Rainer Barcikowski, Arbeitsdirektor ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, Mitglied im Beirat des BfDT
Toleranz ist das Geltenlassen anderer Anschauungen, Normen und Werte, auch wenn sie uns zunächst fremd erscheinen mögen. Toleranz erschließt uns damit den Reichtum der kulturellen Vielfalt auf unserem Planeten. In einem international agierenden Stahlunternehmen, wie ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, ist das Toleranzgebot für die Beschäftigten wesentlicher Garant des nachhaltigen Wirtschaftens, der Akzeptanz im gesellschaftlichen Umfeld, im Konzernverbund und bei den Kunden.
In der Auseinandersetzung mit aktuellen Ereignissen des Rechtsextremismus ist es gut zu wissen, dass unser Unternehmensstandort Brandenburg mit dem `Toleranzedikt von Potsdam` bereits an der Schwelle zur Neuzeit der Achtung der Menschenrechte zum Durchbruch verhalf. Diese weitsichtige Entscheidung schuf die Grundlage zu wirtschaftlicher Blüte, u. a. durch den Fleiß der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten, der handwerklichen Perfektion holländischer Deichbauer, salzburger Zinngießer und böhmischer Weber. Dieses innovative Klima lockte auch Großindustrielle wie Siemens und Borsig in das Land.
Toleranz darf aber niemals Intoleranz tolerieren. Carlo Schmidt sagte einmal: "Demokratie ist nur dort mehr, als ein Produkt einer bloßen Zweckmäßigkeitsentscheidung, wo man den Mut hat, an sie als etwas für die Würde des Menschen Notwendiges zu glauben. Wenn man diesen Mut hat, dann muss man auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen".
Nur in der Verknüpfung der demokratischen, weltoffenen Tradition Brandenburgs mit der vorstehend beschriebenen wehrhaften Demokratie eröffnet sich uns allen eine lebenswerte Zukunft.
Leo Monz, Leiter des Bereichs Migration & Qualifizierung beim DGB Bildungswerk e.V., Mitglied im Beirat des BfDT
„Jede Jeck ist anders" - dieses rheinische Bekenntnis zu Toleranz und Nachsicht gegenüber dem anderen, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit, ist ergänzungsbedürftig: Ignatz Bubis, der langjährige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland hat mir mit auf den Weg gegeben: es geht um mehr als Toleranz, um Duldung des Andersseins, es geht um Akzeptanz von menschlicher Vielfalt, sei es religiöse oder kulturelle Vielfalt. Und ich füge hinzu: dies ist erlernbar.
Kulturelle und religiöse Vielfalt, die Vielfalt menschlicher Lebensstile sind keine Herausforderungen der Neuzeit, sie prägen die menschliche Geschichte. Ihre Akzeptanz muss aber immer wieder neu erstritten werden.
Im Zeitalter von Globalisierung, die die Welt durch moderne Kommunikationsmittel zusammenrücken lässt, die mit weltweiter Migration verbunden ist, wird Pluralität zunehmen, uns vor neue Herausforderungen stellen.
Die Akzeptanz von Vielfalt ist untrennbar verbunden mit Einsatz für Demokratie, Menschen- und Minderheitenrechte. Die Werte des Grundgesetzes sind nicht beliebig, sie bilden Grundlage und Grenze der Akzeptanz von Vielfalt - auch für Minderheiten.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund trägt dazu bei, das soziale Fundament für Akzeptanz von Vielfalt. Migranten und Migrantinnen sind gleichberechigte Mitglieder, sie sind in der Arbeitswelt rechtlich gleichgestellt, sie gestalten sie als Betriebs- und Personalräten mit.
Weltweit gehören Gewerkschaften zu den Opfern des Abbaus von Minderheitenrechten und Demokratie, daher sehen sie sich auch in einer besonderen Verantwortung.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund trägt neben der politischen Interessenvertretung mit der Arbeit des DGB-Bildungswerks zur Durchsetzung dieser Ziele bei.
Der Bereich Migration und Qualifizierung schafft mit Bildungs-, Informations- und Beratungsangeboten in großer thematischer Vielfalt (europäische und globale Migration, berufliche Integration, interkulturelle Kompetenz, Information über Migrationsrecht, Praxis der betrieblichen und gesellschaftlichen Gleichbehandlungsarbeit, Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft) die Grundlagen zum Umgang mit kultureller Vielfalt in der Einwanderungsgesellschaft und der Welt globaler Arbeitnehmendenmobilität.
Die Beeinflussung von menschlichen Einstellungen und Wissensvermittlung sind Basis für Akzeptanz von Vielfalt jeglicher Form.