Öffentliche Auszeichnung und Anerkennung in Freiburg

Preisverleihung des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2009“ in Freiburg im Breisgau am 29. Oktober 2010

Die Preisträger im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses
Wolfgang Gerstner, Maximilan-Kolbe-Werk e.V. und Professor Eckert
Projekt "Rückenwind" aus Kehl
Beatrix Kayser und Beyhan Ülgen: Projekt "Sprachmittler"
Die Preisträger des TSV Ehningen
Am Freitag, den 29. Oktober wurden im Historischen Kaufhaus in Freiburg acht Initiativen und Projekte im „Wettbewerb für Demokratie und Toleranz 2009" ausgezeichnet. Die Preisträger wurden zunächst von Prof. Dr. Dr. hc Hans Eßmann, Stadtrat der Stadt Freiburg, und Kim Hartmann, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) begrüßt, bevor ihnen ihre Auszeichnungen von Prof. em. Dr. Roland Eckert, Beiratsmitglied des BfDT, überreicht wurden.

Professor Eßmann zeigte sich in seiner Ansprache beeindruckt von der Fülle des Engagements der acht Preisträger aus Baden-Württemberg: „Die hier vertretenen Projekte machen deutlich, wie viel jeder Einzelne bewirken kann und welchen wichtigen Stellenwert ehrenamtliches Engagement in unserer Gesellschaft einnimmt." Kim Hartmann unterstrich anhand einiger aktueller und vergangener Projektbeispiele des BfDT in Baden-Württemberg in ihrer Ansprache die Rolle des BfDT als Ansprechpartner und Impulsgeber der Zivilgesellschaft. Die Preisträger, die ihre Auszeichnung im festlichen Kaisersaal des Historischen Kaufhauses persönlich entgegen nahmen, hatten ausführlich Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen. BfDT-Beiratsmitglied Professor Eckert überreichte den Preisträgern nicht nur ihre Urkunden, sondern machte jeweils in einer kurzen Laudatio die Besonderheiten der ausgezeichneten Projekte deutlich und bettete sie in ihren gesellschaftspolitischen Gesamtkontext ein.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zunächst der lokale Preisträger aus Freiburg, das Maximilian-Kolbe-Werk, das für ein Zeitzeugenprojekt mit Schülern in Sachsen prämiert wurde. In dem ausgezeichneten Projekt „Fragt uns, wir sind die Letzten..." organisierten Ehrenamtliche aus Sachsen vom 8. bis zum 19. September 2009 Zeitzeugengespräche mit KZ- und Holocaust-Überlebenden aus Polen, Belgien, Ungarn und der Tschechischen Republik an insgesamt 14 Schulen in Ostsachsen. Wolfgang Gerstner, Geschäftsführer des Maximilian-Kolbe-Werks, erläuterte, wie wichtig und bewegend die Begegnung von jungen Menschen mit den Holocaust-Überlebenden für beide Seiten sei: „Die persönliche Begegnung und die unmittelbare Erfahrung machen den Jugendlichen auch heute noch die Ausmaße der damaligen Verbrechen begreiflich - etwas das allein mit Geschichtsbüchern nicht zu bewerkstelligen ist." „Die Möglichkeit zum Gespräch mit Zeitzeugen muss man intensiv nutzen, solange sie besteht", bemerkte auch Professor Eckert. Angesichts des hohen Alters der meisten Überlebenden arbeitet das Kolbe-Werk derzeit auch an neuen Konzepten zur Erinnerung und zur Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus, die mit Spannung erwartet werden dürfen.

Der DRK Kreisverband Kehl e.V. wurde für sein gewaltpräventives Projekt „Rückenwind" ausgezeichnet. Die zwei jungen Ehrenamtlichen Samia Azzouz-Moes und Gabrielle Hartmann nahmen stellvertretend für das gesamte Projektteam ihre Auszeichnung entgegen und erläuterten den Ansatz des Projekts Rückenwind: Jugendliche werden speziell dafür ausgebildet, straffällig gewordenen Jugendlichen in Gesprächen und Gruppensitzungen dabei zu helfen, sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen, Wege der Wiedergutmachung zu finden und sich selbst Perspektiven für eine straffreie Zukunft zu verschaffen. Professor Eckert lobte den Peer-Ansatz des Projektes: „Jugendliche haben einen ganz anderen, unmittelbaren und viel leichteren Zugang zu Gleichaltrigen, als dies bei älteren Herrschaften wie Lehrern, Staatsanwälten oder Richtern der Fall ist. Von Gleichaltrigen lässt man sich viel eher etwas sagen und überzeugen. Daher hat das Projekt „Rückenwind" den Beirat des BfDT bei der Auswahl der Preisträger gleich überzeugt".

Auch das Projekt „Sprachmittler" der Caritas Schwarzwald-Gäu aus Sindelfingen verfolgt diesen Ansatz, wenn auch vor einem anderen Hintergrund. Die Caritas Schwarzwald-Gäu bildet Sprachmittler aus, die Menschen mit Migrationshintergrund und geringen Kenntnissen der deutschen Sprache in Alltagssituationen helfen. So begleiten sie diese bei Behördengängen, auf Elternabende oder zum Arzt. „Fremdheit ist etwas sehr Relatives, Subjektives und oftmals reicht bereits ein vertrauter Faktor, um diese Fremdheit abzubauen. Gegenseitiges Verstehen ist dabei immer der erste Schritt zur Verständigung und Anerkennung", bemerkte Professor Eckert. Dem Projekt gehören Sprachmittler mit neun verschiedenen Sprachen an, so dass sie Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen zur Seite stehen können. Die Sprachmittlerin Beyhan Ülgen, die gemeinsam mit der Projektkoordinatorin Beatrix Kayser die Auszeichnung entgegen nahm, erläuterte ihre Motivation zur ehrenamtlichen Arbeit folgendermaßen: „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um Integration ist es wichtig ein Zeichen zu setzen: Wir tun etwas und engagieren uns." Projekte wie die „Sprachmittler" leisten hierbei einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag zur Integration.

Zu guter Letzt wurde der Fußballverein TSV Ehningen geehrt, der im Rahmen des Projekts „MUT gegen rechte Gewalt" nicht nur die traditionelle Trikot-Beflockung mit dem Slogan vorgenommen hat, sondern auch Seminare zur Aufklärung über Rechtsextremismus für D-Jugendspieler organisiert. „Die Motivation für die Aktion ging ganz vom TSV Ehningen aus, das hat mich sehr beeindruckt", erläuterte Hubert Würth, Familienreferent der Gemeinde Ehningen. „Zwar hatte Ehningen keine besonderen Probleme mit Rechtsextremismus, aber wir haben die Initiative trotzdem sehr begrüßt." Die prompte Reaktion eines örtlichen  NPD-Funktionärs in Form von Gegenaktionen habe dem Engagement des Vereins sogleich Recht gegeben. Willi Tafel, der Jugendleiter des Vereins, bemerkte, das Projekt sei von einem jugendlichen Vereinsmitglied angeregt und von allen Jugendlichen sehr positiv aufgenommen worden. Auch die jungen Brüder Cedric und Fabian Fais, die auf der Bühne ihre „MUT gegen rechte Gewalt"-Trikots präsentierten, bestätigten diese Haltung: „Wir finden es gut, dass sich unser Verein gegen Ausländerfeindlichkeit und für Toleranz engagiert. Denn es ist egal, ob meine Mitspieler auf dem Platz Deutsche oder Türken sind. Die Hauptsache ist, dass wir alle zusammen Fußball spielen können."

Außerdem ausgezeichnet wurden der Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn e. V. für die Erstellung und Herausgabe eines Interkulturellen Kalenders für das Jahr 2010, der Judo-Club Weingarten e.V., die Gemeinde Tübingen für das „1. Tübinger Kinderrathaus" sowie Kids for Kids e.V. aus Stuttgart für das Projekt "Präv-Dancer".

Festlich begleitet wurde die Veranstaltung von zwei jungen Musikerinnen, Clara Pouvreau und Anne Schinz von der Musikhochschule Freiburg, die das Publikum am Cello und an der Geige mit klassischer Musik unterhielten. Bei Wein und Brezeln kamen die Preisträger im Anschluss an die Preisverleihung mit den Gästen, Vertretern der Stadt Freiburg und des BfDT ins Gespräch und nutzten die Gelegenheit, um sich über aktuelle und zukünftige Projekte auszutauschen.


 

Aktiv-Preisträger/-innen erzählen von ihrem Engagement

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