13.05.2009

Jugend- und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München

Foto: Tag der Begegnung; IKGFoto: Tag der Begegnung; IKG
Foto: 5 Tage, 5 Städte, 5 Länder; IKG
Foto: Jom Haschoa; IKG
Von Elina Sparberg (Jugend- und Kulturzentrum der IKG München)

Am 28. Juli 2008 wurde das Jugend- und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG) zusammen mit anderen Preisträgern im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ für drei Projekte ausgezeichnet. Zu den gewürdigten Projekten gehörten: „Tag der Begegnung“, „5 Tage, 5 Städte, 5 Länder“ und „Gedenkveranstaltung zum Jom Haschoa“.
Die Projekte wurden, wie es in der Urkunde heißt, ausgezeichnet mit einem Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“.
„Tag der Begegnung“ – An diesem Tag nutzten rund 15.000 Münchner die Gelegenheit, das neue Gemeindezentrum am Jakobsplatz zum ersten Mal zu besuchen. Sie lernten bei Führungen in der Synagoge die Architektur des Gebäudes und Symbole der jüdischen Religion kennen. Es wurde die enge Verbindung zwischen Geschichte und Alltag sichtbar. Im „Gang der Erinnerung“ werden die Gäste mit einer Glasinstallation konfrontiert, in der auf einer Länge von 32 Metern die Namen von rund viereinhalbtausend Juden eingraviert sind, die während der Schoa in München größtes Leid erlitten – eine Konfrontation mit Geschichte der gemeinsamen Heimatstadt.
„Literarische Gedenkveranstaltung zum Jom Haschoa“ – Für die IKG ist die Pflege der Erinnerung, gerade auch durch die junge Generation von größter Bedeutung. So veranstalteten die Jugendlichen von der Theatergruppe „Lo-Minor“ zum Holocaustgedenktag Jom Haschoa in der Synagoge eine eindrucksvolle Rezitation. Daran nahmen Kinder und Jugendliche teil; bei dieser besonders gestalteten Inszenierung wurden Texte und Gedichte jüdischer Kinder aus der Zeit der Verfolgung vorgetragen.
„5 Tage, 5 Städte, 5 Länder“ – Die IKG betreut seit über 15 Jahren jüdische Zuwanderer aus den GUS-Staaten. Heutzutage zählt die IKG knapp 2.000 Kinder und Jugendliche, die zum überwiegenden Teil aus den Zuwandererfamilien stammen. Um den jungen Migranten die Werte eines demokratischen Systems nahezulegen, die Offenheit der europäischen Staaten am Beispiel von England, Frankreich, Niederlande, Schweiz und nicht zuletzt auch Deutschland zu zeigen und somit einen Beitrag zum gelungenen Integrationsprozess zu leisten, entstand bei uns die Idee einer besonderen Art von Freizeitgestaltung. So reisten 40 Jugendliche des Jugendzentrum „Neshama“ eine knappe Woche durch Europa. Der Fokus des Projektes richtete sich u.a. auch auf jüdisches Leben in den o.g. Staaten. Die Teilnehmer bekamen die Möglichkeit andere Jugendliche in den jeweiligen Ländern kennen zu lernen und Bekanntschaften zu knüpfen.
Die grundlegende Idee in allen beschriebenen Projekten geht aus dem Konzept der IKG und vor allem aus der Jugend- und Kulturarbeit hervor. Seit dem Umzug an den Jakobsplatz hat das Interesse der Öffentlichkeit an einem Austausch enorm zugenommen. Wir führen jährlich über 50 Begegnungen mit Schulklassen, Jugendverbänden, aber auch mit Multiplikatoren unterschiedlicher Jugendhilfeträger durch. Es ist unser Anliegen, jüdisches Leben in München sichtbar zu machen, jüdische Tradition zu pflegen, unsere Mitglieder, vor allem Jugendliche aus den Zuwandererfamilien in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, und ebenso wichtig das Interesse der Öffentlichkeit nach Information und Partizipationsmöglichkeiten zufrieden zu stellen.
Inspiriert vom spürbaren Erfolg, der positiven Resonanz und öffentlichen Aufmerksamkeit haben wir in den letzten Monaten weitere interessante Projekte im interkulturellen und zivilgesellschaftlichen Bereich umgesetzt. So erwies sich etwa die „Interkulturelle Bildungsolympiade“ im Januar 2009 als beispielhaft. Dieses Bildungsprojekt richtete sich vor allem an engagierte Jugendliche aus evangelischem, katholischem, muslimischem und jüdischem Umfeld in München. Über 70 junge Teilnehmer verbrachten einen ganzen Tag im Jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz, um mit- und voneinander zu lernen. Angeboten wurden vielseitige Aktionen angefangen von Synagogenführung über einen Kalligrafieworkshop bis hin zu Improvisationstheater und gemeinsamem Essen (bayerisch, muslimisch, und dabei alles jüdisch-koscher). Somit wurde ein weiterer Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und zur Stärkung interkultureller Toleranz geleistet.
Als Religionsgemeinde mit knapp 10.000 Mitgliedern sehen wir unsere Pflicht auch in der Zukunft, durch unsere kontinuierliche Arbeit und ideenreiche Projekte das öffentliche Demokratie- und Toleranzverständnis mitzufördern.

Kontakt und Information gibt es unter Interner Linkwww.ikg-muenchen.de !