14.09.2008

Das "Löwenhaus" - ein Projekt des ASB Hamburg

Preisträger im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2007"

Foto: Löwenhaus; ASB Hamburg
Foto: Löwenhaus; ASB Hamburg
von Leonie Werner und Rainer Micha
(Arbeiter-Samariter-Bund Hamburg)

Das Projekt Löwenhaus / LöwenArtHaus des ASB Hamburg ist eine Initiative, die Kindern aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien kostenlose Mahlzeiten, Hausaufgabenbetreuung und Angebote kultureller Bildung sowie Sport- und Freizeitaktivitäten zugänglich macht. Für das Projekt in Hamburg hat der ASB bisher noch keine öffentliche Unterstützung erhalten, dafür aber zahlreiche Preise und große Medienpräsenz . Der Erfolg und vor allem die erkennbaren Erfordernisse in Stadtteilen mit großem Entwicklungsbedarf ist sicher auf viele andere soziale Brennpunkte übertragbar.

Die Besonderheit des Löwenhaus-Konzeptes besteht in seiner Verknüpfung mit dem seit Jahren sehr erfolgreich laufenden ASB-Schulprojekt „Sozial macht Schule", in dessen Rahmen es Hauptschülern ermöglicht wird, Praktika in Tätigkeitsfeldern der sozialen Arbeit zu absolvieren. Im Löwenhaus werden durch sie die kleineren Kinder betreut. Die Herstellung von Mahlzeiten und die Durchführung aller anderen Aktivitäten werden dabei, unter Leitung und fachlicher Betreuung sozialpädagogischen Personals, von den Jugendlichen übernommen. Den Jugendlichen wird außerdem die Möglichkeit eines berufsorientierenden Jahrespraktikums geboten. Die Arbeit im Löwenhaus orientiert sich an den Bildungs- und Erziehungszielen von Jugendhilfe und Schule. Dazu gehören persönlichkeitsfördernde Maßnahmen ebenso wie schulfachliche und berufsvorbereitende Lerninhalte. Der Träger versteht sich mit diesem Angebot als Teil der freien Jugendhilfe.

Die Sozialgesetzbücher III und VIII geben der Jugendhilfe den Auftrag, sich Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen besonders anzunehmen und ihnen auch Hilfen beim Übergang von Schule in den Beruf zu geben. Die traditionellen Maßnahmen der Einzelfallhilfe haben vielfach keine hinreichende Nachhaltigkeit erzielen können. Ebenso produziert das Bildungssystem eine immer größer werdende Anzahl Jugendlicher, die die Hauptschule ohne Abschluss und damit ohne Perspektive verlassen. Die steigende Zahl der Fälle von Vernachlässigung und Verwahrlosung aufgrund von Überforderung junger Eltern erfordert neue Konzepte der Prävention und Unterstützung.

Das Interesse der Träger richtet sich zunehmend auf die Intensivierung oder Ausweitung solcher Erfolg versprechender Maßnahmen und Angebote, zu denen auch die Kooperationen mit Schulen, hier besonders mit Ganztagseinrichtungen, gehören. Der vom Bundesministerium (BMFSFJ) ausgerufene „Nationale Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland" erhofft sich darüber hinaus ausdrücklich nachhaltige Wirkungen durch Formen der Partizipation für Kinder und Jugendliche. Damit wird ein seit der Einführung des SGB VIII / KJHG (1991) gültiges didaktisches Prinzip der Jugendhilfearbeit erneut bestätigt. Im Löwenhaus erleben Kinder und Jugendliche, dass sie Verantwortung füreinander übernehmen und sich gegenseitig helfen und voneinander lernen können. Neben diesem wechselseitigen Kompetenzerwerb ist eine Teilhabe an Geschehnissen im Gemeinwesen (Sozialraum) und die Partizipation an allen Alltagsprozessen ein weiterer wichtiger Aspekt der Löwenhaus-Arbeit. Zu den zentralen Begriffen gehören Partizipation, Lebensweltbezug und Freiwilligkeit auf der Seite der Jugendhilfe, Diskursivität, Fachlichkeit und Wissenschaftsbezug auf der Seite der Schule.

Das Löwenhaus versteht sich als eine der möglichen organisatorischen und inhaltlichen Optionen, um Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen zu unterstützen. Der ASB tritt dabei als Träger auf und kooperiert mit Schulen ebenso wie mit z. B. den gewerblichen Unternehmen und Dienstleistern im Stadtteil, die die lokalen Repräsentanten für Erwerbsarbeit sind. SchülerInnen der Klassenstufen 9 und 10 übernehmen im Rahmen eines Jahrespraktikums (bzw. 2-Jahrespraktikums) im Löwenhaus berufsorientierende Aufgaben, sie erproben sich selbst als Vorbild in sozialen Situationen, in der sie sich bei der Unterstützung von Kindern und jüngeren Jugendlichen aus dem Stadtteil bewähren müssen. Im Zusammenwirken mit anderen Experten aus dem Stadtteil bietet das Löwenhaus gezielt solche Inhalte an, mit denen die Benachteiligungslage der Kinder und Jugendlichen insoweit kompensiert werden soll, dass sie eine erfolgreichere Schul- und Berufslaufbahn anstreben können.



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