25.03.2014

"Alles im weißen Bereich?" - Erlebnisbericht einer Tagung

Ausschnitt aus dem Flyer der VeranstaltungAusschnitt aus dem Flyer der Veranstaltung
Am 7. Februar fand im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden eine Tagung zu institutionellem Rassismus in Sachsen statt. Unter dem Motto "Alles im weißen Bereich?" luden u.a. Weiterdenken – Heinrich Böll Stiftung Sachsen und das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) dazu ein, sich über die alltäglichen Ausprägungen von Diskriminierung in der Gesellschaft zu informieren.

Im Namen des BfDT hatte ich als Praktikantin dankenswerterweise die Möglichkeit, an der Veranstaltung in meiner Heimatstadt teilzunehmen.

Nach einer kurzen Begrüßung führten Manuela Ritz und Mark Terkessidis das Publikum praktisch und theoretisch in die Thematik ein. Wir als Teilnehmende hatten in einer kurzen "Murmelphase" die Möglichkeit, unsere Nachbarn kennen zu lernen und uns vorzustellen. Die Gruppe der Teilnehmenden setzte sich aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern/-innen aus Vereinen, Vertretern/-innen aus der Kommunalpolitik und vielen interessierten Einzelpersonen unterschiedlicher Herkunft zusammen.

Im Anschluss begannen die Workshops. Es standen mehrere interessante Panels zur Auswahl. Die Themen waren "Zum Umgang mit rassistischen Einlasspraxen in Clubs und Diskotheken", "Politik und Ermittlungsbehörden – Das Beispiel Mügeln", "Rassistische Diskriminierung in Arbeit und Ausbildung" und "Racial Profiling".

Aufgrund der erfreulich hohen Teilnehmerzahl von ca. 190 Interessierten schienen die Kapazitäten der Workshops überschritten. Daher wurde kurz vor Beginn der Veranstaltung ein weiterer Workshop zum Thema "Schwarze deutsche Literaturgeschichte und rassistisch vermitteltes Wissen an Universitäten" organisiert.

Ich nahm an dem Workshop des ADB zu rassistischen Einlasskontrollen teil, weil mir bis dahin das Ausmaß von Rassismus, besonders in Bezug auf alltägliche Situation wie Einlasskontrollen in Diskotheken, nicht bewusst gewesen war und ich durch mein Studium in Leipzig auch persönlichen Bezug dazu hatte. Wir erfuhren, dass das ADB 2011 zusammen mit dem StuRa Leipzig nach mehreren Beschwerden ein Testing mit Personen unterschiedlicher Herkunft in Leipziger Diskotheken durchgeführt hatte. Das Ziel war es, zu prüfen, ob Gäste mit Migrationshintergrund benachteiligt bzw. signifikant ausgeschlossen werden. Das Testing ergab, dass die Sorge begründet war und die Männer mit Migrationshintergrund mehrere Clubs nicht betreten durften. Daraufhin setzte sich das ADB mit den Diskotheken in Verbindung, um nachhaltig gleiche Einlasspraxen für alle sicherzustellen. In Abhängigkeit der Gesprächsbereitschaft wurden unterschiedliche Maßnahmen zum weiteren Verfahren eingeleitet. Das ADB initiierte u.a. einen Runden Tisch mit dem Ordnungsamt Leipzig und den betroffenen Clubs, um das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz umzusetzen und reichte im Falle mangelnder Kooperationsbereitschaft gegen einige Diskotheken erfolgreich Klage ein. Den Entwicklungsprozess und die Strategien des Testings möchte das ADB in einer Broschüre zusammenstellen, damit die Arbeit als zukünftiges Modell für andere Städte fungieren kann.

Die Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht eine bereichernde Erfahrung für mich. Ich habe einige bekannte Personen aus meinem Umfeld in Dresden und Leipzig wieder getroffen und mich mit ihnen ausgetauscht. Zudem war es interessant den organisatorischen Rahmen einer Tagung kennen zu lernen. Aber vor allem habe ich mich intensiv mit dem Thema institutioneller Rassismus auseinander gesetzt. Die Tagung hat dazu beigetragen, mich für den Umgang mit Rassismus im Alltag zu sensibilisieren und mich auf bestehende gesellschaftliche Missstände aufmerksam gemacht.

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