Bei uns nichts Neues

Filmveranstaltung: Menschen von heute lesen Briefe einer jüdischen Familie in Berlin 1940-1943



Bei uns nichts neues (Bild: Bildungszentrum Mer Ketne)
Dokumentarfilm von Shimon Lev
Dramaturgie, Recherche, ausführende Produzentin: Astrid Vehstedt
Kamera und Ton: Shimon Lev, Friedemann Derschmidt
Editor: Ido Glass
Mit: Bewohnerinnen und Bewohnern der Thomasiusstraße 11 Berlin
Dauer: 65’
Berlin/Tel Aviv 2014

Anschließend Filmgespräch mit Shimon Lev und Astrid Vehstedt



Hintergrund:
Berlin, 09.November 1938: die Gestapo hämmert an der Wohnungstür der Familie Löw in Berlin Tiergarten, Thomasiusstrasse 11, Hinterhof, um den Vater Nuchem zu verhaften, doch er ist nicht zu Hause. Im Januar 1939 flieht der 16-jährige Sohn Willy mit einem Kindertransport nach England, die 11-jährige Liane zu Verwandten nach Brüssel. Als im Sommer 1940 deutsche Truppen Belgien und Frankreich überfallen, fliehen die Verwandten mit Liane von Brüssel nach Frankreich. Sie erhalten Visa nach Amerika doch Liane kann nicht mit. Im Januar 1941 ist sie wieder bei ihren Eltern in Berlin. Willy ist als „enemy alien“ in einem Kriegsgefangenenlager in England interniert.

Der Film:
Der Dokumentarfilm „Bei uns nichts Neues“ erzählt die dramatischen Ereignisse anhand von 24 der insgesamt 60 Briefe und Rot-Kreuz-Telegramme, welche die Eltern Erna und Nuchem Löw und Liane zwischen 1940 und 1943 aus Berlin an Willy schreiben. Einige Antworten von Willy sind ebenfalls erhalten. Manchmal brauchen die Briefe Monate, und man weiss nicht, ob die Adresse noch stimmt und der Adressat überhaupt noch lebt. Liane und ihre Eltern werden am 17.Mai 1943, als letzte jüdische Familie in der Thomasiusstraße, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Willy ist der einzige Überlebende der Familie.

Im Zentrum des Films stehen die Briefe von Liane. Zwischentitel geben Auskunft über die geschichtlichen Ereignisse. Heutige Bewohner des Hauses Thomasiusstraße 11 lesen die Briefe in ihren Wohnungen. Der Film hält die Erinnerung an diese Menschen wach, die die Nationalsozialisten auslöschen wollte.

Dr.Shimon Lev
Ist der Sohn von Willy Löw. Geboren in Jerusalem. Künstler, Fotograf, Kurator und Forscher für „Indian studies“ und schloss seine Dissertation 2016 an der Hebrew University ab. Er nahm als Fotograf an zahlreichen Gruppenausstellungen teil und kuratierte 2016 die Ausstellung „The Camera Man: Women and Men Photograph Jerusalem 1900-1940“ im Tower of David Museum. Zu seinen Publikationen zählen: “The Story of Mahatma Gandhi and Hermann Kallenbach“ (New Delhi: Orient BlackSwan 2012). Er ist der Herausgeber der hebräischen Edition von M.K. Gandhi: Satyagraha in South Africa (Tel Aviv, Babel, 2014) und Hind Swaraj (Tel Aviv, Adam VeOlam 2014)

Astrid Vehstedt
Regisseurin und Schriftstellerin, geboren in Blankenese, wohnt heute in der Thomasiusstraße 11. Sie ist Regisseurin/Bühnenbildnerin und Schriftstellerin. Engagements im Musik- und Sprechtheater in Brüssel, London und Paris. In Brüssel gründete und leitete sie das „ensemble interculturel“ für zeitgenössischen Musiktheater und arbeitete mit der „Fondation Auschwitz Brüssel“ zusammen. Zahlreiche Inszenierungen auf internationaler Ebene (2017 in Bagdad) sowie literarische Publikationen und Bühnenwerke. Sie ist Mitglied des PEN- Clubs.


Datum:27.09.2018, 19:00
Veranstaltungsort:Bildungszentrum Mer Ketne

Königstr. 3
32423 Minden
Veranstalter:Verein Deutscher Sinti e.V., In Zusammenarbeit mit der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft e.V.

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