"Die Würde des Menschen ist unantastbar". Jede Form von Rassismus ist ein Angriff auf die Menschenwürde. Gewalttätige Übergriffe gegen Ausländerinnen und Ausländer bis hin zu Mord sind zum schrecklichen Alltag in Deutschland geworden. Doch es gibt viele andere Formen alltäglicher Diskriminierung, sei es in Schule und Beruf, im Dienstleistungsbereich, bei Behörden und Polizei, in Politik und Medien, auf dem Wohnungsmarkt oder in der Freizeit.
Rassismus beginnt dort, wo Neugierde von Angst besiegt wird. In Deutschland leben heute Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammen. Diese multikulturelle Gesellschaft bietet viele Vorteile und Anreize. Sie braucht als Fundament Respekt vor dem anderen.
AKTIONCOURAGE wurde 1992 von engagierten Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen aus allen gesellschaftlichen Bereichen und politischen Lagern als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock gegründet. Mit couragierten Aktionen wie dem Projekt "Nachbarn schützen Nachbarn" sollte eine Gegenbewegung zu gewalttätigem und offenem, aber auch unterschwelligem und alltäglichem Rassismus in Gang gebracht werden. Im Laufe der Zeit wurden die Aktivitäten immer vielfältiger. Mit dem Ohr am "Puls der Zeit" entstanden immer neue Projekte als Lösungsansätze für die beobachteten gesellschaftlichen Probleme, sei es die zunehmende Gewalt an Schulen, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die sich zuspitzenden Ressentiments zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft, die problematische Versorgung älterer Migranten oder die frühzeitige interkulturelle Erziehung im Kindergarten.
Aktuelle Projekte:
- "Schule Ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist eines der Projekte, bei dem Schüler unterstützt werden, sich an ihren Schulen kontinuierlich mit den Thema Rassismus zu beschäftigen und verschiedenste Veranstaltungen durchzuführen. Bundesweit sind bereits rund 400 Schulen aufgrund ihrer Aktivitäten als "Schule Ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet worden, weitere 100 sind in der Vorbereitung. Zur Unterstützung engagierter Schüler und Pädagogen wurden zahlreiche Arbeitsmaterialien zum Projekt erstellt.
- Ein weiteres Projekt ist die "Informations- und Kontaktstelle Migration (IKoM) – Altenhilfe für Migranten". Das deutsche Altenhilfesystem ist bisher kaum auf die Bedürfnisse der älteren MigrantInnen eingestellt. Es fehlt ein systematischer Austausch innerhalb der Altenhilfe und zwischen Altenhilfe und Migrationsarbeit über die kulturspezifischen Anforderungen einer adäquaten Versorgung. Um hier Abhilfe zu schaffen, begann AktionCourage im August 2002 mit dem Aufbau einer bundeszentralen Informations- und Kontaktstelle Migration für die Arbeit mit älteren Migranten (IKoM).
Die Ziele:
IKoM fördert: Transparenz des vorhandenen Know-Hows im Bereich Altenhilfe für Migranten, Erfahrungsaustausch und Bildung kommunaler, regionaler und arbeitsorientierter Netzwerke, Entwicklung übertragbarer Konzepte zur transkulturellen Öffnung der Altenhilfe, curriculare Entwicklung der Aus- und Fortbildung.
Die Angebote:
Der IKoM-Dokumentationsdienst bietet über die Bundesgrenzen hinaus Trägern und Fachleuten die Möglichkeit, ihre Projekte, Angebote und Ver öffentlichungen zentral erfassen zu lassen und bundesweit bekannt zu machen, eine Kontaktdatenbank enthält Informationen über Projekte und Angebote zum Arbeitsschwerpunkt, die Literaturdatenbank ermöglicht einen Überblick über Veröffentlichungen zum Thema.
Der IKoM-Newsletter informiert in regelmäßigen Abständen über Projekte, Neuerscheinungen, Veranstaltungen, Weiterbildungsangebote etc.
IKoM bietet Fachkräften vielfältige Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung adäquater Angebote für ältere MigrantInnen.
-Mit einem neuen Projekt schließt AktionCourage eine Lücke in der Integrationsarbeit: "Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten" fordert "Faire Chancen – von Anfang an" und thematisiert die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem: Die Möglichkeiten, anspruchsvolle Bildungsgänge zu besuchen, sind eng mit der sozialen und der ethnischen Herkunft von Kindern verbunden, denn vor allem Kindern von Einwanderern gelingt die gleichberechtigte Teilhabe an Bildung und Kultur, an Beruf und Politik nicht. AktionCourage vertritt die Auffassung, dass ihre Stärken und die Bereicherung, die sie für die deutsche Gesellschaft darstellen, erkannt und gefördert werden müssen, bereits im Kindergartenalter. Aus diesem Grund verlangt AktionCourage e.V. - SOS Rassismus, dass die zunehmend multinationale und multikulturelle Zusammensetzung der Kinder in Kindertagestätten professionell berücksichtigt wird. Das Projekt "Vielfalt gestalten" fördert die interkulturelle Erziehung: AktionCourage wertet die Erfahrungen in interkultureller Arbeit und Pädagogik im Kindergarten aus und stellt sie auf dem Infoportal "Vielfalt gestalten" (unter www.aktioncourage.de) zur Verfügung. Durch dieses Angebot besteht die Möglichkeit viele ErzieherInnen zu erreichen und ihnen Impulse für ihre interkulturelle Arbeit zu geben.
Außerdem wird konkrete Arbeit im Kindergarten geleistet: Seit August 2007 wird über eine Dauer von 2½ Jahren in drei Bonner Kindertageseinrichtungen das interkulturelle Profil modellhaft weiterentwickelt. Das Projekt verfährt dabei innovativ: Es implementiert eine "vorurteilsbewusste Pädagogik für den Elementarbereich". Erstmals werden in NRW die kompletten Kitateams geschult. Für Eltern und pädagogische Fachkräfte wurde zudem eine "Interkulturelle Hotline" eingerichtet, die Rat und Unterstützung in interkulturellen Fragen bietet. Die Arbeit des Bonner Projektteils, aber auch andere interkulturelle Projekte, die in den nordrheinwestfälischen Kitas laufen, werden im Newsletter "Kindergarten für alle" dokumentiert.
Die Arbeit von AKTIONCOURAGE wurde durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt. So wurde ihr der Jugendkulturpreis NRW (1996), der Förderpreis "Demokratie leben" des Deutschen Bundestages (1997) und der Bremer Solidaritätspreis (1998) verliehen und die Arbeit mit einer Menschenrechts-Sonderbriefmarke (1998) gewürdigt. Das Schule-Projekt erhielt den Civis-Preis, den Heinrich Bußmann-Preis, den Aachener Friedenspreis und die Buber Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Das abschlossene Projekt "Ausländische Betriebe bilden aus" wurde im Mai 2001 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz als Botschafter für Toleranz und im November 2001 beim Wettbewerb "Zukunftsbrücke. Neue Wege ins Erwerbsleben" des Ministers für Arbeit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
AKTIONCOURAGE finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und projektbezogenenen Fördermitteln und ist heute wegen der Sparzwänge der öffentlichen Haushalte mehr denn je auf Unterstützung von außen angewiesen.