28.11.2013

Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2011 in Lutherstadt Wittenberg

Neun Projekte wurden am 1. November 2012 geehrt

Glückliche PreisträgerDie glücklichen Preisträger der Verleihung in Lutherstadt Wittenberg
Am Donnerstag, den 01. November 2012 zeichnete der Oberbürgermeister der Stadt Lutherstadt Wittenberg, Eckhard Naumann, gemeinsam mit Jens Ackermann, Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Mitglied im Beirat des BfDT, und Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des BfDT, neun Projekte im bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2011 aus.
Herr Naumann lobte unter anderem das Projekt "Wer sich umdreht oder lacht" des Theaterjugendclubs (TJC) Chamäleon Wittenberg. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz kürte das Projekt mit 4.000 Euro. „Toleranz ist leider keine Massenbewegung“, sagte Naumann, es sei gerade deshalb wichtig, dass es solche Preise gibt.

Die Preisverleihung in Lutherstadt Wittenberg war die neunte von insgesamt elf Preisverleihungen, die das Bündnis für Demokratie und Toleranz in den letzten Monaten für die 82 Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs aus ganz Deutschland durchgeführt hat. Die Preisverleihungen dienen dazu, den Projekten und Initiativen öffentliche Anerkennung und Aufmerksamkeit für ihre ehrenamtliche, gemeinnützige Arbeit zu verschaffen.

Die Veranstaltung fand am 1. November 2012 um 15:00 Uhr im Ratssaal des alten Rathauses Lutherstadt Wittenberg statt.

Folgende Projekte werden ausgezeichnet:



„Wer sich umdreht oder lacht“
Theaterjugendclub Chamäleon e.V., Wittenberg

Mit dem Stück „Wer sich umdreht oder lacht“ ruft der Theaterjugendclub „Chamäleon“ e.V. in Wittenberg ein dunkles Kapitel der DDR-Geschichte ins Gedächtnis. Das Stück handelt von der Geschichte des und den Erzählungen über den Jugendwerkhof Torgau, dem einzig geschlossenen Jugendwerkhof der ehemaligen DDR. Jugendliche des TJC-Chamäleon erarbeiteten das Stück zum Thema Heimerziehung in den DDR-Jugendwerkhöfen und führten es in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau auf. Durch die Aufarbeitung des Themas in Form eines Theaterstücks will das Projekt den Opfern der Jugendwerkhöfe ein Sprachrohr sein.
(ausgezeichnet mit 4.000,- €)

„Dorfakademie Höhenland“
Landblüte e.V., Höhenland

Der Verein Landblüte e.V. hat im Jahr 2009 in dem Brandenburgischen Dorf Höhenland die „Dorfakademie Höhenland“ gegründet. Weil insbesondere Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien im ländlichen Raum kaum Möglichkeiten haben, an Bildungs-, Sport- und Kulturveranstaltungen der umliegenden Städte teilzunehmen, bietet die „Dorfakademie“ ein Programm mit Workshops, Trainings und Projektarbeit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, mit dem die fehlenden Bildungs- und Freizeitangebote des Dorfes kompensiert werden. In der Dorfakademie werden Kinder zu Studierenden. Sie erhalten einen Studierendenausweis, der nach jeder Vorlesung abgestempelt wird. Wenn sie mindestens sechs Vorlesungen und Workshops besucht haben, erhalten sie ein „Diplom“.
(ausgezeichnet mit 4.000,- €)

„Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE in Dessau-Roßlau“
DAA – Deutsche Angestellten Akademie GmbH, Dessau-Roßlau

Das Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE hat sich 2009 als Bündnis aus 50 Vereinen, Institutionen und engagierten BürgerInnen der Stadt Dessau-Roßlau gegründet. Ausgangspunkt für die Netzwerkgründung war die Frage, wie die Bereitschaft zur aktiven demokratischen Mitgestaltung der Stadtgesellschaft erhöht werden kann. Das Netzwerk begreift sich als Schnittstelle, möchte Angebote bündeln und Kooperationen vertiefen. Das Netzwerk sieht die unbedingte Wahrung der universellen Menschenrechte und einer praktischen Zivilcourage als Voraussetzung und Vision für ein demokratisches Gemeinwesen. Zugleich wendet sich das Netzwerk gegen jegliche Form von Diskriminierung, Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Eine öffentlichkeitswirksame Maßnahme des Netzwerkes ist z.B. eine Reihe kreativ gestalteter Postkarten und Plakate unter dem Motto „Demokratie ist, was du draus machst“.
(ausgezeichnet mit 3.000,- €)

„Mobbing – Nein Danke! - Nie mehr gebückt über den Schulhof!“
Lübbenauer Jugendrechtshaus e.V., Lübbenau

Kinder und Jugendliche sind mehr denn je in Straftaten verwickelt und Mobbing ausgesetzt. Seit September 2010 wird Kindern der Klassen 3 bis 6 in dem Projekt „Mobbing – Nein Danke!“ des Lübbenauer Jugendrechtshauses e.V. vermittelt, welche Folgen gewaltsames Handeln haben kann. Indem die TeilnehmerInnen sowohl in die Opfer- als auch in die Täterrolle eintauchen, können sie besser erfahren was Gewalt auslösen kann. Es wird ein Erkenntnisprozess in Gang gesetzt und durch spielerisches Lernen wird gleichzeitig das Rechts- und Demokratiebewusstsein jedes Einzelnen gestärkt. Ziel des Anti-Mobbing-Trainings ist die Sensibilisierung jedes Einzelnen. Dazu gehört der Gewinn von Selbstsicherheit im Auftreten gegenüber anderen, Handlungsfähigkeit und Entscheidungssicherheit, die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Artikulations- und Argumentationsfähigkeit sowie die Kenntnis über Pflichten, Regeln und Verfahrensweisen.
(ausgezeichnet mit 3.000,- €)

„Blick schärfen – Für einen Harz ohne Rassismus“
Kultur, Bildung, Freizeit e.V., Ilsenburg

Der 1995 von 25 Jugendlichen gegründete gemeinnützige Verein „Kultur, Bildung, Freizeit e.V.“ ist ein anerkannter Träger der Kinder- und Jugendarbeit. Im Jahr 2009 initiierte der Verein das Projekt „Blick schärfen“, eine Internet-Kampagne gegen Rechtsextremismus. Blickschaerfen.de verfolgt das Ziel, ein demokratisches und tolerantes Grundverständnis gegen Rechtsextremismus zu stärken. Als Internetplattform liefert www.blickschaerfen.de aktuelle Informationen, aufklärendes Material und gibt Raum für Diskussionen. Schwerpunkt der Kampagne ist es, über Strategien rechtsextremer Gruppen und Parteien im Harz aufzuklären, Gegenstrategien aufzuzeigen und Zivilcourage gegen Rechts zu fördern. Zu diesem Zweck bietet das Projekt die schnelle Bereitstellung von Informationen und die Vermittlung von Hilfs- und Beratungsangeboten.
(ausgezeichnet mit 3.000,- €)

„Engagiert für Integration – Integrationsförderung für Kinder und Jugendliche“
Internationaler Bund e.V., Potsdam

Der Internationale Bund e.V. in Potsdam will mit dem im November 2010 gestarteten Projekt „Für starke Integration gemeinsam aktiv“ die Integration von vietnamesischen Eltern, Jugendlichen und Kindern in die Potsdamer Bürgergesellschaft verbessern. Dazu wird schrittweise eine Kombination aus Informations-, Diskussions-, Beratungs-, Sport-, Freizeit- und Kulturveranstaltungen durchgeführt. Es werden gezielt interessierte Deutsche ohne Migrationshintergrund genauso wie MigrantInnen anderer Nationalitäten. Ein Ziel besteht darin, MigrantInnenorganisationen im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit zu fördern und zu professionalisieren.
(ausgezeichnet mit 2.000,- €)

Ausstellung „Zukunftsbilder“
Refugium e.V., Magdeburg

Der Magdeburger Verein „refugium“ vertritt in Sachsen-Anhalt die Interessen von Kindern und Jugendlichen, die ohne Begleitung erwachsener Familienangehöriger aufgrund von Krieg, Verfolgung, Folter, Armut oder anderen Ursachen nach Deutschland geflüchtet sind. Refugium e.V. übernimmt Vormundschaften und unterstützt seine Mündel durch eine umfassende Personensorge in allen lebensnotwendigen Bereichen. Mit dem Ausstellungsprojekt „Zukunftsbilder“ will der Verein die Öffentlichkeit auf die minderjährigen Flüchtlinge aufmerksam machen. Die Bilder und Plastiken der Ausstellung wurden von den Kindern und Jugendlichen in einem Kreativseminar unter Anleitung eines Künstlers und eines Sozialpädagogen erstellt.
(ausgezeichnet mit 2.000,- €)

„PoLaR – Politische Bildung im ländlichen Raum“
Landesarbeitsgemeinschaft für politische Bildung Brandenburg, Potsdam

„PolaR - Politische Bildung im ländlichen Raum“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Ehrenamtlichen im ländlichen Raum und der Landesarbeitsgemeinschaft für politisch-kulturelle Bildung in Brandenburg. Ziel des im März 2010 gestarteten Projekts ist es, zivilgesellschaftliches Engagement und Partizipation in peripheren ländlichen Gebieten zu fördern. Es werden politische Bildungsveranstaltungen zur Förderung von demokratisch-zivilgesellschaftlichen Aktivitäten, ehrenamtlichem Engagement und tolerantem Miteinander in ländlichen Gebieten Brandenburgs durchgeführt. Diese werden gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt und erprobt. Thematisiert werden z.B. Gewalt, Rassismus, konfliktfreies Zusammenleben, Bürgerbeteiligung, regionale Entwicklung und Zivilcourage. Die Veranstaltungen im Rahmen von „PolaR“ sollen unter anderem der Abwanderung junger Menschen aus der Region entgegenwirken.
(ausgezeichnet mit 2.000,- €)

„Geschichte findet statt“
Initiativgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, Wolmirstedt

Seit September 2010 erforscht die Initiativgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums unter der Leitung der Lehrerin Andrea Schlaugat die Geschichte des jüdischen Friedhofs in Wolmirstedt. Die Gruppe engagiert sich dafür, die Erinnerung an den vergessenen Friedhof und an die Geschichte der jüdischen BürgerInnen der Stadt aufrechtzuerhalten und verbindet damit den Appell: „Keinen Rassismus, keine tödliche Ausgrenzung mehr!“ Im September 2010 errichtete die Gruppe zu diesem Zweck einen Gedenkstein auf dem Friedhof und veranstaltete einen „Jüdischen Abend“ in der Aula der Schule. Im Januar 2011 lud die Gruppenleiterin Frau Schlaugat einen australischen Historiker zu einem Diskussionsabend ein, da dieser im Rahmen seiner Forschung über Magdeburger Juden auch auf die aus Wolmirstedt vertriebene Familie Hermann gestoßen war.
(ausgezeichnet mit 2.000,- €)