01.06.2010

„Die Jugendlichen sind es, von denen die Zukunft abhängt.“

Jugendkongress 2010

Foto: Eröffnungveranstaltung beim Jugendkongress 2010
Foto: Begrüßungsrede von BfDT-Geschäftsführer Dr. Gregor Rosenthal im bcc
Foto: Abschlussplenum am 22. Mai
Der Jugendkongress 2010 des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) ist erfolgreich zu Ende gegangen! Vom 20. bis zum 24. Mai hat das BfDT über 400 Jugendliche nach Berlin eingeladen, um sich gemeinsam mit Demokratie und Toleranz in all ihren Facetten auseinanderzusetzen und gleichzeitig den zehnten Geburtstag des BfDT zu feiern. Unter dem diesjährigen Motto „Demokratie und Toleranz - Zukunft mitgestalten!“ hatten die Jugendlichen Gelegenheit, an vielfältigen Workshops und Außenforen teilzunehmen. Den Höhepunkt stellte wie jedes Jahr der Festakt zur Feier des Tages des Grundgesetzes am 23. Mai dar, bei dem das BfDT die Botschafter für Demokratie und Toleranz auszeichnete.

Schon die Einführungsveranstaltung am 20. Mai konnte die Jugendlichen begeistern. „Das war wirklich mal was anderes!“ rühmten die Jugendlichen die Veranstaltung im Anschluss. BfDT-Geschäftsführer Dr. Gregor Rosenthal und die stellvertretende Leiterin der BfDT-Geschäftsstelle Kim Hartmann richteten in ihrer Begrüßung nicht nur informative, sondern auch motivierende Worte an die Teilnehmer. Das trug auch sogleich Früchte: Nach den Auftritten der Band „Radiopilot“ und des Theaterensembles „Eukitea“ sollten sie selbst aktiv werden. Unter Anleitung von Moderator Markus Gummersbach beteiligten sie sich an verschiedenen Spielen und Aktionen, um sich auch außerhalb ihrer Gruppen besser kennenzulernen. Es dauerte kaum eine Stunde und das Eis war gebrochen: Der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit in den Workshops war gelegt.

Denn die kommenden zwei Tage hieß es für die Jugendlichen, den Markt der Möglichkeiten zu besuchen und an den zahlreichen Außenforen und Workshops teilzunehmen. Das BfDT hatte in diesem Jahr verstärkt auf die Verbindung von Inhalt und Methodik gesetzt. Dementsprechend waren die Kreativ-Workshops wie Rhetoriktraining, Theater-Workshop und Projektmanagement schnell ausgebucht. Aber auch andere Bereiche fanden regen Zulauf. Der Workshop „Stück für Stück ins Homoglück“ von Jörg Steinert, dem Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg e.V., wurde gleich mehrmals angeboten. „Die Jugendlichen sammeln Argumente gegen Diskriminierung, diskutieren Vorstellungsbilder von Homosexualität in Vergangenheit und Zukunft und spielen selbst eine Coming-out-Situation durch“, erklärte Steinert. Die Nachfrage und das Interesse an diesem Thema seien ungebrochen hoch bei den Jugendlichen. Dementsprechend engagiert waren die Gruppenarbeit und die Diskussionen in diesem Workshop.

Doch nicht nur die inhaltliche Arbeit im Berlin Congress Center (bcc) stand für die Jugendlichen auf dem Programm. Sie nahmen außerdem an Außenforen teil, die immer ein ganz besonderes Erlebnis sind. In den Außenforen besuchten die Jugendlichen historische und authentische Orte, um sich dort mit verschiedenen Themen zu befassen. Sie erlebten zum Beispiel ein Stück jüdischen Alltags und Geschichte im Centrum Judaicum, das echte Kreuzberg fernab von Klischees beim X-Berg-Tag und muslimische Kultur aus erster Hand beim Besuch der Şehitlik-Moschee. In die deutsche Vergangenheit führte sie die „Topographie des Terrors“, Dokumentationszentrum und „Ort der Täter“, das über die Zentralen des SS- und Polizeistaats und die europäische Dimension der NS-Schreckensherrschaft informiert. Auch der Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen war für viele ein wichtiges Erlebnis - dort führten einstige Insassen die Kongressteilnehmer durch das ehemalige Stasi-Gefängnis.

Eine Teilnehmergruppe hatte die besondere Aufgabe, den Jugendkongress zu dokumentieren. Die Jugendlichen des Medienprojekts Wuppertal begleiteten die verschiedenen Veranstaltungen des Jugendkongresses mit der Kamera. Ihr Fokus: der zehnte Geburtstag des BfDT! Sie sammelten Gratulationen, aber auch Wünsche und Kritik an das BfDT und machten daraus einen Film mit vielfältigen Impressionen. Dieser wurde beim Abschlussplenum mit allen Kongressteilnehmern gezeigt. In einer offenen Diskussionsrunde, an der auch Dr. Gregor Rosenthal und Kim Hartmann teilnahmen, wurde der Film dann ausgewertet: Was wünschen sich die Jugendlichen vom BfDT? Gelobt wurde das vielfältige inhaltliche Angebot, die gute Organisation und die Gelegenheit, Jugendliche aus der ganzen Welt kennenzulernen. Die Wünsche betrafen vor allem eine Ausweitung der Aktivitäten. Der Jugendkongress solle auch auf Landesebene stattfinden, länger dauern und mehr Jugendliche ansprechen. „In diesem Jahr war uns besonders wichtig, dass von den 420 Jugendlichen etwa ein Drittel bislang noch nicht zivilgesellschaftlich aktiv war“, sagte BfDT-Geschäftsführer Rosenthal. Man habe die Hoffnung, den Teilnehmern durch das Angebot eine Menge Impulse und Anregungen für ein eigenes Engagement gegeben zu haben. Denn der Jugendkongress ist zwar auch eine Belohnung für bereits Aktive, möchte sich aber noch stärker der Vernetzung und der Motivation seiner Teilnehmer widmen. „Regionale Graswurzelarbeit ist eine Aufgabe, der wir uns gern widmen“, so Rosenthal. Die Anregungen dazu wird das BfDT in sein Programm übernehmen.

Der Höhepunkt des Jugendkongresses war schließlich der 23. Mai, der Tag des Grundgesetzes. Direkt vom Ökumenischen Gottesdienst ging es für die Jugendlichen zum Festakt im Haus der Kulturen der Welt, wo das BfDT die Botschafter für Demokratie und Toleranz 2010 ernannte. In diesem Jahr konnten sich Zeitzeuge Franz Rosenbach, der die Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebte; Heiko Lietz, der einen großen Beitrag zu Aufarbeitung des SED-Diktatur leistet; der Berliner Lichtjugend e.V., bei dem sich junge muslimische Akademiker für interreligiösen Dialog einsetzen; AWO-Tagesgruppenleiter Thomas von Glahn und die Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus „Zossen zeigt Gesicht“ über die Ehrung freuen. Überreicht wurden die Urkunden an die Botschafter für Demokratie und Toleranz von den BfDT-Beiratsmitgliedern Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Roland Eckert, Prof. Wolfgang Benz, Uta Leichsenring und BfDT-Geschäftsführer Dr. Gregor Rosenthal. Neben den Teilnehmern des Jugendkongresses waren auch viele Freunde und Partner des BfDT erschienen, um den zehnten Geburtstag feierlich zu begehen. Besonders erfreut war das BfDT über die ehemaligen Botschafter der letzten zehn Jahre, wie Hans Bonkas und Isaac Behar, die ebenfalls den Weg nach Berlin gefunden hatten. Untermalt von den Auftritten der Soulsängerin Joy Denalane und des Improvisationstheaters „Steife Brise“ endete das festliche Programm, durch das Moderatorin Özlem Sarikaya (Bayrischer Rundfunk) das Publikum geführt hatte. „Man hat sich stolz gefühlt, dass man dabei sein durfte!“ sagte Laura, die mit ihrer Gruppe aus Hanau angereist war.

Vorüber war das Programm des Jugendkongresses aber noch nicht - erst ging es noch zur Abschlussparty in der Kalkscheune. Dort wartete neben einem umfangreichen Buffet der Deutsche Meister im Beatboxen Mando auf die Jugendlichen. Auch hier zeigte sich die besondere Atmosphäre, die während des Jugendkongresses entstanden war: Trotz des langen Tages feierten die Kongressteilnehmer ausgelassen und harmonisch miteinander. „Wir werden diese Tage im Herzen behalten!“ verabschiedete sich Noemi von der Akademie Klausenberg am Ende des Abends.

Auch das BfDT hat wieder dazugelernt, um in den nächsten Jahren noch besser auf die Jugendlichen eingehen zu können. Sie sind es, von denen die Zukunft der Demokratie abhängt. Im Hinblick auf zehn Jahre BfDT fasste Geschäftsführer Rosenthal zusammen: „Für uns bleibt die Unterstützung für Demokratie, für Toleranz, für die individuelle Freiheit und vor allem die Freiheit des Anderen und des Andersdenkenden eine Daueraufgabe, der wir uns auch in den nächsten 10 Jahren mit Engagement, Kreativität und vor allem Begeisterung stellen möchten.“



Programmheft


Download-IconHier finden Sie das Programmheft des Jugendkongresses 2010