28.11.2013

„Gehört nicht sehr viel Mut dazu Courage zu zeigen?“

Preisverleihungen im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ in Rostock und Dresden

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Foto: Die Preisträger in Rostock
Foto: Erster Bürgermeister Dresdens Dirk Hilbert und die Initiative "Rocktheater Dresden" (v.l.)
Es ist für den Großteil längst zu einer Gewohnheit geworden: eine Preisverleihung im Rathaus ihrer Stadt oder einer größeren Stadt in ihrem Bundesland. Im Publikum sitzen vertraute Gesichter, Kollegen und Gleichgesinnte, die ihre Freizeit und ihre Wochenenden dafür geben in Initiativen und Bündnissen etwas im Kleinen zu verändern. Neben den bekannten Gesichtern sind dort stets auch Würdenträger der Stadt, des Landes und Bundes. Anerkennung ist das vornehmliche Ziel der Preisverleihungen des Bündnisses für Demokratie und Toleranz. Anerkennung und Öffentlichkeit, denn die Regel „Tue Gutes und sprich darüber!“ sollte insbesondere für Projekte gelten, die sich mit ihrem Einsatz für Demokratie und Toleranz sehen lassen können.

Zwei solcher Preisverleihungen fanden nun am 27. April und am 5. Mai in Rostock und Dresden statt. Im barocken Festsaal des Rostocker Rathauses kamen sieben Projekte aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zusammen, um nicht nur die eigene Arbeit in einem Gespräch auf der Bühne vorzustellen, sondern auch um die Arbeit der anderen Initiativen und Träger kennen zulernen. Ausgezeichnet wurden sie von den Beiratsmitgliedern des BfDTs, Frau Abgeordnete Ulla Jelpke und Herr Prof. Dr. Benz, ehemaliger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Ein thematischer Schwerpunkt bildete sich in diesem Jahr im Norden Deutschlands zufällig heraus: Insgesamt drei Projekte veranstalteten so genannte Kinderdörfer oder Ferienfreizeiten, in denen mitunter das Kennenlernen der Erwachsenenwelt und das handfeste Erproben demokratischer Grundgesetze im Vordergrund stand und bei anderen eher der Fokus auf dem interkulturellen Ansatz lag. Trotz unterschiedlicher Umsetzung stand nicht nur in diesen drei Projekten der gegenseitige respektvolle Austausch im Vordergrund, sondern gemeinsam wurden Regeln und Aufgaben festgelegt, die den Kindern vermittelten, wie Gesellschaft im Großen wie im Kleinen funktioniert. Die Projektverantwortlichen des Kinderdorfs Steinhagen berichteten stolz und mit einem leichten Zwinkern vom hohen Gut der Ehrlichkeit und dem schwierigen Erfüllen der Erwartungen. Sobald ein auf Zeit gewählter Bürgermeister seine Versprechen nicht einlöste, wurde er ohne Umschweife seines Amtes enthoben.

Etwas weniger radikal ging es in Dresden zu. Der Erste Bürgermeister der Stadt, Dirk Hilbert, begrüßte die rund 90 Gäste und verwies in seiner Ansprache insbesondere auf die vielfältige Arbeit der Stadt Dresden und der an diesem 5. Mai auszuzeichnenden Dresdner Projekte. Zu den drei vor Ort ansässigen Initiativen gehört unter anderem Gerede e.V., ein Verein, der es sich seit 1989 zur Aufgabe gemacht hat durch den Besuch in Schulklassen gegen Vorurteile und Hass gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden vorzugehen. Mit Jugendlichen reden, sie für demokratische Ideen zu gewinnen und ihnen die Vergangenheit nahe bringen, macht sich auch der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau zur Aufgabe. Eine Betroffene dieser einzigen geschlossenen Disziplinierungseinrichtung berichtete mit eindringlichen Worten von ihren Beweggründen, sich für eine Aufarbeitung des Unrechts stark zu machen. Diese Einstellung: nicht wegzusehen, sondern hinzuschauen und nicht aufzugeben, stets weiterzumachen verbindet die acht Dresdner, Rostocker und bundesweiten Projekte miteinander. Auf Seiten des Bündnis-Beirats reiste zu dieser Preisverleihung auch Prof. Dr. Wolfgang Benz nach Dresden, um die Preisträger in einer persönlichen Laudatio zu würdigen. Er war es auch, der die Vereinsvorsitzende des Leipziger Courage zeigen e.V.’s, Edda Möller, fragte:  „Haben Sie nicht manchmal Angst? Gehört nicht sehr viel Mut dazu Courage zu zeigen?“ Frau Möller berichtete mit einiger Gelassenheit von den Drohungen, die gegen sie ausgesprochen wurden und von dem permanenten Druck, der auf sie ausgeübt wird und antwortete zum Schluss: „Nein, es bedarf keines Mutes. Wir müssen Courage zeigen. Wer wenn nicht wir!“