10.06.2010

Festakt/ Auszeichnung "Botschafter" 2004

Preisträger




Interner Link„Stolpersteine“, Goethe-Realschule Eberswalde (Brandenburg)


Eberswalde hat einen dunklen Fleck in seiner Stadtgeschichte: Während des „Dritten Reiches" wurden in psychiatrischen Kliniken in Deutschland 70.000 Patienten ermordet. Auch die Klinik in Eberswalde war in das Euthanasieprogramm der Nazis eingebunden. Mit der lapidaren Mitteilung, die Patienten seien in eine andere Anstalt verlegt worden, wurden Tausende Krankenakten geschlossen. Gegen dieses Vergessen schlossen sich die Schüler der Goethe-Realschule Eberswalde zusammen: Sie besuchten zahlreiche Archive und zeichneten die Lebens- und Leidenswege einzelner Patienten nach. Daraus erarbeiteten sie persönliche Gedenktafeln, die die Opfer aus der namenlosen Masse herausheben sollen. Im Oktober diesen Jahres wird die Landesklinik Eberswalde die ersten Gedenktafeln - die „Stolpersteine" - ins Pflaster der Bürgersteige einlassen. Darüber hinaus sind die Forschungsergebnisse der Schüler auch in einer Ausstellung im Museum der Stadt Eberswalde zu sehen.

Schon seit 1991 engagiert sich die Goethe-Realschule für Toleranz und Demokratie. Sie öffnet sich ihrem Umfeld und arbeitet zusammen mit außerschulischen Partnern. In Kooperation mit der psychiatrischen Landesklinik Eberswalde organisiert die Goethe-Schule Beratungstage, an denen Schüler Probleme wie Drogensucht oder Essstörungen besprechen können. Im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt Eberswalde führten Schüler der Goethe-Schule zusammen mit geistig und körperlich behinderten Jugendlichen ein Theaterstück auf.

Mit dem Projekt „Stolpersteine" fördern Schüler das Gedenken an die Opfer der Euthanasie im „Dritten Reich" in Brandenburg. Damit erinnern die jungen Menschen an eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Medizingeschichte und machen so die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus für Mitschüler und Bürger greifbar. Durch die Zusammenarbeit mit der Landesklinik trägt die Schule zudem dazu bei, der möglichen Ausgrenzung der Insassen psychiatrischer Kliniken entgegenzuwirken.

Preisträger: Interner Link„Stolpersteine“, Goethe-Realschule Eberswalde







Marten Harms und Thomas Körner, Kreispolizeibehörde Mettmann/Personalwerbung der Polizei (Nordrhein-Westfalen)


Thomas Körner und Marten Harms - zwei Mitarbeiter der Kreispolizeibehörde Mettmann, hinter denen mehr steckt als zwei gewöhnliche Einstellungsberater. Bei Ihren Werbekampagnen und Informationsveranstaltungen zum Berufsbild des Polizisten legen sie besonderen Wert darauf, Interesse bei Deutschen mit Migrationshintergrund sowie bei ausländischen Bürgern zu wecken. Die Einstellung von Migranten in den Polizeidienst ist zum einen ein Zeichen gelungener Intergration, zum anderen ein enormer Vorteil für das politische Klima in den Städten und Gemeinden des Landkreises, da Polizisten mit Migrationserfahrungen kompetenter interkulturelle Konflikte lösen können, die erfahrungsgemäß oft durch kulturelle Missverständnisse entstehen.

Mit diesem Ziel vor Augen setzten Marten Harms und Thomas Köhler auch ausgefallene Ideen um. Neben Informationsveranstaltungen in Moscheen und Kulturzentren initiierten sie einen Themenabend beim WDR, der dem Arbeitsalltag von Polizisten mit Migrationshintergrund gewidmet war.

Für die Finanzierung solcher Initiativen sorgen unter anderem die Fußball- Bundesliga-Profis Roque Santa Cruz und Hasan Salihamidzic: Sie werben auf Fotos oder mit gespendeten Trikots für das Integrationsprojekt der Polizei Mettmann. In den letzten drei Jahren konnte durch dieses Engagement der Anteil ausländischer Bewerber für den Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen von 2 auf 12 Prozent gesteigert werden. Marten Harms und Thomas Körner leisten damit einen wichtigen Beitrag für den verständnisvolleren Umgang zwischen Polizei und ausländischen Mitbürgern.

Preisträger: Marten Harms und Thomas Körner, Kreispolizeibehörde Mettmann







Interner Link"Malteser Migranten Medizin", Berlin


Kranke, die sich keinen Arztbesuch leisten können, an diese Zielgruppe wendet sich das Projekt „Malteser Migranten Medizin". Dreimal in der Woche öffnet ihnen der Malteser Hilfsdienst, der in Berlin-Wilmersdorf dazu eine Beratungsstelle eingerichtet hat, seine Türen. Die Ärztin, Frau Dr. Adelheid Franz, führt dort selbst Behandlungen durch oder vermittelt die Patienten an weiterführende Hilfen. Medizinisch betreut werden Obdachlose, Flüchtlinge und Migranten.

Die Arbeit der Ärztin basiert auf dem Engagement größten Teils ehrenamtlich tätiger Fachärzte. Somit können die Patienten zur Behandlung an Fachkräfte überwiesen werden, die sich bereit erklärt haben, die Weiterbehandlung unentgeltlich durchzuführen. Ziel ist es, ein Mindeststandard an medizinischer Versorgung vor allem für Personen zu gewährleisten, die sich aufgrund fehlender Aufenthaltsgenehmigung oder finanzieller Not keinen Arztbesuch leisten können. Darüber hinaus sammelt die „Malteser Migranten Medizin" Bekleidung für bedürftige Personen und - da sich darunter auch schwangere Frauen befinden - Kinderspielzeug.

Seit seinem Bestehen wurden durch das Projekt nahezu 2.000 Personen betreut, wobei eine wachsende Zahl Hilfesuchender zu verzeichnen ist. Von 450 Patienten im Jahr 2002 wuchs die Zahl um etwa das Dreifache auf rund 1.200 im Jahr 2003 an. Das Projekt, für das Kardinal Sterzinsky die Schirmherrschaft übernommen hat, ist praktischer Ausdruck christlicher Nächstenliebe und leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung existenzieller Menschenrechte in Deutschland.

Preisträger: Interner Link"Malteser Migranten Medizin", Berlin







Interner LinkJugendbegegnungsstätte "Nomansland", Aken (Sachsen-Anhalt)


Aken - eine Kleinstadt bei Dessau, in der Bedrohungen und Attacken seitens rechtsextremer Kreise zum Alltag gehören. Mit großem Engagement und geringen Mitteln setzt die Jugendbegegnungsstätte "Nomansland" dort einen Kontrapunkt mit ihren Programmen und kulturellen Angeboten für Jugendliche. Im Sommer 2001 lud die Begegnungsstätte erstmals Gaststudent/innen unterschiedlichster Herkunft für drei Wochen zu einem Workcamp ein, das die Mitarbeit in der Öko-Station Neugattersleben beinhaltete. Umrahmt wurde das Camp von einem bunten Jugendprogramm.

Im darauffolgenden Jahr, beim zweiten Workcamp mit anderen ausländischen Jugendlichen, konnte das Interesse von Politikern und Journalisten gewonnen werden. Erfolgreich wurde demonstriert, dass nicht nur in den großen Städten etwas gegen Fremdenfeindlichkeit getan wird. Auf einem Konzert spielte die Gruppe "Voices", die den Titel „Botschafter der UNO-Flüchtlingshilfe" trägt und in der Musiker aus vier verschiedenen Kontinenten mitwirken.

Nomansland ist als demokratischer Leuchtturm anzusehen, der sich mit seinen Aktionen konsequent Anfeindungen und Drohungen entgegenstellt. Der Zivilcourage der Jugendlichen in Aken und der Leiterin der Begegnungsstätte, Frau Sabine Haase, ist es zu verdanken, dass 2003 auch das Fest „Gegen Gewalt und gegen Ausländerfeindlichkeit" trotz Anfeindungen ohne Störungen durchgeführt und somit ein Zeichen gesetzt werden konnte für tolerantes Zusammenleben und gegen rechtsextremes Gedankengut.

Preisträger: Interner LinkJugendbegegnungsstätte "Nomansland", Aken







Interner Link"Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage", „AKTIONCOURAGE e.V."


Mit dem Ziel, Schüler für alle Formen von Diskriminierung und Rassismus zu sensibilisieren sowie demokratische Denk- und Handlungsmuster in der Schule zu fördern, vergibt „AKTIONCOURAGE e.V." den Titel „Schule Ohne Rassismus - Schule MIT Courage". Dazu müssen sich mindestens 70 Prozent aller Lehrer, Schüler und Bediensteten einer Schule zu den Grundsätzen des Projekts bekennen. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sie sich, sich langfristig gegen Gewalt, Rassismus und alle Formen von Diskriminierung - sei es wegen des Geschlechts, der Herkunft, der Religion, der sexuellen Orientierung oder körperlicher Merkmale - einzusetzen. Mehr als 200 Schulen in Deutschland haben bisher den Titel verliehen bekommen. Das Konzept setzt auf die Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler. Sie behandeln die Themen Rassismus und Diskriminierung im Unterricht und in Arbeitsgruppen, setzen sich auch kreativ damit auseinander und greifen aktuelle Vorfälle in der Schule auf. Unterstützt werden die Schulen von einem Koordinationsnetz des Projekts, bestehend aus der Bundeskoordination, den Landeskoordinationen sowie regionalen und überregionalen Koordinationspartnern aus der Jugendarbeit, das sie berät und mit Materialien versorgt.

Viele Aktionen überschreiten den schulischen Rahmen. Die Schüler beziehen Position zu täglicher Diskriminierung in ihrem Lebensumfeld und engagieren sich zusammen mit Partnern, etwa aus der Jugendarbeit oder dem kirchlichen Bereich. Mit „Schule Ohne Rassismus - Schule Mit Courage" hat die „AKTIONCOURAGE e.V." ein wirksames Präventionsprojekt ins Leben gerufen.

Preisträger: Interner Link"Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage", „AKTIONCOURAGE e.V."