Preisverleihung in Chemnitz

Zehn Projekte wurden geehrt

Am Donnerstag, den 11. April 2013 wurden zehn Projekte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als Preisträger des bundesweiten Wettbewerbes „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2012 geehrt. Die Preisverleihung fand im Rathaus der Stadt Chemnitz, dem sogenannten „Doppelrathaus“, bestehend aus einem alten Teilgebäude aus dem 15. Jahrhundert und einem neueren aus dem 20. Jahrhundert, statt.
Die Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, Barbara Ludwig, würdigte gemeinsam mit Monika Lazar, MdB und Mitglied im Beirat des BfDT, sowie dem Leiter der Geschäftsstelle, Dr. Gregor Rosenthal, die ehrenamtliche Arbeit und das Engagement der Preisträger. Nach der öffentlichen Preisverleihung konnten sich Gäste und Preisträger bei einem Empfang vernetzen und über ihre zukünftigen Projekte austauschen.
Die Initiative Antifaschistischer Ratschlag Thüringen aus Jena lehnte während der Preisverleihung überraschend die Entgegennahme der Auszeichnung durch Verlesung einer Erklärung ab. Da das Preisgeld für die Auszeichnung bereits – wie üblich – im vergangenen Dezember überwiesen und auch kommentarlos entgegengenommen wurde, wurde eine Rückerstattung des Betrages in Höhe von 4.000 Euro geltend gemacht.

Folgende Projekte wurden ausgezeichnet:


Jugendbeirat der Stadt Glauchau



Stadt Glauchau

Der Jugendbeirat der Stadt Glauchau wurde am 01.04.2011 für die Dauer von zwei Jahren gewählt und besteht aus zehn Jugendlichen und zwei politisch erfahrenen Stadträten. Der Jugendbeirat setzt sich als jugendpolitisches Gremium aktiv für die Interessen der Kinder und Jugendlichen ein und transportiert deren Anliegen in Stadtrat, Verwaltung, Jugendhilfeausschuss oder in das Netzwerk "Jugendarbeit". Die Beiratsmitglieder im Alter von 15 bis 24 Jahren treffen sich mindestens einmal im Monat. Als Sprachrohr der Kinder und Jugendlichen ermöglicht er politische und gesellschaftliche Mitbestimmung. Dafür suchten die Beiratsmitglieder alle Kinder- und Jugendeinrichtungen in der Stadt auf und informierten sich über die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Herausforderungen der Stadt. (ausgezeichnet mit 3000€)

 

Gedenkaktion „Mahnwache und Stolpersteine putzen“

Initiative „Mahnwache und Stolpersteine putzen“, Leipzig

Seit 2008 ruft die Initiative „Mahnwache und Stolpersteine putzen“ aus Leipzig jährlich am 9. November, dem Gedenktag an die Reichspogromnacht, Bundesländer übergreifend dazu auf, Mahnwachen an Stolpersteinen durchzuführen und die Stolpersteine zu reinigen. Damit soll die Erinnerung an die Menschen, derer mit den Stolpersteinen gedacht wird, geweckt werden. Das Reinigen der insgesamt 90 Stolpersteine in Leipzig steht unter dem Motto „Die Verbrechen wieder sichtbar machen!“ Einzelpersonen, Jugendgruppen, Vereine, Schulklassen, Politiker/-innen etc. suchen sich im Vorfeld Stolpersteine und damit Personen aus, setzen sich mit deren Lebensweg und Schicksal auseinander. Die Mahnwachen werden mit einem gemeinsamen Gedenken an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße eröffnet. Die Leipziger Initiative wird komplett ehrenamtlich getragen und hat die Koordination der Gedenkarbeit mit einer Website ergänzt, die auch eine Online-Registrierung für die ehrenamtlichen Denkmalpfleger/-innen anbietet. (ausgezeichnet mit 3000€)

 

Vielfalt in Einklang

Wir - Gemeinsam in Zwickau e. V., Zwickau

Das Projekt „Vielfalt in Einklang“ des Vereines Wir – Gemeinsam in Zwickau e.V. engagiert sich seit August 2010 aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile und Diskriminierung jeder Art. Mit Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen, Ausstellungen, Theaterprojekten, Podiumsdiskussionen und starkem ehrenamtlichen Engagement werden all jene angesprochen, die sozial benachteiligt sind. Dazu werden von den insgesamt 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen verschiedene Veranstaltungen organisiert sowie Workshops zur Erweiterung der Medien- und Sozialkompetenzen. Zu den vielfältigen Angeboten und Aktivitäten zählen unter anderem die Karawane der Kulturen im Rahmen der bundesweit stattfindenden Interkulturellen Woche, Informationsstände beim Zwickauer Stadtfest, die Wanderausstellung „Frauenpower für Frieden und Menschlichkeit“ und ein Theaterprojekt zum Thema Migration. Durch das Theaterprojekt hatten Kinder die Möglichkeit, auf kreative Weise ihren eigenen Ansatzpunkt zu finden, sich mit Vorurteilen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinanderzusetzen. Die Aufführung wurde anlässlich der Tage der Demokratie und Toleranz in der Zwickauer Region in der Aula der Grundschule am Scheffelberg aufgeführt (ca. 250 Zuschauer). Bisher haben mehr als 600 Zuschauer/-innen die Aufführungen verfolgt. (ausgezeichnet mit 3000€)

 

Bunter Schall - Familienfest Kollm -

Bunter Schall als Widerhall, Löbau

Die Initiative „Bunter Schall als Widerhall“ aus Löbau hat sich 2011 als Aktionsbündnis zusammengeschlossen, um öffentlichkeitswirksame Aktionen rund um den Quitzdorfer Stausee gegen das „Deutsche Stimme Pressefest" der NPD zu etablieren. Die Ziele bestehen darin, über die menschenverachtenden Inhalte des Pressefestes und dessen Organisatoren aufmerksam zu machen. Die Bevölkerung aus den Gemeinden Waldhufen und Vierkirchen und der näheren Umgebung wird dadurch sensibilisiert und dazu aufgerufen, sich an dem Protest zu beteiligen. Nachdem das Bündnis 2011 erfolgreich eine Gegenveranstaltung zum Pressefest durchführen konnte, wurde auch für 2012 eine Veranstaltung, das Familienfest in Kollm, geplant und durchgeführt. Die Gegenveranstaltung „Familienfest“ fand am 11. August 2011 statt und wurde bereits im Vorfeld aktiv durch Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzungsarbeit beworben. (ausgezeichnet mit 3000€)

 

Aktiv gegen Thor-Steinar im Stadtviertel

Bündnis Bunter Brühl, Chemnitz

Das Bündnis Bunter Brühl gründete sich Anfang März 2012 in Reaktion auf einen Laden namens "brevik", der die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar vertreibt und mit der Namensgebung stark an den rechtsextremen Massenmörder Breivik erinnert. Mit vielfältigen Aktionen, die verschiedene Akteure einbeziehen und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, protestiert das Bündnis seitdem gegen das Geschäft in einem Stadtviertel, welches zunehmend familiär und studentisch belebt werden soll. Zudem engagiert sich das Bündnis für die Sensibilisierung der Anwohner/-innen und die Aufklärung über Codes der rechtsextremen Szene. Neben den verschiedenen kreativen Protestaktionen, wie einer öffentlichen Vernissage am 8. Mai und Flashmobs gegen das Ladengeschäft, veranstaltet das Bündnis im Juni ein großes Bürgerfest, das von Sportvereinen, Jugendgruppen, der AG-In und Ausländer, dem Stadteilzentrum und lokalen Musikern/-innen getragen wurde. (ausgezeichnet mit 2000€)

 

Sicher mit dem Bus zur Schule

KEG e. V., Naumburg

Das Projekt „Sicher mit dem Bus zur Schule“ vom KEG e.V. in Naumburg hat das Ziel, die Schülerinnen und Schüler in theoretischen und praktischen Belangen auszubilden und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Seit 2009 setzen sich ca. 300 Jugendliche täglich für ein friedliches und respektvolles Miteinander im Schulbus, an den Haltestellen und in der Schule ein. Sie fördern damit Demokratie und Toleranz in ihrem direkten Umfeld. In einer 24stündigen schulformübergreifenden Grundausbildung und regelmäßigen Weiterbildungen werden die Jugendlichen der 7. bis 12. Klasse der weiterführenden Schulen in Sachsen-Anhalt und Thüringen geschult und fit gemacht für den Einsatz als Schulbusbegleiter. Dadurch sollen die Fahrten in den Bussen des ÖPNV sicherer werden und die Schüler/-innen in ihrer Eigenverantwortung und in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt werden. Nach der Ausbildung sollen die Schüler/-innen in der Lage sein, Streitereien zu schlichten und deeskalierend und konflikt-lösend aufzutreten. (ausgezeichnet mit 2000€)




Sport & Fun gegen Frust & Gewalt

Gemeinschaftsprojekt der Stadt Nienburg (Saale) und der Stiftung Ev. Jugendhilfe Bernburg, Bereich Landjugend

Das Präventionsprojekt „Sport & Fun gegen Frust & Gewalt“ von der Stadt Nienburg (Saale) und der Stiftung Ev. Jugendhilfe aus Nienburg (Außenstelle) wurde aufgrund von rechten Vorkommnissen im Jahr 2006, nach der Gründung des Nienburger Bündnisses für Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus und Gewalt ins Leben gerufen. Seit Juni 2007 findet der Sport- und Kulturtag für Kinder und Jugendliche in Nienburg (Saale) statt. Die Veranstaltung wird von drei Säulen getragen: Sport, einem kulturellen Rahmenprogramm (gestaltet durch Kinder und Jugendliche) und Prävention zum Thema „Gewalt“. Im Bereich Sport werden so beispielsweise Street-Soccer-Turniere, Beachvolleyball, Leichtathletik und eine „Friedensfahrt“ mit dem Fahrrad angeboten. Im Kulturbereich bietet die Veranstaltung vielfältige Musikangebote von Nachwuchsbands der Region und Präsentationen und Aufführungen von lokalen Jugendgruppen. Zum Thema Gewaltprävention geben insbesondere die freien Träger der Jugendhilfe und Institutionen wie DRK, THW und Feuerwehr und Sportbund Einblicke in ihre Arbeit und bieten ein breites Informations- und Mitmachangebot. Das Ziel ist es, mit vielseitigen Angeboten den Teilnehmenden Möglichkeiten der Bewegung, der Gesundheitsförderung, Methoden des Aggressionsabbaus, der Integration und der Prävention aufzuzeigen. (ausgezeichnet mit 2000€)




100 Bilder für Demokratie und Toleranz

Kunstplattform Sachsen-Anhalt e. V., Bitterfeld-Wolfen

Das Projekt „100 Bilder für Demokratie und Toleranz“ ist entstanden aus einer Initiativgruppe der Kunstplattform Sachsen-Anhalt e.V. Mit dem Ziel der aktiven Auseinandersetzung mit demokratischen Werte und Toleranz erarbeiteten 12 engagierte Mitglieder der Kunstplattform zusammen mit Jugendlichen in Freizeiteinrichtungen, mit Schülerinnen und Schülern, mit Auszubildenden, mit Teilnehmenden an berufsvorbereitenden Lehrgängen und mit arbeitslosen Jugendlichen aus dem Ortsverbund Bitterfeld-Wolfen eine Ausstellungsinstallation aus 100 Bildern. Die Installation zum Thema „Demokratie und Toleranz“ wurde großformatig vom 21.06. bis 28.06. 2012 auf dem stark frequentierten Rathausplatz in Wolfen und vom 29.06. bis 05.07. 2012 im öffentlichen Raum des Stadtzentrums von Bitterfeld präsentiert und parallel dazu auf Webseiten kommentiert und diskutiert. (ausgezeichnet mit 3000€)

 

Engagement für Demokratie

Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus, Weimar

Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) aus Weimar engagiert sich seit 2000 aktiv gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Region. Aktuell gibt es sechs Mitglieder im Sprecherrat, der ehrenamtlich die anfallende Organisations-, Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Bürgerbündnisses organisiert. Ziel ist es in der Region Aufklärungsarbeit zu rechtsextremen Aktivitäten zu leisten und Bildungsangebote für Bürger/-innen und insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen, die junge Menschen für die Gefahren von Rechtsextremismus sensibilisiert und sie bestärkt, sich für Demokratie und Toleranz zu engagieren. Als Beispiel stehen hierfür die seit 2008 jährlich stattfindende der "Schulübergreifende Projekttage“ für Demokratie, bei dem Zeitzeug/-innen in die Bildungsarbeit eingebunden werden. Ein anderes Beispiel stellen die bereits ausgezeichnet "Laien-Deeskalationsteams" dar, welche bei sogenannten „Public Viewings“ im Rahmen von Fußballländerspielen präsent sind, um rassistische oder gewalttätige Übergriffe zwischen Fußballfans vor Ort zu verhindern. (ausgezeichnet mit 2000€)

 

unique – Interkulturelles Magazin

Unique e. V., Jena

Das Magazin „unique“ ist ein junges Zeitungsprojekt, welches sich mit inter- und subkulturellen Themen beschäftigt. Seit 2001 wird das Magazin vom UNIQUE e.V. herausgegeben und zielt darauf ab, den konstruktiven Dialog zwischen einheimischen und internationalen Studierenden zu fördern. Die Redaktion von unique ist bestrebt nicht nur über Menschen und deren verschiedene Kulturen zu berichten, sondern diese Menschen auch selbst zu Wort kommen zu lassen und als Redaktionsmitglieder und Journalisten/-innen aktiv einzubinden. Dazu druckt das Magazin deutsch- und fremdsprachige Gastartikel ab und konnte so schon u.a. Beiträge aus Ägypten, Singapur, Chile, Kasachstan und dem Jemen veröffentlichen. Fremdsprachige Artikel werden durch eine deutsche Übersetzung auf der Website ergänzt. Die vier Ressorts des Magazins (WeitBlick, EinBlick, LebensArt, WortArt) setzen sich mit Themenspektren aus Politik, Gesellschaft und Kultur sowie Literatur und Sprache auseinander. Die Redaktion arbeitet dabei vollständig ehrenamtlich, das Magazin erscheint vier mal jährlich und wird kostenlos an verschiedenen Hochschulstandorten sowie in öffentlichen und kulturellen Einrichtungen in Jena, Weimar und Erfurt verteilt. (ausgezeichnet mit 3000€)


 

Aktiv-Preisträger/-innen erzählen von ihrem Engagement

Zum Anschauen der Audio-Dateien benötigen Sie Flash und Javascript
Audiopodcast über das Projekt: Güntersen, BUNT statt BRAUN
< vorheriger Clip
nächster Clip >

Informiert bleiben

Facebook
YouTube

Logo BPB
Seit 2011 ist die Geschäftsstelle des BfDT Teil der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb