Augsburger Reden: »Der NSU-Komplex«

Rechter Terror, staatliches Versagen und ein Mammut-Prozess – wie viel Aufklärung ist möglich? Prof. Dr. Tanjev Schultz verfolgt als einer von wenigen Journalisten den NSU-Prozess von Anfang an und bis heute direkt im Gerichtssaal. Auf Einladung des Friedensbüros gibt er am 16. April Einblicke in seine Beobachtungen und Einschätzungen.

Hunderttausende Akten, mehr als 400 Prozesstage und zahlreiche Untersuchungsausschüsse: Die Aufklärung des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) und seiner Verbrechen ist extrem mühsam und aufwendig. Noch immer sind bohrende Fragen nicht beantwortet. Im Rahmen der »Augsburger Reden. Vortragsreihe zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft« kommt am 16.4. nun ein Gast zu Wort, der sich intensiv mit dem Themenkomplex befasst hat: Tanjev Schultz hat jahrelang über den NSU recherchiert und geschrieben, erst als Redakteur für die Süddeutsche Zeitung, seit 2016 als freier Autor und Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In diesem Jahr veröffentlicht Schultz sein Buch »Kollaps der Sicherheit« und erzählt die Geschichte des NSU als »die atemberaubende Chronik eines staatlichen Organversagens« (Droemer Knaur). Sein Vortrag gibt Einblicke in das Labyrinth aus publizistischen, parlamentarischen und strafrechtlichen Ermittlungen. Moderator der Veranstaltung ist Professor Dr. Dietmar Süß, er lehrt Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg.

Prof. Dr. Tanjev Schultz war mehr als 10 Jahre Redakteur der Süddeutschen Zeitung, zuletzt als innenpolitischer Redakteur. Seit 2016 ist er Professor für Journalismus an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Den NSU-Prozess in München verfolgt er als einer von wenigen Journalisten von Anfang an, also etwa fünf Jahre. Für seine journalistischen Arbeiten ist er mit etlichen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Goethe-Medienpreis und dem Universitas-Preis für Wissenschaftsjournalismus. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht. Das Buch »Kollaps der Sicherheit: Der Terror des NSU und das Versagen des Staates« erscheint in diesem Jahr bei Droemer Knaur.

Die Reihe »Augsburger Reden. Vortragsreihe zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft« widmet sich aktuellen Themen der Vielfalt in der Friedensstadt Augsburg. Sie möchte das Verständnis für gesellschaftliche Entwicklungen fördern und mögliche Handlungsoptionen beleuchten. Es sprachen bisher u.a. Christian Wulff, Norbert Lammert, Navid Kermani, Gesine Schwan, Wilhelm Heitmeyer und Ilya Trojanow. Verantwortlich ist das Friedensbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg unter der Leitung von Christiane Lembert-Dobler mit einem Veranstaltungsnetzwerk aus Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt, Universität, Volkshochschule und Evangelisches Forum Annahof.

Die Veranstaltung findet am 16.4. um 19.30 Uhr im Augustana-Saal, Im Annahof statt. Karten kosten 7/5 €, mit Vorlage des Kultursozialtickets 1€ (nur Abendkasse).


Datum:16.04.2018, 19:30
Veranstaltungsort:Augustana-Saal

Im Annahof 4
86150 Augsburg
Veranstalter:Friedensbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg
Internet:http://www.friedensstadt-augsburg.de/de/augsburger-reden