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Häufige Fragen zum Thema Integration


 

 

Was bedeutet Integration?

 

Klaus J. Bade, Dr. phil. habil., o. Univ. Prof. em., Historiker, Migrationsforscher, Politikberater, Osnabrück und Berlin, Mitglied im Beirat des BfDT

Zur Beschreibung von Integration als Prozess (Integrationsentwicklung) und Konzept (Integrationsförderung) konkurrieren unterschiedliche Großkonzepte mit mancherlei Überschneidungen. Darunter lagern empirieorientierte Subkonzepte, bei denen in unterschiedlicher Sortierung und Gewichtung jeweils ähnliche Beobachtungsbereiche auftauchen.

Sucht man nach praxisorientierten Einstiegsmöglichkeiten, dann liegt es nahe, gleich auf dieser empirischen Beobachtungs- und Bemessungs­ebene einzusteigen. Das hat auch der 2003/04 amtierende Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration (Zuwanderungsrat) in seinem Gutachten 2004 getan (http://www.zuwanderungsrat.de/). Integration ist danach die möglichst chancengleiche Teilhabe an zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Erziehung, Bildung und Ausbildung, Wohnen und Wohnumfeld, aber auch an den Fürsorge- und Schutzsystemen für Gesundheit und Recht u.a.m.

Im engeren Sinn geht es um die Integration der seit 1950 Zugewanderten und der schon im Land geborenen Bevölkerung mit familiärem Migrationshintergrund. In einem weiteren Sinn geht es um Integration als Gesamtaufgabe der Einwanderungsgesellschaft - unter Einbeziehung also auch von desintegrierten bzw. nicht oder nicht mehr zureichend integrierten Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft ohne Migrationshintergrund. Auch sie können in einen Sog desintegrativer oder auch segregativer Faktoren geraten sein. Die Betroffenen, ihre Familien und insbesondere ihre Kinder können sich u.U. daraus nicht mehr selbst befreien ohne geeignete, die Komponenten von ›Fördern und Fordern‹ verbindende Konzepte.

In aller Regel aber steht im Zentrum der Diskussion um Integrationsentwicklung und Integrationsförderung in Deutschland die Lage von Zugewanderten oder Menschen mit Migrationshintergrund. Ihre Integration steht, wo sie zur Krisenerfahrung wird, im Gegensatz zur Lage von Menschen der Mehrheitsgesellschaft ohne Migrationshintergrund  unter einer Doppelbelastung, nämlich unter dem Druck von in der Regel prekären Soziallagen und Einwanderungsproblemen. Weil es in Deutschland in dieser Hinsicht lange an gezielter Integrationsförderung fehlte, geht es heute neben  begleitender Integrationsförderung im Sinne des Zuwanderungsgesetzes auch um nachholende Integrationsförderung  zur  Begrenzung der sozialen Folgen  von Versäumnissen in Integration und Integrationspolitik.

 

Warum ist Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?

 

Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin beim Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied im Beirat des BfDT

Die Weltoffenheit unseres Landes und die Vielfalt seiner Menschen ist unser größter Reichtum. Wir blicken auf eine lange, prägende und erfolgreiche Tradition von Migration und Integration zurück. Über Jahrhunderte wurde Einflüsse von außen aufgenommen, die heute selbstverständlicher Teil unserer Kultur sind. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Millionen Flüchtlinge integriert, später über vier Millionen Aussiedler. Seit der ersten Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte vor fünf Jahrzehnten kamen Millionen Menschen als Arbeitnehmer, Familienangehörige oder aus humanitären Gründen. Heute leben in unserem Land 15 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Das ist ein Fünftel der Bevölkerung, bei den unter 25-Jährigen sogar mehr als ein Viertel. Sehr viele dieser Menschen haben längst ihren Platz in unserer Gesellschaft gefunden. Sie tragen zum wirtschaftlichen Wohlstand und zur gesellschaftlichen und kulturellen Vielfalt unseres Landes bei. Dafür verdienen sie Respekt und Anerkennung.

Dennoch haben die Integrationsprobleme gerade in jüngerer Zeit zugenommen. Ein Teil der Zugewanderten spricht nur ungenügend Deutsch, schneidet in Bildung und Ausbildung schwächer ab und ist häufiger arbeitslos, akzeptiert gar die Grundregeln unseres Zusammenlebens nicht. Wir können es uns aber - auch mit Blick auf die demografische Entwicklung - nicht leisten, dass eine „verlorene Generation" entsteht.

Integration ist daher eine Aufgabe von grundlegender nationaler Bedeutung. Sie kann nicht von oben verordnet werden, weder der Mehrheit noch der Minderheit, sondern muss gelebt werden. Miteinander entsteht, wenn Menschen sich willkommen fühlen und in allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben. Der Staat -Bund, Länder und Kommunen - schafft hierfür wichtige Voraussetzungen. Er garantiert Sicherheit, schafft den Zugang zu Bildung, fördert die Integration in Ausbildung und Arbeit. Aber allein kann er diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe nicht erfüllen. Sie gelingt nur, wenn alle Verantwortung übernehmen: in der Wirtschaft, im Sport, in Kultur und Wissenschaft, in den Medien, in der Nachbarschaft vor Ort. Deshalb hat diese Bundesregierung umgesteuert und mit dem Nationalen Integrationsplan erstmals alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte zusammengeführt, die an der Integration mitwirken. Damit eröffnen wir gemeinsamneue Wege und Neue Chancen. Denn Integration geht uns alle an. Sie ist die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben und für eine gute Zukunft im Integrationsland Deutschland.

 

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