06.01.2009

Projekt „Ehrensache(n) Gegen Gewalt an Mädchen und Frauen im Namen der Ehre“ der Landeshauptstadt Düsseldorf

Preisträger im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2007"

Von Dorothea Radler (Fachstelle Integration der Landeshauptstadt Düsseldorf)

Nach Angaben der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes mussten in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren mehr als 40 Frauen sterben, weil sie aus Sicht der Familie traditionelle Normen und Regeln verletzt hatten. Im Februar 2005 wurde die 23jährige Hatun Sürücü von ihrem 19jährigen Bruder in Berlin erschossen. Dieser Mord "im Namen der Ehre" ist ein besonders trauriges Beispiel und hatte viele Personen in Düsseldorf aufgerüttelt - auch wegen des umstrittenen ergangenen Urteils.
Das Gleichstellungsbüro, die Fachstelle für Gewaltprävention und die Fachstelle Integration sowie der Düsseldorfer Appell der Landeshauptstadt Düsseldorf hatten vor diesem Hintergrund bereits 2006 zu einem ersten von vielen weiteren Netzwerktreffen eingeladen.
Wer von Gewalt im Namen eines tradierten Ehrbegriffs betroffen ist, benötige Rat, Hilfe und Unterstützung, so das Fazit der Netzwerktreffen. Gemeinsam sensible Themen anzupacken und zu einer Versachlichung der Debatte rund um Zwangsheirat und Ehrenmorde beizutragen, erkannten alle Beteiligten des Düsseldorfer Projekts als die primären Herausforderungen. Düsseldorfer Vereine, Verbände und Institutionen, die mit Einzelaktionen versuchen, die Gesellschaft für die Themen wie "Ehrenmorde" und "Zwangsheirat" zu sensibilisieren, stehen vor ähnlichen Schwierigkeiten. Deutlich wird, dass eine aufgeklärte Gesellschaft, die sich an den universellen Menschenrechtsnormen orientiert, Ehrenmorde an Mädchen und Frauen oder Zwangsheiraten - auch bei Männern - nicht hinnehmen kann.

Gemeinsam wurde eine Projektwoche geplant sowie ein Erfahrungsaustausch unterschiedlichster Stellen zur Thematik angeregt. Unterstützung fand das Projekt von Anfang an durch den Ausländerbeirat sowie den Kriminalpräventiven Rat. Im Mittelpunkt der Projektwoche stand die Ausstellung "Tatmotiv Ehre" der bundesweiten Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes e.V., die im Juni im Technischen Rathaus Düsseldorf gezeigt wurde und von Schulklassen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern besichtigt werden konnte. Düsseldorfer Migrantenvereine, Verbände mit dem Arbeitsschwerpunkt Integration, Polizei, Jugendfreizeiteinrichtungen und Schulen, Frauenberatungsstellen und -vereine sowie Kultur- und Bildungseinrichtungen trugen mit viel Eigeninitiative zu einem stadtweiten Aktionsprogramm bei.

Exemplarisch für die Vielfalt der Projektwoche sind folgende Veranstaltungen aufgeführt

  • mit Unterstützung der Fachstelle für Gewaltprävention wurde das Theaterstück "Klara und Abbas" für Schulklassen im "Jungen Schauspielhaus" aufgeführt,
  • die Beratungsstelle "Pro Mädchen e. V." hat einen Fachaustausch organisiert,
  • die Fachstelle Integration bot in Kooperation mit der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien eine Lehrerfortbildung zum Thema "Möglichkeiten und Grenzen der Prävention und Intervention von Zwangsheirat" an,
  • der Düsseldorfer Appell lud den promovierten Politologen Kemal Bozay zu einem Vortrag zum Thema "Ethnisierungsprozesse" ein,
  • der Stadtteilladen Flingern der Diakonie initiierte eine Diskussionsrunde zum Thema "Was meint Ehre?",
  • das Interkulturelle Migrantinnenzentrum (IMAZ) e. V. sprach die Zielgruppe jugendlicher Migrantinnen mit einem Empowerment-Training an,
  • der Verein für Frauenkommunikation, Pro Familia e. V. und die Frauenberatungsstelle Düsseldorf e. V. zeigten den Film mit dem Titel "Ehrenmorde - verfolgte Töchter, verlorene Söhne",
  • das Volkshaus der Einwanderer aus der Türkei führte eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Frauen und Frauenrechte im Islam" durch und
  • die Polizei beteiligte sich mit einer internen Fortbildung zum Umgang mit patriarchalisch geprägten Kulturen.


Mit dem Projekt „Ehrensache(n)" sollte ein wichtiges zivilgesellschaftliches Signal gesetzt werden: Integration bedeutet auch Akzeptanz von Werten und Normen der Geschlechterparität. Ein vorurteilsfreier zivilgesellschaftlicher Dialog soll im Rahmen des Projektes entstehen.

Die mit „Ehrensache(n)" gesetzten Impulse wurden in diesem Jahr fortgesetzt: So gab es zum Beispiel eine Podiumsdiskussion von Düsseldorfer Ratsmitgliedern mit der Soziologin Necla Kelek und Theateraufführungen des freien Werkstatt Theaters Köln „Wegen der Ehre / Namus icin" für Düsseldorfer Schulklassen. Gegenwärtig wird ein Leitfaden zur Thematik erarbeitet.



Kontakt


Gleichstellungsbüro der Landeshauptstadt Düsseldorf
Frau Irena Leuschner Tel. 0211 89 93605
Irena.Leuschner@stadt.duesseldorf.de

Fachstelle für Gewaltprävention der Landeshauptstadt Düsseldorf
Frau Martina Kampf-Kiefer Tel. 0211 89 95105
Martina.Kampf-Kiefer@stadt.duesseldorf.de

Fachstelle Integration der Landeshauptstadt Düsseldorf
Frau Dorothea Radler Tel. 0211 89 25798
Dorothea.Radler@stadt.duesseldorf.de

Düsseldorfer Appell
Herr Volker Neupert Tel. 0211 89 22023
Volker.Neupert@jugendring-duesseldorf.de



Interner LinkEhrensache(n) - Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Namen der Ehre / Stadt Düsseldorf
Interner LinkInternetauftritt der ersten Projektwoche „Ehrensache(n)“