen Platz im Verein und in der Gesellschaft haben.
Damit Fußball das bleibt, was er sein soll: die schönste Nebensache der Welt!
Ich wünsche Ihnen und uns eine erfolgreiche Tagung und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.