21.05.2010

Besondere Orte beim Jugendkongress 2010

Kultur und Geschichte in der Hauptstadt

Foto: Topographie des Terrors (Stefan Josef Müller/Stiftung Topographie des Terrors)
Foto: Topographie des Terrors (Stefan Josef Müller/Stiftung Topographie des Terrors)
Foto: Şehitlik-Moschee
Foto: Neue Synagoge Berlin (Stiftung Neue Synagoge)
Aus ganz Deutschland kommen die Teilnehmer zum Jugendkongress des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) rund um den Verfassungstag und setzen sich dort mit den Themen auseinander, die unsere Demokratie bewegen. Mit dem Veranstaltungsort Berlin eröffnen sich ergänzend großartige Möglichkeiten, die Hauptstadt in ihren vielseitigen Facetten zu erleben – und dabei zu lernen! Das BfDT bietet deshalb als festen Bestandteil des Jugendkongresses verschiedene Außenforen an, die die inhaltliche Arbeit mit konkreter Erfahrung und intensiver Wahrnehmung verbinden. Berlin als Ort gelebter Geschichte und offener Multikulturalität hat viele sehenswürdige Seiten, die es für die Jugendlichen beim Kongress zu entdecken gilt. Zu den spannendsten Plätzen zählen zum Beispiel die Topographie des Terrors, die Şehitlik-Moschee und das Centrum Judaicum.

Die Topographie des Terrors ist ein seit 1987 bestehendes Projekt zur Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors der Nationalsozialisten. Es ist aber auch selbst ein Ort der Geschichte. Von 1933 bis 1945 befanden sich auf dem Gelände der Topographie des Terrors nahe dem Potsdamer Platz die wichtigsten Zentralen des nationalsozialistischen Terrors: das Geheime Staatspolizeiamt mit eigenem „Hausgefängnis”, die Reichsführung-SS und während des Zweiten Weltkriegs auch das Reichssicherheitshauptamt. Nach vielen baulichen Veränderungen, deren Stufen in der heutigen Architektur des Gebäudes mitreflektiert und nachlesbar sind, wurde die Topographie gerade erst am 6. Mai 2010 von Bundespräsident Horst Köhler neu eröffnet. Die Kongressteilnehmer werden also unter den ersten der jährlich 500.000 Besucher sein, die das Dokumentationszentrum in neuem Gewand sehen. Dabei können sie nicht nur der Topographie als historischem „Ort der Täter“ nachforschen, sondern sich auch authentisch über die Zentralen des SS- und Polizeistaats und die europäische Dimension der NS-Schreckensherrschaft informieren.

Ein Hauch Istanbul weht von der Şehitlik-Moschee aus durch Neukölln. Die Moschee im klassisch-osmanischen Stil wurde 1983 auf dem türkischen Friedhof am Columbiadamm erbaut und zwischen 1999 und 2005 noch einmal erweitert. Heute erstrahlt sie im Weiß von Keramik und Marmor, die hauptsächlich für den Bau verwendet wurden. Doch die Moschee ist nicht nur eine kleine architektonische Sensation, sie dient vor allem den Muslimen aus den umgrenzenden Gegenden als lebendiges Gebets-, Gemeinde- und Begegnungszentrum. Auch Gäste sind willkommen – die Vermittlung zwischen Islam und anderen Religionen liegt der muslimischen Gemeinde am Herzen. Die Teilnehmer des Jugendkongresses werden beim Außenforum „Muslimisches Leben in Deutschland“ vielleicht zum ersten Mal überhaupt einen solchen Ort besuchen. Dort treffen sie außerdem auf Aiman A. Mayzeck, den Geschäftsführer des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), der alle aufkommenden Fragen beantworten wird.

Der Dreh- und Angelpunkt der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist die „Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum“. Die 1866 geweihte Synagoge konnte der Zerstörungswut der Nationalsozialisten glücklicherweise teilweise entgehen – die Bausubstanz wie auch einzelne Einrichtungsgegenstände konnten restauriert werden. Nach dem Wiederaufbau bis 1995 ist die Neue Synagoge zu einem der wichtigsten und gleichzeitig schönsten Denkmäler und Erinnerungsorte der jüdischen Gemeinde Berlins geworden. Außerdem ist sie in ihrem Selbstverständnis nicht nur Betstätte, sondern auch Versammlungshaus, Lehr- und Lernstätte. Ausstellungen, Publikationen und interreligiöse bzw. interkulturelle Begegnungen prägen den Alltag des Centrum Judaicum. Es hat so architektonisch wie konzeptionell den eigenen Anspruch umgesetzt, Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft zu sein und die Tradition jüdischen Lebens in Berlin zu stärken. Beim Außenforum des Jugendkongresses wird es nach der Führung durch das Centrum ein Gespräch zwischen Schülern der Jüdischen Oberschule und den jugendlichen Teilnehmern geben, das von Autorin Yael Kupferberg moderiert wird. So erleben die Kongressteilnehmer vor Ort die beiden Dimensionen des Centrum Judaicum: als Informationsstelle und als Begegnungszentrum jüdischen Lebens in Berlin.


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